Dinner im Schloss 2026 - Panel 

Thomas Saueressig, Christine Rittner und Aline Moser im Klartext-Panel beim Dinner im Schloss 2026

Einleitung

Die deutsche Wirtschaft steht 2026 unter Druck wie selten zuvor, und dieses Panel beim Dinner im Schloss 2026 liefert eine ungeschönte Standortbestimmung. SAP-Vorstand Thomas Saueressig spricht von sechs Jahren wirtschaftlichem Decline, Investorin Christine Rittner benennt die Kapital-Lücke zwischen Deutschland und den USA, und Aline Moser, Referentin des Heidelberger Oberbürgermeisters, zeigt, wie Kommunen als „Sandbox City“ gegensteuern können. Moderiert von Reza Mehman, geht es um Davos, KI, EU-Regulatorik, das Geschäftsmodell Deutschland und die Sunny-Valley-Initiative. Die Runde diskutiert offen über Wettbewerbsnachteile, digitale Souveränität und die Frage, warum sich Deutschland zu klein macht für die Fähigkeiten, die es hat. Wer verstehen will, wo Konzern, Kapital und Kommune 2026 wirklich stehen, findet hier eine seltene Direktheit.

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Panel: Albrecht Metter & Philipp Klöckner

Im Panel „Politik und Wirtschaft“ auf dem Heidelberger Schloss zeichnet SAP-Vorstand Thomas Saueressig ein nüchternes Bild: sechs Jahre kein echtes Wirtschaftswachstum, fragmentierte EU-Regulatorik und 27 nationale Cloud-Anfragen statt eines echten europäischen Binnenmarkts. Christine Rittner benennt die brutale Kapital-Lücke zum US-Startup-Markt (rund 10 Milliarden Euro gegenüber 180 bis 220 Milliarden) und appelliert an Konzerne, stärker mit Startups zusammenzuarbeiten. Aline Moser zeigt am Beispiel Heidelberg, wie Kommunen als Testumgebung Innovation ermöglichen können, und stellt die Sunny-Valley-Initiative vor.

Zusammenfassung

Beim Dinner im Schloss 2026 moderiert Reza Mehman ein Panel mit SAP-Vorstand Thomas Saueressig, Investorin Christine Rittner und Aline Moser, Referentin des Heidelberger Oberbürgermeisters. Saueressig bringt aus Davos eine klare Botschaft mit: Die geopolitische Lage ist nicht „uncertain“, sondern eindeutig verändert, und Deutschland hat seit sechs Jahren keinen echten organischen Wachstumsbeitrag erzielt. Christine Rittner ordnet die Lage aus Sicht von Startups und Investoren ein und macht deutlich, dass Deutschland in der Skalierungsphase systematisch Kapital an die USA verliert. Aline Moser beschreibt Heidelberg als „Sandbox City“, in der Innovationen wie Teledriving und KI-Anwendungen im realen Umfeld getestet werden können, und stellt die regionale Initiative Sunny Valley vor. Saueressigs zentraler Appell zum Schluss: Deutschland soll sich nicht kleiner machen, als es ist, und sich auf seine Fähigkeiten besinnen.

Kontext: Wer, Was, Warum

Wer spricht:

  • Reza Mehman (Moderation, Host des Reza Mehman Podcasts und Gastgeber des Dinner im Schloss)
  • Thomas Saueressig (Vorstandsmitglied der SAP SE)
  • Christine Rittner (ehemaliges Vorstandsmitglied bei Lidl, heute Investorin und Aufsichtsrätin)
  • Aline Moser (Referentin des Heidelberger Oberbürgermeisters, zuständig für den Innovationsbereich)

Worum es geht: Ein Panel zur Lage der deutschen Wirtschaft 2026 aus drei Perspektiven: Konzern, Investorin/Startups, Kommune.

Warum relevant: Deutschland diskutiert offen über Standortrisiken, Energiekosten, KI-Souveränität, Venture-Capital-Lücken und EU-Regulatorik. Das Panel liefert konkrete Zahlen und ehrliche Einschätzungen.

Drei Kernfragen, die beantwortet werden:

  1. Wie steht die deutsche Wirtschaft 2026 wirklich da?
  2. Was bedeutet die KI-Disruption für etablierte Konzerne wie SAP?
  3. Wie können Startups, Kapital und Kommunen die Innovationskraft regional zurückgewinnen?


Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung – Überblick über das Gespräch und seine Relevanz
  2. Kontext – Wer spricht, worum geht es, warum jetzt
  3. Themen und Einordnung – Die fünf inhaltlichen Schwerpunkte des Panels
  4. Kern-Aussagen – Die wichtigsten Statements in prägnanter Form
  5. Häufig gestellte Fragen – Antworten auf die zentralen Fragen rund um das Panel
  6. Highlight-Zitate – Die stärksten Aussagen direkt aus dem Gespräch
  7. Das vollständige Gespräch – Das aufbereitete Transkript mit Zwischenüberschriften
  8. Keywords – Relevante Suchbegriffe
  9. Namen und Begriffe – Verzeichnis aller Personen und Organisationen
  10. Zitierfähige Passage – Ein Abschnitt zum direkten Übernehmen


Themen und Einordnung

  1. Wirtschaftsstandort Deutschland: Sechs Jahre ohne echtes Wachstum, geopolitische Verschiebungen, Energie- und Lohnkosten als Wettbewerbsnachteile.
    Keywords: Wirtschaftsstandort Deutschland, Wirtschaftswachstum, Standortpolitik
  2. KI und digitale Souveränität: Was Künstliche Intelligenz für etablierte Konzerne bedeutet und wo Europa sich selbst bremst.
    Keywords: KI Disruption, digitale Souveränität, SAP KI Strategie
  3. Venture Capital und Startup-Kapital: Die Kapital-Lücke zwischen Deutschland (rund 10 Mrd.) und den USA (180 bis 220 Mrd.) und der Verlust der Skalierungsphase.
    Keywords: Venture Capital Deutschland, Startup-Finanzierung, Business Angels
  4. EU-Regulatorik: DSGVO, EU AI Act, EU Data Act, 18 Datenschutzbeauftragte in Deutschland, 27 fragmentierte nationale Cloud-Anfragen.
    Keywords: EU Regulatorik, Datenschutz, europäischer Binnenmarkt
  5. Regionale Innovation und Sunny Valley: Heidelberg als „Sandbox City“, Konversionsflächen, internationale Innovationspartnerschaften, neue Startup-Schmiede in der Region.
    Keywords: Sunny Valley Heidelberg, Sandbox City, Metropolregion Rhein-Neckar


