Dinner im Schloss 2024 - Panel 5

Transformation, Innovation und Klimaneutralität: Wie Baden-Württemberg Zukunft, Wirtschaft und Gesellschaft neu denkt

Einleitung

In diesem Panel beim Dinner im Schloss sprechen Reza Mehman, Dr. Danyal Bayaz, Tatjana Kiel, Dr. Lars Kissau, Alexander von Frankenberg und Prof. Dr. Eckart Würzner über Transformation, Klimaneutralität, Innovation, Bildung und Infrastruktur. Im Mittelpunkt stehen die Zukunft der Automobilindustrie, Net Zero in der Chemie, die Rolle von Start-ups, politische Führung in Krisenzeiten und die Frage, wie Baden-Württemberg wirtschaftlich stark und gesellschaftlich resilient bleiben kann. Das Gespräch zeigt, warum Zukunftsfähigkeit nicht nur eine Frage von Technologie ist, sondern auch von Kommunikation, Mut, Bildung und politischer Umsetzung.

Zusammenfassung

Reza Mehman spricht mit führenden Stimmen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Stadtverwaltung über die großen Transformationsfragen unserer Zeit. Dr. Danyal Bayaz betont die Notwendigkeit, Zukunftstechnologien zu fördern, gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sichern und Transformation ehrlich zu kommunizieren. Tatjana Kiel lenkt den Blick auf Resilienz, Leadership und den Mut, Menschen Herausforderungen zuzutrauen. Dr. Lars Kissau erklärt, wie komplex der Weg von BASF zu Net Zero ist und warum klimaneutrale Produktion nicht ohne neue Technologien und höhere Investitionen gelingen kann. Alexander von Frankenberg und Prof. Dr. Eckart Würzner zeigen, wie stark Bildung, Start-up-Kultur und kommunale Infrastruktur mit der Zukunftsfähigkeit des Standorts verbunden sind.

Panel Teilnehmer

Dr. Danyal Bayaz, Finanzminister von Baden-Württemberg 

Alexander von Frankenberg, Geschäftsführer, High-Tech Gründerfonds
Tatjana Kiel, CEO, KLITSCHKO Ventures 

Dr. Lars Kissau, President Net Zero Accelerator, BASF 

Prof. Dr. Eckart Würzner, Oberbürgermeister, Stadt Heidelberg
Reza Mehman, Founder & Host, Dinner im Schloss 

Kontext 

Wer spricht
Es sprechen Reza Mehman als Gastgeber sowie Dr. Danyal Bayaz, Tatjana Kiel, Dr. Lars Kissau, Alexander von Frankenberg und Prof. Dr. Eckart Würzner. 

Worum geht es
Das Panel dreht sich um die Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft. Themen sind unter anderem Elektromobilität, Industriepolitik, Klimaneutralität, Start-up-Förderung, Bildung, Leadership und kommunale Infrastruktur. 

Warum ist das relevant
Das Gespräch zeigt sehr konkret, welche Herausforderungen und Chancen auf Baden-Württemberg, Deutschland und Europa zukommen. Es verbindet wirtschaftliche Realität, politische Verantwortung, technologische Innovation und gesellschaftliche Veränderung. 

Themen-Cluster / Einordnung 

1. Industrielle Transformation und globale Wettbewerbsfähigkeit
Im Gespräch wird deutlich, dass Baden-Württemberg wirtschaftlich stark bleibt, wenn es technologisch offen, forschungsintensiv und anpassungsfähig bleibt.

2. Klimaneutralität und die Realität von Net Zero
Die Diskussion zeigt, dass der Weg zu klimaneutralen Produkten und Prozessen möglich ist, aber große Investitionen, neue Technologien und ehrliche Kommunikation erfordert.

3. Bildung, Resilienz und gesellschaftliche Zukunftsfähigkeit
Mehrere Beiträge machen klar, dass Innovationskraft nicht nur in Unternehmen entsteht, sondern schon in Schule, Erziehung und gesellschaftlicher Haltung angelegt wird.