Kern-Aussagen

  • Deutschland hat laut SAP-Vorstand Thomas Saueressig seit sechs Jahren keinen echten organischen Wirtschaftsbeitrag erzielt; die 0,5 Prozent Wachstumsprognose ist durch Feiertage und staatliche Investitionen erklärbar.
  • Die Welt befindet sich nicht in „uncertain Times“, sondern in einer klar veränderten geopolitischen Ära mit derzeit rund 66 parallel laufenden Konflikten.
  • Künstliche Intelligenz ist für SAP kein Bedrohungsszenario („SaaS-Apokalypse“), sondern ein Beschleuniger, weil KI auf Businessdaten und Prozesskontext angewiesen ist.
  • Deutschland investiert pro Jahr rund 10 Milliarden Euro in Startups, die USA rund 180 bis 220 Milliarden Euro. Die Skalierungsphase verlagert sich deshalb häufig in die USA.
  • Es gibt in Deutschland 18 unterschiedliche Datenschutzbeauftragte, die das europäische Datenschutzrecht unterschiedlich interpretieren.
  • SAP erhält 27 nationale Anfragen für souveräne Clouds in Europa, was Skaleneffekte verhindert.
  • Konzerne sollten aktiv mit Startups zusammenarbeiten, um Innovationsgeschwindigkeit zu erhöhen.
  • Heidelberg positioniert sich als „Sandbox City“, die Innovationen wie Teledriving und KI-Anwendungen unter Realbedingungen testet.
  • Die Initiative Sunny Valley zielt darauf, in der Metropolregion ein internationales Startup-Ökosystem mit perspektivisch rund 200 Startups aufzubauen.
  • Deutschland macht sich laut Saueressig „manchmal zu klein“ für seine tatsächlichen Fähigkeiten, etwa im KI-Bereich (Black Forest Labs, Stable Diffusion).


Häufig gestellte Fragen

Wie geht es der deutschen Wirtschaft 2026 laut SAP-Vorstand Thomas Saueressig?

Laut Saueressig befindet sich Deutschland seit sechs Jahren in einem wirtschaftlichen Decline. Die offizielle Wachstumsprognose von 0,5 Prozent erklärt er maßgeblich durch zwei Feiertage am Wochenende (0,3 Prozentpunkte) und staatliche Investitionen (1 Prozentpunkt). Das organische Wirtschaftswachstum sei damit faktisch nicht vorhanden.

Was sagt SAP zur SaaS-Apokalypse durch Künstliche Intelligenz?

SAP sieht KI nicht als Bedrohung, sondern als Beschleuniger. Da hochwertige KI-Anwendungen und Agenten Businessdaten und Prozesskontext benötigen, und beides in SAP-Systemen liegt, erwartet das Unternehmen, dass KI die eigene Position langfristig stärkt. Die jüngsten Cloud-Wachstumszahlen (27 Prozent) und ein Backlog von 22 Milliarden Euro untermauern diese Position.

Wie groß ist die Kapital-Lücke zwischen deutschen und US-Startups?

Laut Christine Rittner werden in Deutschland rund 8 bis 10 Milliarden Euro pro Jahr in Startups investiert. In den USA sind es nach den im Panel genannten Zahlen rund 180 bis 220 Milliarden. Die Skalierungsphase deutscher Startups verlagert sich deshalb häufig in die USA.

Was kritisiert SAP an der EU-Regulatorik?

Saueressig nennt 18 verschiedene Datenschutzbeauftragte in Deutschland mit unterschiedlichen Interpretationen des europäischen Datenschutzrechts, sich überlappende Regelwerke wie EU AI Act, EU Data Act und DSGVO sowie 27 fragmentierte nationale Cloud-Anfragen. Daraus entstehe ein massives Skalierungsproblem im europäischen Binnenmarkt.

Was ist die Sunny-Valley-Initiative in Heidelberg?

Sunny Valley ist eine regionale Startup-Initiative, die vor rund einem Jahr in der Metropolregion gestartet wurde. Ziel ist der Aufbau eines internationalen Startup-Ökosystems mit perspektivisch rund 200 Startups, getragen von Stadt, Wissenschaft, Wirtschaft, Investoren und Mittelstand.

Was bedeutet „Sandbox City“ im Kontext Heidelberg?

Aline Moser beschreibt Heidelberg als „Sandbox City“, in der Innovationen wie Teledriving, KI-Anwendungen oder Large Language Models unter realen Bedingungen getestet werden. Die Stadt versteht sich als Innovationspartner, der Testzonen bereitstellt und Prototyping ermöglicht.

Warum sollten Konzerne stärker mit Startups zusammenarbeiten?

Laut Christine Rittner braucht Deutschland mehr Schulterschluss zwischen Konzernen, Mittelstand und Startups, um schneller und innovativer zu werden. Konzerne profitieren von der Geschwindigkeit der Startups, Startups von der Skalierungskraft der Konzerne. Rittner verweist auf eigene 20 Jahre bei Lidl, in denen sie mit keinem einzigen Startup zusammengearbeitet hat.

Was ist das Dinner im Schloss?

Das Dinner im Schloss ist ein jährliches Premium-Networking-Event auf dem Heidelberger Schloss, organisiert von Reza Mehman. Die fünfte Ausgabe fand am 28. April 2026 statt und brachte Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft zusammen.


Highlight-Zitate

„Wir leben nicht in uncertain Times. Das ist falsch, es ist extrem certain. Wir wissen, dass wir die Geopolitik anders einschätzen müssen, die Welt, in der wir hier alle groß geworden sind, die ist anders geworden.“– Thomas Saueressig

„Wir haben seit sechs Jahren einen wirtschaftlichen Decline in Deutschland.“– Thomas Saueressig

„In Deutschland investieren wir rund 10 Milliarden, 8 Milliarden, 10 Milliarden. Also das ist nicht einfach nur ein Unterschied, das ist eine ganz andere Liga.“– Christine Rittner

„Ich habe 27 Anfragen für souveräne Clouds in Europa. Aber wie kriege ich denn Scale, wenn ich das 27 Mal teile?“– Thomas Saueressig

„Wir sind hier auf der Sunny Side of Life, uns geht es hier doch sehr, sehr gut.“– Aline Moser

„Wir machen uns manchmal in Deutschland zu klein. Wir machen es manchmal auch in Europa zu klein für die Capabilities, die wir haben.“– Thomas Saueressig


Das vollständige Gespräch

Davos 2026 und die neue geopolitische Realität

Reza Mehman:

Ich würde gern, Thomas, mit dir anfangen. Du warst Anfang des Jahres auch in Davos und hast da, glaube ich, auch so ein bisschen die Weltstimmung mitgenommen. Kannst du uns berichten, was waren so die Hauptthemen dort, was für Risiken siehst du momentan, wie geht die SAP eigentlich mit diesen weltpolitischen Bewegungen gerade um?