4. Start-ups, Forschung und neue Technologien
Start-ups, Hochschulen und Forschungseinrichtungen werden als zentrale Treiber für Fortschritt, neue Märkte und internationale Wettbewerbsfähigkeit beschrieben.

5. Infrastruktur, politische Umsetzung und kommunale Realität
Die kommunale Perspektive zeigt, wie komplex die praktische Umsetzung von Transformation vor Ort ist, gerade bei Fernwärme, Stromnetzen und Ladeinfrastruktur.

  • Einführung in das Panel und die Frage nach der Transformation 
  • Dr. Danyal Bayaz über Automobilindustrie, Resilienz und politische Kommunikation 
  • Tatjana Kiel über gesellschaftliche Resilienz, Erziehung und Mut zur Herausforderung 
  • Dr. Lars Kissau über Net Zero, BASF und die Realität klimaneutraler Produktion 
  • Alexander von Frankenberg über Start-ups, Automobiltechnologien und Bildung als Zukunftsrisiko 
  • Prof. Dr. Eckart Würzner über Ladeinfrastruktur, Fernwärme und kommunale Umsetzung 
  • Leadership, Innovation und gesellschaftliche Haltung in Krisenzeiten 
  • Schlussgedanken zu Zukunftsoptimismus, Politik und Baden-Württemberg als Transformationsstandort

Kern-Aussagen 

  • Baden-Württemberg kann die Transformation schaffen, wenn Wirtschaft, Politik und Gesellschaft gemeinsam handeln. 
  • Klimaschutz und wirtschaftliche Prosperität werden im Panel als zusammengehörig verstanden. 
  • Technologieoffenheit ist wichtig, aber politische Kommunikation muss ehrlich und realistisch bleiben. 
  • Net Zero ist für die Industrie nur mit tiefgreifenden technologischen Veränderungen erreichbar. 
  • Bildung und naturwissenschaftliche Leistungsfähigkeit sind zentrale Voraussetzungen für künftige Wettbewerbsfähigkeit. 
  • Innovation braucht Mut, Kreativität und die Bereitschaft, Fehler und Rückschläge zuzulassen. 
  • Start-ups und Forschungslandschaften sind ein entscheidender Hebel für die Zukunftsfähigkeit des Standorts. 
  • Kommunale Infrastruktur ist ein Engpass der Transformation, nicht nur die Finanzierung. 
  • Leadership bedeutet in Krisenzeiten vor allem Orientierung, Kommunikation und ein positives Zukunftsbild. 
  • Gesellschaftlicher Zusammenhalt ist eine Voraussetzung dafür, dass Transformation demokratisch gelingt. 

Fragen & Antworten 

Frage: Welche Risiken sieht Dr. Danyal Bayaz für die Transformation der Automobilindustrie?
Antwort: Er sieht Risiken vor allem in geopolitischen Veränderungen, im internationalen Wettbewerbsdruck, in Herausforderungen für die Zulieferindustrie und in der Gefahr, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt leidet, wenn Transformation wirtschaftlich nicht gelingt. 


Frage: Warum ist Technologieoffenheit für die Politik laut Dr. Danyal Bayaz wichtig?
Antwort: Weil sich Politik nicht auf eine einzelne Technologie festlegen sollte. Gleichzeitig betont er, dass Fakten offen kommuniziert werden müssen und nicht der Eindruck entstehen darf, Transformation sei ohne Zumutungen möglich. 


Frage: Was meint Tatjana Kiel mit dem Begriff Curlingeltern?
Antwort: Sie beschreibt damit Eltern, die Kindern Hindernisse vollständig aus dem Weg räumen, sodass sie gar nicht mehr lernen hinzufallen, Herausforderungen anzunehmen und selbst Lösungen zu finden. 


Frage: Warum verfolgt BASF das Ziel Net Zero?
Antwort: Weil BASF-Produkte in nahezu allen Industrien eingesetzt werden und diese Industrien nur dann klimaneutral werden können, wenn auch die Produkte und Prozesse von BASF emissionsarm oder emissionsfrei werden. 


Frage: Warum wird klimaneutrale Produktion laut Dr. Lars Kissau nicht zum gleichen Preis möglich sein?
Antwort: Weil dafür enorme Investitionen, neue Technologien und ein grundlegender Umbau von Energieversorgung, Produktionsprozessen und Rohstoffbasis notwendig sind. 


Frage: Welche Rolle spielen Start-ups bei der industriellen Transformation?
Antwort: Laut Alexander von Frankenberg entstehen gerade in Bereichen wie Sensorik, Robotik, Software, autonomes Fahren und induktives Laden wichtige technologische Fortschritte durch junge Unternehmen. 


Frage: Welches Risiko sieht Alexander von Frankenberg für den Innovationsstandort Deutschland?
Antwort: Er sieht das Risiko in sinkenden Bildungsleistungen, insbesondere in Mathematik und naturwissenschaftlichen Fächern, weil diese langfristig mit Patenten und industrieller Wettbewerbsfähigkeit zusammenhängen. 


Frage: Was ist laut Prof. Dr. Eckart Würzner die größte Herausforderung bei der Infrastrukturtransformation in Städten?
Antwort: Nicht in erster Linie das Geld, sondern die Logistik, die Planungskapazitäten, die personellen Ressourcen und die begrenzte Möglichkeit, ganze Städte gleichzeitig aufzureißen. 


Frage: Was versteht Tatjana Kiel unter gutem Leadership in Krisenzeiten?
Antwort: Sie sieht Leadership stark als Kommunikationsthema. Es geht darum, Mut zu fördern, Potenziale ernst zu nehmen, Austausch produktiv zu gestalten und Entwicklung zu ermöglichen statt kleinzureden. 


Frage: Was ist die zentrale politische Haltung von Dr. Danyal Bayaz in diesem Gespräch?
Antwort: Er plädiert für Ehrlichkeit, Zuversicht und ein positives Zukunftsbild, weil Transformation nur dann gelingt, wenn Menschen mitgenommen werden und an ein realistisches Ziel glauben.


Zitierfähige Passagen

Die Diskussion macht deutlich, dass Transformation weit mehr ist als ein technisches oder politisches Projekt. Sie betrifft industrielle Prozesse, gesellschaftliche Resilienz, Bildung, Infrastruktur und die Frage, wie Zukunft kommuniziert wird. Klimaneutralität, Innovation und wirtschaftliche Stärke werden dabei nicht als Gegensätze verstanden, sondern als miteinander verbundene Aufgaben. Entscheidend ist, ob es gelingt, daraus ein realistisches, motivierendes und gemeinschaftlich getragenes Zukunftsbild zu machen.

Highlight-Zitate 

„Es gibt kein Naturgesetz, dass Industriestaaten wie die Bundesrepublik, dass Exportländer wie Baden-Württemberg auch in Zukunft erfolgreich sind, sondern man muss schon was dafür tun.“


„Wirtschaftliche Prosperität und Nachhaltigkeit, zwei Seiten einer Medaille, Wertschöpfung, künftige Arbeitsplätze, damit auch die Demokratie zusammenhält.“

„Wir schrubben den Weg so frei, dass die Kinder gar nicht erst hinfallen.“

„Ich glaube, das erste ist wirklich Fakten offen darlegen.“

„Wir werden nicht in Zukunft alles CO2 frei haben können zum gleichen Preis.“

„Lucky Punch gibt es nicht.“

„Es gibt Produkte im Supermarkt, es gibt Produkte, was ich im Automobilsalon, die mit niedrigen Emissionen kommen, die sind vielleicht ein bisschen teurer, aber da kann natürlich jeder von uns durch die Kaufentscheidung auch diese Transformation ein Stück weit vorantreiben.“

„Wir haben eine super Ausgangslage, wir haben tipptopp Unternehmen, wir haben eine klasse Forschungslandschaft.“


Transformation, Innovation und Klimaneutralität: Wie Baden-Württemberg Zukunft, Wirtschaft und Gesellschaft neu denkt


Einstieg und Frage nach der Transformation

Reza Mehman:
Am Tisch kann man am besten diskutieren, es wird gleich was zu essen geben, was Leckeres und auch über Themen diskutieren, die vielleicht sehr unterschiedlich betrachtet werden.