Thomas Saueressig:

Ich glaube, das ist jetzt eine tiefe Frage, da braucht man die nächsten 30 Minuten, aber Spaß beiseite. Ich glaube, was man in Davos schon gemerkt hat, ist ganz klar, dass wir in einer neuen Welt leben, in einer neuen Ära. Die letzten paar Jahre auf jeder Präsentation habe ich schon gesagt, wir leben in so uncertain Times. Das ist falsch, es ist extrem certain. Wir wissen, dass wir die Geopolitik anders einschätzen müssen, die Welt, in der wir hier alle groß geworden sind, die ist anders geworden. Globalisierung ist anders geworden, multilaterale Abstimmungen sind anders geworden. Wir müssen realisieren, dass auch das Geschäftsmodell Deutschland sich natürlich ändern muss an der Stelle.

Das bedeutet zum einen, dass wir aktuell 66 Kriege parallel auf der Welt haben, das ist natürlich ein Zeichen. Was das bedeutet für die Wirtschaft ist, was wir aktuell sehen: Wenn die Wirtschaftsministerin die Prognose auf 0,5 Prozent reduziert hat, da darf man nicht vergessen, bei 0,5 Prozent sind 0,3 Prozent davon zwei Feiertage, die aufs Wochenende fallen, und ein Prozentpunkt sind die Investitionen vom Staat. Das bedeutet, wir haben seit sechs Jahren einen wirtschaftlichen Decline in Deutschland. Das ist erst mal ein Fakt, und da stehen wir.

Auf der anderen Seite, was wir auch gerade sehen, es war auch ein sehr großes Thema in Davos, ist Künstliche Intelligenz und die Disruption der Künstlichen Intelligenz und was das natürlich auch bedeutet. Wir haben technologisch eine ganz andere Thematik, mit der wir umgehen müssen: Wie Menschen in Zukunft arbeiten, wie Unternehmen funktionieren. Und man sieht ja auch im SAP-Aktienkurs, da gibt es auch einen kleinen Impact auf Firmen. Das ist sicherlich was, was wir angehen müssen. Aber das war jetzt nicht dieses Jahr, das hat sich entwickelt über die letzten Jahre, dass Technologie Geopolitik geworden ist. Das bedeutet, dieses Thema digitale Souveränität hat natürlich auch eine ganz andere Rolle gewonnen in der Zeit.

Geschäftsmodell Deutschland und der Spagat ohne Kompromisse

Reza Mehman:

Ich habe direkt zwei Nachfragen. Geschäftsmodell Deutschland muss sich ändern, hast du gesagt, und wir sollten keine Kompromisse eingehen. Kannst du da ein bisschen konkreter werden bei beiden Themen?

Thomas Saueressig:

Wenn man sich überlegt, Deutschland ist groß geworden als Exportweltmeister mit globalem Handel. Globaler Handel ist schon mal anders. Deutschland hatte natürlich Wettbewerbsvorteile, einige davon sind aktuell schwierig: Energiekosten schwierig, Arbeitszeitflexibilität schwierig. Da könnten wir jetzt die Liste noch länger machen. Das bedeutet, wir müssen uns schon überlegen, wofür steht Deutschland.

Ich bin absoluter Optimist, ich bin absoluter Fan von Deutschland und großer Europäer. Ich glaube tatsächlich, dass es sehr viele Möglichkeiten gibt. Aber bei dem Thema Kompromisse bin ich skeptischer, weil wenn wir jetzt sechs Jahre in Folge kein Wirtschaftswachstum haben und unseren Wohlstand halten wollen, das wird ein Spagat, der wird wehtun. Darüber muss man auch ehrlich miteinander kommunizieren, und ich glaube, das vermisse ich momentan so ein bisschen im Bund, aber gegebenenfalls auch im Land, dass wir da entsprechend richtig darüber diskutieren.

Startup-Phasen und die Kapital-Lücke zu den USA

Reza Mehman:

Ja, über das Thema Politik sprechen wir am besten gleich noch mal. Ich würde gern die Anschlussfrage an Christine stellen. Christine, du hast Erfahrung bei großen Konzernen, du warst im Lidl-Vorstand lange Zeit, jetzt bist du sehr aktiv als Investorin und Aufsichtsrätin. Wie ist so die Stimmung bei Startups und Co?

Eine Sache, weil ich gerade zum ersten Mal den Adrian Thomas sehe, bevor ich dir die Frage stelle: Adrian, toll, dass du da bist. Mir ist aufgefallen, wenn du ganz kurz aufstehen könntest, du bist ja auch Table Captain. Ich war vor kurzem in Stuttgart bei einem Panel von Christian Klein, dem Vorstandssprecher der SAP, und Manuel Hagel. Manuel Hagel hat gesagt, ja, wir haben Startup-Institutionen in Baden-Württemberg, da ist der Adrian Thomas heute. Da ist mir bewusst geworden, wie tief du eigentlich in der Startup-Welt verwurzelt bist, um die Brücke zu Christine zu schlagen. Ihr arbeitet auch zusammen bei gewissen Themen.

Christine Rittner:

Was war die Frage?

Reza Mehman:

Die Anschlussfrage war: Der Konzern sieht die Welt jetzt gerade so, wie sie ist. Wie sehen das die Startups aktuell?

Christine Rittner:

Ja, wie sehen die Startups das? Ich würde mal sehen, in ganz unterschiedlichen Phasen, wo die Startups gerade stehen. Wir haben zum einen die Startups, die jetzt gerade dabei sind, mit ihren tollen Ideen auf den Markt zu kommen, mit ihren Innovationen, die in der absoluten Gründungsphase sind, die ihr MVP haben und die vielleicht jetzt kleinere Investoren suchen, also Business Angels. Da sind wir in Deutschland mittelmäßig gut aufgestellt. Wir wissen alle, dass es wirklich noch sehr viel mehr privates Kapital gibt, was wir unbedingt aktivieren müssen. Da passiert einiges und da passieren auch viele tolle Projekte gerade.