Herr Bayaz, ich freue mich sehr, dass Sie heute mit dabei sind. Vielen Dank, dass Sie sich Zeit genommen haben. Wir alle wissen, wir wollen auch nicht über die Gesetzgebung an sich sprechen, aber aus Ihrer Sicht, was würden Sie sagen, wenn Sie jetzt 2035 im Kopf haben? Sehen Sie gewisse Risiken, was die Transformation anbelangt, im Rahmen der Kommunikation mit den Menschen? Ich habe das Gefühl, wirklich, dass es große Teile der Bevölkerung gibt, die das toll finden. Wir alle wissen, wir müssen umschwenken, wir dürfen nicht so ressourcenverschwendend arbeiten, wir müssen umschwenken, auf der einen Seite. Auf der anderen Seite gibt es viele, die sagen, hey, Verbrennermotoren funktionieren doch so gut, warum switchen wir jetzt?

Dr. Danyal Bayaz:
Ja, erstmal vielen Dank für die Einladung und für die tolle Organisation dieses Events, was ihr ganz hier nicht zum ersten Mal macht, ein paar Mal, das dritte Mal und ich glaube bei einer wahrscheinlich der heißesten Locations, die wir in Baden-Württemberg so haben, das kann man schon so sagen, Herr Oberbürgermeister, als gebürtiger Heidelberger und als Schlossherr, der ich auch sein darf, der Finanzminister hat auch ein paar Wellness-Themen, neben das immer an ihm gezerrt wird, sich um unsere Monumente zu kümmern, und ich habe gerade noch die Schlossverwalterin beim Reingehen getroffen, habe gesagt: Stichwort Mindset, wir müssen ja vor allem mal die Bayern überholen und Neuschwanstein hat irgendwie mal eine Zahl zu geben, 1,2 Millionen Besucher im Jahr, wir sind bei über einer Million und die knacken wir auch noch. Also von daher, wir arbeiten dran.

Ja, und sagen wir mal, Automobil und Transformation, das ist ja für Baden-Württemberg nichts Neues, das ist für diese Region nichts Neues. Vor 140 Jahren, die bekannte Fahrt von Bertha Benz von, glaub Ladenburg nach Pforzheim, hat an der Apotheke in Wiesloch getankt, damals die erste Langstrecke, 60 Kilometer oder sowas. Das waren also, wir verstehen schon ein bisschen was davon.

Wir merken aber auch gerade die geopolitischen Veränderungen, die Dynamiken von Shenzhen bis zum Silicon Valley. Es gibt kein Naturgesetz, dass Industriestaaten wie die Bundesrepublik, dass Exportländer wie Baden-Württemberg auch in Zukunft erfolgreich sind, sondern man muss schon was dafür tun.

Ich glaube, das eine ist, was wir schon als Land auch gemerkt haben, Stichwort Resilienz, nicht nur auf einer Branche zu setzen, sondern ich glaube Zukunftstechnologien, Medizintechnik, Biotech, was auch hier in der Region unheimlich wichtig ist, künstliche Intelligenz, Quantentechnologie in der Breite, auch das macht uns weniger anfällig und trotzdem, wir wollen Automobilland bleiben. Und wenn ich mir mal so die Zahlen anschaue, das Bild ist differenziert, es gibt einerseits, ich glaube vor allem auch die beiden großen OEMs in Baden-Württemberg, Mercedes und Porsche, die sich auch von den politischen Diskussionen nicht beirren lassen, sondern die gesagt haben, für auf absehbare Zeit, da können wir gerne gleich auch noch mal sprechen, setzen wir auf Elektrifizierung, weil wir glauben, dass dort die Weltmärkte unterwegs sind.