Aber was ich öfter sehe, und vielleicht sind hier auch ein paar andere Business Angels noch mit dabei: Ich habe gerade so ein bisschen das Gefühl, wir geben ganz viel von unserem Kapital in diese Ideen, in die Teams, was ganz, ganz, ganz wichtig ist. Das passiert ganz viel hier in Deutschland, wobei auch unsere Gründerquote, glaube ich, mit 8 Prozent im Vergleich zu USA noch sehr, sehr niedrig ist. Aber die Skalierungsphase passiert dann öfter in den USA, und das ist halt was, wo ich sage, das ist überhaupt nicht schön für uns mit anzusehen, weil wir brauchen die Innovation hier in Deutschland und wir brauchen unbedingt dieses Großkapital.

Reza Mehman:

Aber dann ist die Frage für mich: Haben wir überhaupt das Kapital, um mit Amerikanern mitzuhalten? Pip Klöckner hatte heute Mittag gesagt, was da investiert wird.

Christine Rittner:

Er hat, glaube ich, die Zahl 220 Milliarden gesagt, ich habe irgendwie eine Zahl im Kopf um die 180 Milliarden, das ist egal. In Deutschland investieren wir rund 10 Milliarden, 8 Milliarden, 10 Milliarden. Also das ist nicht einfach nur ein Unterschied, das ist eine ganz andere Liga. 10 Milliarden im Vergleich zu 180 oder 220 Milliarden, das ist wirklich eine ganz, ganz andere Liga. Wir brauchen einfach dieses Großkapital, und das Kapital ist da. Es muss nur weiter aktiviert werden. Das ist auch eine Sache, wo wir zum Beispiel auch mit Adrian zusammen daran gearbeitet haben und uns überlegt haben, was fordern wir auch von der Politik, was benötigen wir. Das sind halt Investitionszuschüsse, das sind die Verlustrechnungen, also vieles, was wir heute auch schon gesagt haben, um es einfacher zu machen, um zum einen als Business Angel aktiv zu werden, aber um das hier für uns auch noch mal attraktiver zu gestalten.

Heidelberg als Sandbox City und kommunale Verantwortung

Reza Mehman:

Es ist super einfach, immer auf die Politik zu zeigen. Aline, ich weiß aber, dass es nicht so einfach ist. Ich glaube, es ist ein Unterschied zwischen Bundespolitik und regionaler Politik, sage ich mal, kommunaler Politik. Du als Heidelbergerin, die da auch mitentscheidet, was da passiert, du weißt wahrscheinlich, was in den ganzen Zimmern besprochen wird, was für Probleme die Unternehmen haben. Was ist so dein Eindruck, wie stehen wir aktuell da? Ist die Stimmung gut, schlecht, positiv gerichtet? Wir haben jetzt aus Davos was gehört, wir haben von Startups was gehört, aber jetzt mal wirklich regional hier aus Heidelberg, wie ist die Stimmung?

Aline Moser:

Wir haben ganz, ganz viel gehört, und ich glaube, wenn wir jetzt hier mal das Publikum öffnen würden, haben wir danach ihren Bauchladen voll an Eindrücken. Das ist, glaube ich, was wir als Kommune tun müssen: Wir sollen nicht Antworten geben, wir sollen erst mal zuhören. Dieses Zuhören ist eigentlich das Elementare, um wirklich zu verstehen, was wir dann tun können. Wenn wir nicht erst wirklich in diese Challenge eintauchen und sehen, wo wir ansetzen können, dann werden wir ganz tolle Programme oder Projekte starten, die aber eigentlich am User oder am Bedarf vorbeigehen. Dieses Zuhören ist eine Haltungsfrage.

Es passt eigentlich auch ein bisschen zu dem Thema, was du vorhin angeschnitten hast. Das ist eine Mindset-Frage. Wir sind hier auf der Sunny Side of Life, uns geht es hier doch sehr, sehr gut. Natürlich haben wir ganz große Herausforderungen, auch wir als Kommune. Wer innerhalb eines Doppelhaushalts 90 Millionen Euro weniger hat, und das ist nicht, weil wir plötzlich so steigende große Veränderungen haben, sondern weil Bundeszuschüsse wegfallen beziehungsweise die Gewerbesteuer einbricht.

Spätestens dann weiß ich, das, was wir als Kommune tun müssen, ist in Wirtschaft investieren, indem wir Flächen bereitstellen, indem wir ermöglichen. Das sind dann ad-hoc-Aktivitäten, die wirklich den Weg ebnen, um zu sehen, wo gibt es Entwicklungsflächen. Unsere Wirtschaftsförderung muss ein Sparringspartner sein. Das ist nicht mehr das Amt für Wirtschaftsförderung, sondern zukünftig ein Business-Haus, wo ich auch hingehen kann, wo ich dann die Unterstützung bekomme, die ich wirklich brauche, und nicht in Programme verortet werde, die einfach nur öffentlich aktiviert sind oder existieren.

Wir müssen aber auch vorausschauend sein. Ich glaube, das ist auch ein Thema für Kommunen zu überlegen, wo geht die Reise hin, wo sind Potenziale, wo müssen wir hin entwickeln. Wir haben hier in der Region wirklich noch Flächen. Für Heidelberg gesprochen haben wir Patrick-Henry-Village. Das ist unsere letzte noch mögliche Konversionsfläche, neben so ein paar interkommunalen Möglichkeiten, die sich da noch auftun. Die können wir jetzt richtig entwickeln, sodass wir auch wirtschaftsorientiert sind und uns dann wieder das auch leisten können, wofür Heidelberg steht: Bildung, Kultur, Soziales et cetera. Geht aber nur, wenn auch die Finanzlage stimmt.

Ich glaube, das Thema Finanzen trifft alle, und wenn wir alle zusammenpacken, das haben wir hier in der Region, wir haben so ein Engagement, so eine Power. Sieh dich nur an, das zu veranstalten, und das jetzt im fünften Durchlauf, immer wieder den Antrieb zu haben, Menschen zusammenzubringen und zu sagen, ich bringe was für diese Region ein. Diese Power zu heben, das ist ein Riesenpfund, und das macht für die Zukunft stark.

Was Konzerne von der Politik brauchen: 18 Datenschützer und 27 Clouds

Reza Mehman:

Jetzt, wenn ich dich fragen dürfte, Thomas, gleich eine super aufwendige Frage: Wenn du dir was wünschen könntest, kommunal, auf Landesebene und auf Bundesebene im Kontext von Politik, wenn du dir was als Konzernlenker wünschen dürftest, was wären diese Punkte?