In der zweiten Reihe, was die Zulieferindustrie angeht, da kommen schon ein paar schwierigere Fragen auf uns zu, um es mal auch politisch aufzuladen. Es geht da ja nicht nur um Wohlstand, Wachstum, Prosperität, neue Technologien, am Ende geht es auch um Demokratie, um den Zusammenhalt, was Baden-Württemberg stark macht. Sie können in jedes Kaff dieses Landes fahren, Sie finden überall mindestens ein oder zwei Hidden Champions, die für Wertschöpfung, für Arbeitsplätze, für Steuereinnahmen, dann freut sich auch der Finanzminister, sorgen, aber auch darauf gibt es kein Naturgesetz.

Und da gibt es einige Meldungen, wenn Sie sich Stellenabbau anschauen, das sind Überschriften, die lange aus den Zeitungen verschwunden gewesen sind, die aber wieder kommen. Sie kennen die Diskussion um Ansiedlungen, jetzt geht Stihl, großes Industrieunternehmen aus dem Raum Stuttgart, in die Schweiz. Porsche überlegt, ob sie Batteriezellenfertigung in den USA statt in Stuttgart macht. Das sind schon Dinge, die uns natürlich sozusagen tief treffen und die wir auch ein Stück weit mit Sorge beobachten.

Ich glaube, wir sind gut aufgestellt, vor allem weil wir eine unheimlich starke Forschungslandschaft haben. Fünfeinhalb Prozent in Baden-Württemberg der Ausgaben gehen gemessen am Bruttoinlandsprodukt in Forschung, Entwicklung, absoluter Spitzenwert, und es ist deswegen gibt mir das Zuversicht, weil es immer noch der beste Proxy ist für Zukunftsfähigkeit von einer Gesellschaft. Einen Teil leistet dafür der Staat, der große Teil kommt von den forschenden Unternehmen und die wissen eigentlich am besten, wo die zukünftige Musik spielt.

Ich habe ja manchmal den Eindruck, der so erweckt wird, die Politik hätte sich für eine Technologie entschieden, das ist nicht der Fall.

Reza Mehman:
Und wenn man sich mal die Dynamiken, der Eindruck ist da, was meinen Sie, der Eindruck ist da?

Dr. Danyal Bayaz:
Der Eindruck ist da, ich sag auch gerne was dazu. Wenn man so auf die Zahlen schaut, spüren wir den chinesischen Atem. Ich war letztes Jahr bei der IAA in München und auf einmal sieht man, wow, BYD und andere haben mittlerweile die größeren Stände als die deutschen OEMs. Und sieht, die bauen eben nicht nur im Mittelklassebereich, sondern auch im Einstiegspreissegment Elektroautos, die die deutschen Hersteller noch nicht so anbieten, dann stellen sich da zumindest auch gewisse Fragen.

Jetzt kommen wir noch mal zu der Technologiefrage, lassen Sie mich mal zwei Sätze dazu sagen, weil Sie haben gesagt, wie kommuniziert man mit der Bevölkerung. Ich glaube, das erste ist wirklich Fakten offen darlegen. Ein Fakt ist zum Beispiel, weil diese Frage von Wasserstoff ja auch durchaus Fahrt aufnimmt, und wir sind da alles andere als ideologisch. Mein Verkehrsministerkollege war mit Porsche neulich in Patagonien, um dort sozusagen die Einweihung einer Raffinerie zu begleiten. Wir sind beteiligt über unsere L-Bank beim Start-up Ineratec, eines der führenden Hersteller in Ost Karlsruhe, in dem Bereich.

Reza Mehman:
Sehr gut, dann weiß ich schon mal gut, wenn Sie da investiert haben, dass wir unser Geld nicht ganz falsch gesetzt haben.