Thomas Saueressig:

Ich glaube, was du vorhin erwähnt hast: Man muss nicht immer auf die Politik schauen. Als Unternehmer kann man auch selbst Entscheidungen treffen, und ich glaube, das ist ganz wichtig. Wenn Firmen Ausreden suchen, dass die Politik was machen muss, um erfolgreich zu sein, dann liegt es wahrscheinlich eher in der Unternehmung, nicht die richtige Innovation zu haben. Zuallererst schaue ich da auf uns, was wir machen können. Wir können unternehmerische Entscheidungen treffen, Risiken eingehen, da brauche ich auf niemand warten. Zuallererst glaube ich, muss jeder vor seiner eigenen Haustür Wichtiges tun.

Und dann, klar, natürlich würden wir uns freuen: weniger Bürokratie, weniger Regulatorik. Da, um ganz ehrlich zu sein, schaue ich nicht nur nach Deutschland, sondern auch ein bisschen nach Europa, weil die Europäische Union, da gibt es schon verschiedenste Regulatorik, die es schwierig macht. Allein CSRD und dergleichen. Eine Firma wie SAP hat hunderte von Anwälten, das bedeutet, ich kann irgendwie zwischen dem EU AI Act, dem EU Data Act und der DSGVO noch einen Sinn daraus machen.

Das Problem, was ich dabei allein habe: dass ich in Deutschland 18 verschiedene Datenschutzbeauftragte habe. 18. Bayern hat zwei, und dann noch einen im Bund. Wenn ich jetzt einen Vertrag mit der BASF mache, die hier keine 20 Kilometer von der SAP entfernt sind, dann habe ich die Diskussion, dass beide Datenschutzbeauftragte unterschiedlich das europäische Datenschutzgesetz interpretieren, weil es ja nicht straight ist. Der Vertrag hat ein halbes Jahr länger gedauert, weil die Datenschützer sich nicht einig waren, das Gesetz zu interpretieren.

Ich glaube, wenn ich mir was wünschen dürfte: Die Europäische Union sollte verstehen, dass wir nicht nur darüber reden sollten, dass wir 450 Millionen Bürger in der EU haben und deswegen so stark und groß sind auch im Vergleich zu Amerika. Der Unterschied ist ja: Wir haben so viele Bürger, aber wir haben kein einheitliches Element, keinen einheitlichen Wirtschaftsraum, keinen einheitlichen digitalen Raum. Auch da wird ja viel darüber gesprochen, nur als Hyperscaler, bla bla bla. Die Realität ist: Ich habe 27 Anfragen für souveräne Clouds in Europa, und das bedeutet Scale. Aber wie kriege ich denn Scale, wenn ich das 27 Mal teile?

Ich muss ganz ehrlich sagen, ich bin super happy hier in der Region, bin ein absoluter Verfechter, ich bin auch Teil von der MAN. Ich glaube, wir machen das sehr viel wichtig. Aber für eine Firma wie SAP will ich tatsächlich gar nicht in Deutschland anfangen, sondern bei der Europäischen Union, die es sicherlich leichter machen könnten, die auch ein bisschen wirtschaftlich fördernder sein könnten. Da, glaube ich, haben wir einen großen Weg.

KI als Beschleuniger statt SaaS-Apokalypse

Reza Mehman:

Das Thema bei der SAP ist ja: Ihr seid unglaublich wichtig auch für Deutschland an sich, also quasi der letzte verbleibende Softwareentwickler. An euch hängt auch relativ viel. Wenn ich bedenke, Aktienkurs ist ein bisschen gefallen.

Thomas Saueressig:

Einstiegskurse, geht auch wieder hoch.

Reza Mehman:

Genau, ihr habt direkt, wenn ich so direkt sagen darf, mehrere Baustellen: Thema Regulatorik, Thema Gesetze und jetzt auch das Thema KI. Vielleicht hier auch den Schwung zu machen, noch mal zu dem Panel mit Pip Klöckner: Was sind da eigentlich eure größten Baustellen, wenn du an das Thema KI denkst?

Thomas Saueressig:

Um hier auch direkt den Elephant in the Room anzusprechen: Es gibt ja dieses Thema Software-SaaS oder SaaS-Apokalypse.

Reza Mehman:

Das hat der Pip vorhin gesagt, SaaSpokalypse.

Thomas Saueressig:

Man muss es wieder ein bisschen auf den Boden der Tatsachen zurückbringen. Deswegen bin ich auch überzeugt, in den nächsten paar Quartalen wird sich das alles wieder entwickeln. Schauen wir uns mal eine SAP an, um das mal zu erklären: Wir haben 440.000 Kunden weltweit, die businesskritische Prozesse damit abhängen, nicht irgendwie nice to have irgendwas, sondern businesskritisch. Da wird kein Flugzeug mehr produziert, da wird kein Schuh mehr produziert, das ist alles in unseren Produkten drin. Die zu ersetzen ist schwierig, auch allein aus dem Grund: Wir sind in mehr als 160 Länderversionen verfügbar, mit der kompletten weltweiten Regulatorik, mit den 65 Sprachen.

Reza Mehman:

Du hast mich überzeugt, ich kaufe die Aktie.

Thomas Saueressig:

Das ist erst mal nur der Mode, das ist nur, was wir tun. Und dann kommt natürlich das Thema, was macht jetzt KI. Gerade bei KI wird KI ein Beschleuniger für die SAP sein, weil KI basiert auf Daten. Wo werden denn die Daten generiert und gespeichert? In Business-Systemen. Um entsprechend hochwertige KI-Szenarien zu bauen und Agenten zu bauen, brauche ich den Business-Kontext. Wo kriege ich den hin? Das ist die Kombination von Businessdaten, Businessprozessen und der Governance drumherum. Wo ist das? In unserem Business-System.

Wir gehen davon aus, dass KI ein Beschleuniger ist für unser Business. Aber klar, wir sind natürlich in der Multiple Compression am Markt mit allen Softwareaktien runtergegangen, und das geht genauso wieder hoch. Wir haben letzte Woche die Zahlen veröffentlicht, wir sind grundsolide. 27 Prozent Cloud-Revenue-Wachstum, 25 Prozent Kunden-Cloud-Backlog-Wachstum auf einer Basis von 22 Milliarden. Die Fundamente sind phänomenal, aber der Markt muss das natürlich jetzt erst wieder sehen. Wir müssen beweisen, dass unsere KI-Szenarien bei unseren Kunden den Mehrwert bringen, und wie gesagt, dann geht der Aktienkurs auch wieder hoch. Aber wir sind angetreten wie 2020, wir müssen es dem Markt beweisen. Ich glaube, die SAP kann das, wir haben es ein paar Mal bewiesen, wir werden es wieder tun.

Konzerne und Startups: Warum mehr Zusammenarbeit nötig ist

Reza Mehman:

Ich hoffe auch, dass es funktioniert, also wäre, glaube ich, für uns alle nicht so schön, wenn es der SAP nicht so gut geht. Und da habe ich direkt die Frage an Christine: Der Klöckner hat vorhin gesagt, Startups können eigentlich gar nicht mehr mit großen Konzernen arbeiten, weil da einfach unterschiedliche Tools benutzt werden. KI auf der einen Seite eingesetzt wird bei Startups, bei großen Konzernen, ich nehme mal die SAP außen vor, da nicht eingesetzt werden. Das heißt, man spricht auch gar nicht mehr die gleiche Sprache wahrscheinlich. Empfindest du das genauso? Ist es wirklich so, dass Startups in der aktuellen Situation gar nicht mehr kompatibel sind, im Konzern zu arbeiten?

Christine Rittner:

Nicht kompatibel würde ich jetzt nicht sagen. Ich würde aber sagen, dass Startups definitiv viel, viel mehr mit Konzernen zusammenarbeiten sollten oder besser herum: Konzerne sollten mehr mit Startups arbeiten. Ich glaube, sie brauchen sich gegenseitig, um einfach innovativer und auch schneller zu werden.

Die große Herausforderung ist ja, dass große Konzerne, ich war ja selber in einem, dann doch nicht so schnell sind wie Startups. Ich habe natürlich immer gedacht in meiner Lidl-Zeit, wir sind die absoluten Schnellboote, aber am Ende waren wir doch auch nur ein Dampfer gewesen, und das dauert alles ein bisschen länger. Es ist eine andere Governance-Logik, es ist eine andere Risk-Affinität da, es ist eine andere Art da, wie man zum Beispiel auch über Incentives nachdenkt. Im Startup geht es mehr darum: Wann kriege ich das nächste Produktrelease raus? Wie schnell bin ich? Im Konzern denkt man bei Incentives auch eher so ein bisschen an die eigene Karriere und Absicherung.

Aber ich glaube, das ist wirklich für uns in Deutschland ein absolut riesengroßer Hebel, wenn wir viel, viel mehr zusammenarbeiten. Da gibt es so viele Möglichkeiten: von Spin-offs, von nicht selbst machen, sondern was dazukaufen. Macht die SAP ja auch sehr, sehr oft, viele tolle Startups, die auch mit dazukommen, und halt auch die Partnerschaften.

Da auch gerne vielleicht so ein kleiner Appell an Mittelstand und auch an die Konzerne: Traut euch das zu. Wir hatten vorhin das Thema: Ja, wenn da jetzt ein junger Gründer kommt, gerade mal anderthalb Jahre auf dem Markt, hat jetzt nicht die lange Runway. Traut denen das auch zu, macht mit denen kleine Projekte, seid als Pilotpartner da vor Ort. Und wenn ihr Aufrufe bekommt, wie zum Beispiel, rein hypothetisch, der Adrian und ich, wir würden einladen zu einem Dinner, wo wir Startups und Konzerne und Mittelstand zusammenbringen. Im Schloss Heidelberg? Nein, es könnte rein hypothetisch der 24.9., der 24. September in Stuttgart sein. Wenn ihr da von uns zum Beispiel eine Einladung bekommt, dann kommt auch mit dazu.

Wenn ihr noch nicht mit Startups zusammengearbeitet habt, dann hört euch das an. Warum mache ich jetzt gerade so einen Appell? Ich selber war 20 Jahre bei Lidl und habe nicht mit einem einzigen Startup zusammengearbeitet. Jetzt bin ich Investorin, habe selbst viele Investments gemacht und denke mir einfach: Oh, wenn ich das damals gehabt hätte. Also nutzt die Chance, dieses tolle Ökosystem, was wir hier in Baden-Württemberg auch haben, und traut euch daran. Wir brauchen das, und ich glaube auch, eine SAP braucht da noch mehr Startups und noch ein bisschen mehr Innovation.

Reza Mehman:

Also wenn du möchtest, kann ich im Anschluss, wenn du den Termin fix hast, gerne an den Verteiler die Info rausschicken, wann das Event bei euch ist.

Christine Rittner:

Super, machen wir so.

Sandbox City Heidelberg: Vom Aleph-Alpha-Moment bis zum Teledriving

Reza Mehman:

Aline, ich habe jetzt eine Frage an dich.

Aline Moser:

Ich glaube, dasselbe gilt für den Staat oder Kommunen. Du hast vorhin das Beispiel Aleph Alpha gebracht. Das war für uns der Innovationsbooster als Heidelberg, der für uns zu einer Zeit kam, da gab es noch kein ChatGPT. Da kamen wir mit dem Gründer Jonas Andrulis ins Gespräch, der dann sagte: Ich habe da so eine Idee. Schau mal, was der Computer da alles macht mit Go und Schach und was er dann alles gezeigt hat. Und hat dann einfach gesagt: Ich würde es gerne testen. Das war eigentlich der Beginn für uns für eine neue Ära, der Einstieg in KI, der Einstieg in Large Language Models als Test City.

Das ist auch die Haltung, dass wir sagen, wir müssen eine Sandbox-City sein, wir müssen Innovationen testen.

Reza Mehman:

Sandbox City finde ich einen coolen Begriff.

Aline Moser:

Das ist für uns ganz klar ein Mindset. Das zieht sich immer mehr durch, dass wir sagen, wir müssen einerseits selbst testen. Wir testen jede Lösung. Ich bin für den Innovationsbereich verantwortlich. Das heißt, alles, was wir entwickeln, wird getestet. Prototyping wird skaliert von dem Kleinen in den Bereich Stadt rein, aber auch über die Stadt hinaus. Wir machen jährlich einen Innovationstag, um wirklich dieses Mindset zu verändern. Nur wenn wir dieses Mindset ändern, können wir auch mit Startups agieren und arbeiten, und wir haben sie hier.

Für mich war vor zweieinhalb Jahren eine Reise nach Tallinn wirklich, ich sage mal, Augen öffnen. Mittlerweile haben wir eine Innovationspartnerschaft mit Tallinn, kooperieren auch dank der Sparkasse mit einem ganz tollen Programm, das heißt Test in Heidelberg, Test in Tallinn. Wir haben hier Teledriving kürzlich gehabt, was eigentlich hier null möglich ist, weil die Regulatorik und die Vorgaben, ich weiß gar nicht, was wir da alles an Herausforderungen gestemmt haben und stemmen werden.