Dr. Danyal Bayaz:
Und insofern fahren wir genau diesen Kurs der Technologieoffenheit. Aber jetzt geb ich Ihnen mal eine Zahl, die finde ich schon beeindruckend. Wenn man alle Raffinerien, die weltweit gerade in Planung sind, die nicht gebaut sind, die in Planung sind und in den nächsten sechs, acht, vielleicht zehn Jahren entwickelt werden, das sind 70 Stück, zusammen nimmt, dann reicht das für ungefähr zehn Prozent der Flotte, die wir gerade in der Bundesrepublik Deutschland haben.

Und deswegen habe ich manchmal das Gefühl, dass wir politische Diskussionen führen, die uns ein bisschen ablenken sollen und die auch das Gefühl geben, bei uns gibt es Klimaschutz und Transformation, aber es kostet nichts, es ist keine Zumutung, ihr könnt alle so weitermachen. Und ich glaube, da setzt Kommunikation genau aufs falsche Pferd.

Das ist auch ein bisschen etwas, was ich bei Sprüchen wie You never walk alone schwierig finde, weil es heißt ja Transformation und Veränderung, aber ohne dass es irgendeiner spürt. Und ich glaube, da müssen wir uns schon ein Stück weit ehrlich machen. Es geht nicht um Blut, Schweiß und Tränen reden, es geht glaube ich schon darum, dass Politik die Aufgabe hat, ein positives Bild von Zukunft zu malen und zwar nicht naiv, sondern plausibel, realistisch, ambitioniert und dass man die Ziele klar im Kopf hat und bei den Instrumenten durchaus flexibel sein muss, weil wir merken, und da hast du völlig recht bei deiner Frage, es ist nie der direkte Weg, sondern es ist immer mit Umwegen, es ist mit Hindernissen, die man vielleicht so nicht im Blick hat, verbunden.

Und ich glaube, wenn es ein Ökosystem gibt, was mit Flexibilität, mit Agilität, mit Veränderung umgehen kann, dann ist es so ein Ökosystem, wie wir es in Baden-Württemberg haben. Wir sind ein rohstoffarmes Land. Das, was wir haben, ist die Man and Woman Power. Jeder dritte Euro unseres Landeshaushalts von 65 Milliarden geht in Bildung, Forschung, Innovation. Da gibt es auch ein paar Hausaufgaben, keine Frage. Aber ich glaube, das ist der richtige Kurs, damit wir diese Transformation auch erfolgreich hinbekommen.

Und das sagte der Professor eben völlig zurecht, man braucht schon die Gesellschaft an seiner Seite. Und wir wollen ja nicht nur für uns, dass es funktioniert, sondern wir wollen, dass andere Regionen der Welt mitmachen. Und da müssen wir schon zeigen, das ist ein Business Case. Wirtschaftliche Prosperität und Nachhaltigkeit, zwei Seiten einer Medaille, Wertschöpfung, künftige Arbeitsplätze, damit auch die Demokratie zusammenhält. Und wenn das funktioniert, dann machen auch andere mit. Und ich glaube, das ist der Baden-Württemberg-Weg und da sind wir eigentlich auf einem ganz guten Weg.

Resilienz, Erziehung und Mut zur Herausforderung

Tatjana Kiel:
Das Spannende ist ja, wenn wir über Resilienz reden, dann gucken wir immer auf irgendwie Vorzeigetalente und so weiter und die Frage ist, wie schaffen wir denn eine resiliente Gesellschaft, dass das genau auch nach vorne geht und man Innovationen bekommt.

Das ist eines meiner Lieblingsforschungsstücke und eigentlich aber das Erschreckendste zugleich. Also jeder von euch kennt die Helikoptereltern, ne, das ist uns ja allen schon gesagt worden. Leider ist es sogar vor Corona jetzt schon dazu gekommen, dass klar ist, dass es keine Helikoptereltern mehr sind, sondern wir sind Curlingeltern. Wir schrubben den Weg so frei, dass die Kinder gar nicht erst hinfallen.