Aber wenn du nicht Testzonen gibst, und die haben wir, diese Testzonen sind für Startups gut, die sind für Kommunen gut, die sind für die Bürgerschaft gut. Darum geht es, wir wollen das Leben erleichtern. Deswegen sage ich auch immer: Auch wir müssen Startup können, und wir müssen uns selbst als Innovationshub verstehen, neben den ganz klassischen verwaltungstechnischen und klassischen Aufgaben wie Bürgerämter et cetera. Aber auch das geht virtuell. Ich kann mich heute, egal von wo auf der Welt, hier in dem Bürgeramt um einen Termin bitten, beziehungsweise bitten ist sogar das falsche Wort. Ich registriere mich, läuft relativ automatisiert, und dann hole ich meinen Visa-Pass oder was auch immer ab. Solche Wege müssen wir gehen, und das entlastet dann auch wieder Unternehmen.

Sunny Valley: Die Startup-Schmiede der Region

Reza Mehman:

Auch mal Stichpunkt Sunny Valley.

Aline Moser:

Ja, da kann ich auch gern was zu sagen. Ich muss ein bisschen aufholen, weil eigentlich sind wir alle drei in irgendeiner Form, und hier sitzen im Publikum noch mehrere Partner und Akteure, die sich einer Bewegung angeschlossen haben. Ich nenne es Extra-Bewegung, die wir vor einem Jahr gestartet haben. Basierend auf diesem Mindset: Lasst es uns mal mutig sein, lasst uns das Thema Startup-Ökosystem noch mal neu bauen.

Wir haben Menschen angesprochen, unterschiedlichste Art und Weise, die sich, und das fand ich total toll, größtenteils auch noch nicht kannten und sich darüber kennengelernt haben. Normalerweise kennen wir alle das Startup-Ökosystem, wir kennen die Player. Und wir haben uns zusammengesetzt und haben gesagt, wir wollen ein System bauen, noch mal auf wirklich einen Greenfield-Approach starten. Wie sieht die ideale Startup-Schmiede der Zukunft aus? Was brauchen wir? Wir haben groß gedacht, also Ziel 200 Startups. Wir reden jetzt von Startups und nicht von Gründungen. Wir brauchen dazu Kapital, wir brauchen dazu ganz viel Power, und wir laden ein dazu mitzumachen. Nicht der Ruf nach dem Staat, „förder mal und mach mal“, sondern einladen mitzugestalten.

Diese Bewegung ist größer geworden. Du warst beim zweiten oder dritten Mal, glaube ich, dabei, und wir wachsen, brauchen aber auch dazu eine Grundstruktur. Es ist schön, wenn man Ideen hat, dann macht man nette Dinners und nette Runden und noch ein Netzwerktreffen. Jetzt geht es an den schwierigen Teil. Das heißt auch, wir brauchen selbst Finanzierungsmöglichkeiten, um diesen Sockel aufrechtzuerhalten.

Reza Mehman:

Wenn jetzt jemand arbeitet bei einer Firma, die relativ viel Finanzierungsmöglichkeiten hat.

Thomas Saueressig:

Wir machen uns damit keine Sorgen.

Christine Rittner:

Und am Ende, das Tolle bei der Initiative: Wissenschaft, Startups, Konzerne, Mittelstand, alle kommen zusammen, um wirklich hier in der Region ein Ökosystem zu schaffen, um dort auch die besten Startups hervorzubringen und dann mit Großkapital auch wirklich sie hier zu behalten. Weil das ist das, was wir benötigen, und das wird etwas Großartiges.

Reza Mehman:

Stark.

Aline Moser:

Die Sichtbarkeit. Du sprachst den Namen Sunny Valley an. Jetzt kann man wissen, Heidelberg hat Palo Alto als Partnerstadt. Da sieht man schon so ein bisschen so ein Silicon-Mindset und so einen Silicon-Valley-Spirit, den Valley-Begriff. Ich will jetzt gar nicht über den Namen diskutieren, Arbeitstitel. Aber die Idee: Was haben wir denn hier? Ihr wart alle heute vom Sonnenschein gesegnet, dieses Schloss in dieser tollen Jahreszeit mit diesem Sonnenschein, das strahlt auf die gesamte Region aus. So denken wir auch. Also nicht Heidelberg, nicht nur Metropolregion, sondern MAN-Plus. Der Schritt jetzt nach Mainz letzte Woche im Life-Science-Bereich: Wir wären alles andere als blöd, wenn wir nicht mit den Partnern auch kooperieren. Wir wollen mit Heilbronn, das ist die andere Achse, den Schulterschluss suchen, weil wir als Region international dann auch wahrgenommen werden, und das zieht auch wieder Kapital an.

Abschluss: Sich nicht kleiner machen, als man ist

Reza Mehman:

Stark, Gott sei Dank sind da paar Akteure am Machen. Ich muss so langsam die Abschlussfrage stellen, weil sonst die Schlossweinstube bei mir jetzt auch gleich klingeln wird. Ich würde gern dir die Frage stellen, Thomas, und zwar vielleicht eine ein bisschen fiese Frage: Was haben wir hier in Deutschland vielleicht in letzter Zeit nicht so gut gemacht, was hat die SAP als einer der Leistungsträger in Deutschland vielleicht nicht so gut in letzter Zeit gemacht, und was sollten wir definitiv besser machen, um da gewappnet zu sein für die Zukunft?

Thomas Saueressig:

Ich bin ja ein positiver Mensch, also da ist immer die Frage: Nicht was haben wir schlecht gemacht, sondern was können wir noch besser machen. Ich glaube, die SAP ist auch ein tolles Beispiel, was für einen Turnaround wir geschafft haben in dieser Cloud-Transformation. Das ist nicht von jeher gekommen, sondern das war harte Arbeit. Ich glaube, das zeigt, was in Deutschland steckt.

Das ist genau das Thema: Wir haben so tolle Talente, wir haben ja ein paar von den Startups hier schon angesprochen. Aber ich glaube, manchmal machen wir uns in Deutschland zu klein. Wir machen es manchmal auch in Europa zu klein für die Capabilities, die wir haben. Wenn irgendjemand auf X oder Grok irgendwelche Bilder generiert, das kommt halt vom Black Forest Lab in Freiburg. Stark. Der Erfinder von Stable Diffusion ist halt der Professor Ommer an der LMU in München. Wir machen uns manchmal viel zu klein.