Wozu führt das aber, wenn wir jetzt darüber sprechen, innovativ zu sein oder mutig zu sein, Dinge zu trauen? Das führt dazu, dass die Kinder mit 18 sagen, hä, wieso soll ich das denn jetzt machen, das macht Mama oder Papa schon, ich muss das gar nicht regeln. Die entziehen sich der Situation und stellen sich nicht den Herausforderungen und haben daran auch gar keinen Spaß mehr. Und das müssen wir wieder hier hinbekommen.

Und das war ja auch so ein bisschen das, was ich mit meiner Tochter erzählte. Wir müssen ihnen verständlich machen, dass das Leben, und guckt euch die Kriege da gerade draußen an, die Situation, wir müssen denen schon sehr offen sagen, dass das hier alles eben im Moment kein Ponyhof ist, aber das heißt ja nicht, dass man ihnen Angst machen muss, sondern dass man ihnen einfach zeigen muss, es gibt Dinge, ich helfe dir wieder hoch, aber hinfallen musst du halt doch auch.

Net Zero bei BASF und die Realität klimaneutraler Industrie

Reza Mehman:
Sehr schön gesagt, vielen Dank. Herr Kissau, BASF, keine unbekannte Größe, würde ich sagen, hier in der Region. Sie sind verantwortlich für das Thema Net Zero der BASF. Ich kann mir vorstellen, dass die BASF natürlich aufgrund ihres Auftrages natürlich auch für die Wirtschaft sehr viel produzierende Materialien, Ressourcen liefert und so weiter, dass sie natürlich auch ein großer CO2 Produzent sind. Das kann ich mir sehr gut vorstellen.

Können Sie darauf eingehen, warum überhaupt die BASF die Einstellung hat, sie möchte Net Zero werden, weil Net Zero bedeutet, sie wollen klimaneutral werden. Ich habe mir nur, ich habe im Kopf gedacht, das ist eine unglaubliche Mammutaufgabe. Sie sind ein ganz großer Zulieferer für die Automobilindustrie, Schmierstoffe und so weiter und so fort. Wie schafft es die BASF, die so viel mit Erdöl und Co arbeitet, überhaupt in diese Richtung, Net Zero, überhaupt diese Ambition zu haben, Net Zero zu sein?

Dr. Lars Kissau:
Das waren jetzt eine ganze Menge Fragen. Also auch von meiner Seite, herzlichen Dank für die Einladung, freue mich hier zu sein. Das ganze Transformationsthema ist super wichtig, super kompliziert und was wichtig ist, dass man einfach in eine Diskussion eintritt. Also von daher freue ich mich auch hier zu sein und auch über das Thema reden zu dürfen.

Ja, wie kommt die BASF zu Net Zero? Also für ein Chemieunternehmen ist es, glaube ich, enorm wichtig sich zu überlegen, was passiert eigentlich in den Abnehmerindustrien und mit dem Pariser Klimaabkommen ist eigentlich schon seit Jahren klar, wir müssen CO2 Emissionen reduzieren. Letztlich muss weltweit die Produktion aller Produkte netto null passieren, also sie muss erfolgen ohne CO2 Emissionen.

Jetzt gehen die Produkte der BASF in fast alle Anwendungen, in Industrien. Das heißt, unsere Produkte werden dort eingesetzt und im Idealfall sparen sie dort CO2 Emissionen, aber sie kommen natürlich mit einem CO2 Rucksack. Das heißt, wenn wir die Transformation in anderen Sektoren unterstützen wollen, müssen wir als erstes bei uns selber anfangen.

Und für die BASF ist das Thema CO2 nichts Neues. Also wir haben bereits 1990 angefangen, mal zu messen und zu quantifizieren, wie viel emittieren wir eigentlich. Ja, und das waren 1990 für die BASF 40 Millionen Tonnen CO2 jährlich und zwar nur aus der Produktion, aus der Energieerzeugung. Das ist noch nicht der CO2 Rucksack, der mit den Rohstoffen kommt.

Reza Mehman:
Darf ich ganz kurz die Relation ganz kurz geben, weil wir heute Morgen von Herrn Christoph Hempel, Head of Sustainability von der Deutschen Post, als Vergleich gesagt hat, die Verkehrsindustrie in Deutschland oder der Mobilitätssektor in Deutschland produziert 130 Millionen Tonnen CO2 und Sie haben allein 1990 40 Millionen Tonnen produziert.