Wenn ich da einen Appell machen sollte: Wir sollten in Deutschland wieder ein bisschen mehr mit breiter Brust nach vorne gehen. Auch in der aktuellen Weltpolitik ist es, glaube ich, umso wichtiger, sich auf die Stärken zu besinnen, die wir haben. Nicht immer zu diskutieren, was haben wir nicht, sondern vielmehr zu verstehen, was für Möglichkeiten wir haben. Da glaube ich, haben wir tolle Möglichkeiten in Deutschland, in Europa, und die müssen wir viel mehr wieder hervorbringen. Dann geht es auch entsprechend hoch, bin ich absolut überzeugt.

Reza Mehman:

Ich bin happy, dass ihr positiv gestimmt seid. Vielen Dank für das tolle Panel. Ich danke euch.


Keywords

Tags: deutsche Wirtschaft 2026, SAP Thomas Saueressig, Dinner im Schloss, Reza Mehman Podcast, KI Disruption, Startup Ökosystem Deutschland, Venture Capital, Sunny Valley Heidelberg, digitale Souveränität, EU Regulatorik, Christine Rittner, Aline Moser, Wirtschaftsstandort Deutschland, Sandbox City, SaaS Apokalypse, Heidelberg Innovation, Black Forest Labs, Stable Diffusion, Aleph Alpha, Wirtschaftspanel


Namen und Begriffe

Personen: Reza Mehman, Thomas Saueressig, Christine Rittner, Aline Moser, Adrian Thomas, Christian Klein, Manuel Hagel, Pip Klöckner, Jonas Andrulis, Professor Ommer

Unternehmen und Organisationen: SAP, Lidl, BASF, Aleph Alpha, Black Forest Labs, Sparkasse, MAN (Metropolregion Rhein-Neckar), Volksbank Kurpfalz

Orte: Heidelberg, Davos, Stuttgart, Tallinn, Mainz, Heilbronn, Palo Alto, Freiburg, München, Patrick-Henry-Village

Begriffe und Konzepte: Sunny Valley, Sandbox City, Test in Heidelberg, Test in Tallinn, SaaS-Apokalypse, digitale Souveränität, Multiple Compression, Cloud-Transformation, EU AI Act, EU Data Act, DSGVO, CSRD, Stable Diffusion, Large Language Models, Greenfield-Approach, Innovationshub, Konversionsfläche


Zitierfähige Passage

„Wir leben nicht in uncertain Times, es ist extrem certain. Wir wissen, dass die Welt sich geändert hat.“
„Wir haben seit sechs Jahren einen wirtschaftlichen Decline in Deutschland.“
„In Deutschland investieren wir rund 10 Milliarden in Startups, in den USA sind es 180 bis 220 Milliarden.“
„Ich habe 27 Anfragen für souveräne Clouds in Europa. Wie soll das Scale werden, wenn ich es 27 Mal teile?“
„Wir machen uns manchmal in Deutschland zu klein für die Capabilities, die wir haben.“



Sechs Jahre kein echtes Wirtschaftswachstum. 66 parallele Kriege weltweit. 27 souveräne Cloud-Anfragen in Europa statt einer. Wenn Thomas Saueressig, Vorstandsmitglied der SAP, in dieses Panel kommt, dann mit Zahlen, die unbequem sind.

In dieser Folge moderiere ich beim Dinner im Schloss 2026 auf dem Heidelberger Schloss ein Panel zu Politik, Wirtschaft und der Frage, wo Deutschland gerade wirklich steht. Mit dabei:

Thomas Saueressig (Vorstand SAP)
Christine Rittner (ehemaliges Lidl-Vorstandsmitglied, heute Investorin und Aufsichtsrätin)
Aline Moser (Referentin des Heidelberger Oberbürgermeisters,, verantwortlich für Innovation)

Wir sprechen über das, was in Davos diskutiert wurde, über den Zustand des Geschäftsmodells Deutschland, über die SaaS-Apokalypse-Debatte rund um KI, über die brutale Kapital-Lücke zwischen US- und deutschen Startups (10 Mrd. vs. 180+ Mrd.) und über die regionale Antwort darauf: die Sunny-Valley-Initiative aus Heidelberg.

Was du mitnimmst: einen ehrlichen Blick auf Standort, Regulatorik, KI-Souveränität und die Frage, wo Deutschland sich selbst im Weg steht und wo nicht.

Timestamps:
00:00 Davos 2026: Was Thomas Saueressig aus dem Weltwirtschaftsforum mitgenommen hat
02:26 „Geschäftsmodell Deutschland muss sich ändern“
04:38 Startup-Kapital: 10 Mrd. gegen 180 Mrd. aus den USA
07:43 Aline Moser: Heidelberg als „Sandbox City“
11:01 Was SAP von der EU braucht: 18 Datenschützer, 27 Clouds
14:03 KI und die „SaaS-Apokalypse“
16:21 Sunny Valley: Die Startup-Schmiede der Region

Mehr Hintergründe und kommende Termine: [LINK]

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„Wir haben seit sechs Jahren einen wirtschaftlichen Decline in Deutschland.“

Wenn ein SAP-Vorstand das so sagt, auf der Bühne, mit gerade rechnender Stimme, dann ist das mehr als ein O-Ton. Dann ist es eine Lagebesprechung.

Beim Dinner im Schloss 2026 habe ich ein Panel moderiert mit Thomas Saueressig (Vorstand SAP), Christine Rittner (Investorin, ex-Lidl-Vorstand) und Aline Moser (Referentin des Heidelberger Oberbürgermeisters). Drei Perspektiven, ein gemeinsamer Befund.

Was hängen geblieben ist:

Die Kapital-Lücke ist keine Schwäche, sondern eine andere Liga: 10 Mrd. in Deutschland gegen 180 bis 220 Mrd. in den USA.

Europas größter Hebel liegt nicht in mehr Regulatorik, sondern in weniger Fragmentierung: 18 Datenschutzbeauftragte allein in Deutschland, 27 fragmentierte Cloud-Anfragen in der EU.

KI ist für SAP kein Bedrohungsszenario, sondern ein Beschleuniger, weil die wertvollen Daten dort liegen, wo Geschäftsprozesse stattfinden.

Und das vielleicht wichtigste Statement: Deutschland macht sich kleiner, als es ist. Stable Diffusion kommt aus München, Black Forest Labs aus Freiburg. Die Capabilities sind da. Was fehlt, ist Selbstbewusstsein.

Volle Folge auf YouTube und im Reza Mehman Podcast.