Dr. Lars Kissau:
Ja, und was wir dann seither gemacht haben, wir haben natürlich Effizienz gesteigert in der Produktion und waren 2018 bei 20 Millionen Tonnen. Also wir haben das schon halbiert und die BASF hat sich in der Zwischenzeit verdoppelt. Also die Emissionen pro Tonne Verkaufsprodukt sind natürlich massiv gesunken, allerdings haben wir dann auch gesehen, dieses effizienzgetriebene Reduzieren, das erreicht irgendwo eine Grenze und zu Netto null komme ich nicht, wenn ich mit dem, was ich in der Vergangenheit gemacht habe, einfach so weitermache. Also ich muss neue Technologien einsetzen und ich muss noch mal fundamental rangehen, wo kommen die Emissionen her und was muss ich tun, um da Richtung Netto null zu kommen.

Da haben wir 2018 mit angefangen und haben uns noch mal genau angeschaut, wo kommt das eigentlich her und von diesen 20 Millionen Tonnen kam die Hälfte aus der Strom und Dampfproduktion. Einfach noch mal eine Größenordnung zu geben, der Standort in Ludwigshafen verbraucht ein Prozent des Strombedarfs von der ganzen Bundesrepublik, also sechs Terawattstunden, das ist ein Prozent vom Strom, der in Deutschland produziert und verbraucht wird. Und der Standort in Ludwigshafen verbraucht so viel Erdgas wie die ganze Schweiz. Also das heißt, das erklärt auch, wo die Emissionen herkommen.

Das heißt, wo wir angefangen haben, bevor wir überhaupt mal über die andere Chemie nachdenken, müssen wir darüber nachdenken, wo kommt die Energie her und deswegen haben wir angefangen, das haben Sie vielleicht auch in der Presse gesehen, Windparks zu kaufen und zu bauen. Es ist ja das Betreiben von Windparks kein Chemiegeschäft, aber bei der Energiemenge, die wir brauchen, ist es nicht möglich, das einfach nur mal so eben am Markt zu kaufen, sondern das muss man selber investieren, sich selber drum kümmern.

Die andere Hälfte der Emissionen oder zumindest dieser sogenannten Scope 1 und 2 Emissionen aus der eigenen Produktion, die kommt aus der Chemie selber und dann haben wir relativ schnell festgestellt, das wird nicht funktionieren mit Optimierung, sondern brauche ich andere Technologien, die muss ich erstmal entwickeln. Ja, und das sind dann Dinge, das war auch vor kurzem in der Presse, elektrisch betriebene Steamcracker, neue Verfahren zur Herstellung von Wasserstoff, das sind alles Dinge, die brauchen vielleicht noch fünf bis zehn Jahre, bis sie kommerziell reif sind, aber auch das wird uns dazu bringen, diese Produktionsemissionen auf null zu bringen.

Und dann bleibt noch der viel größere Teil und das sind die Emissionen, die mit den Rohstoffen kommen. Also damit wir am Ende ein Produkt an unseren Kunden liefern können. Und da gibt es verschiedene Beispiele, ob das jetzt die Automobilindustrie ist oder die Bekleidungsindustrie oder auch große Hersteller zum Beispiel von Turnschuhen, die bei uns Produkte kaufen. Die wollen ihre Produkte gerne mit Netto-Null-Emissionen verkaufen und unsere Produkte sind natürlich ein Teil dieser Emissionen.

Um das auf null zu bringen, müssen auch die Rohstoffe, die bei uns ankommen, letztlich mit null CO2 Emissionen ankommen. Das geht mit fossilen Rohstoffen nur sehr begrenzt, um nicht zu sagen gar nicht. Das heißt, wir kümmern uns auch, und das ist ein Teil meiner Aufgabe, um andere Rohstoffe, nicht fossile Rohstoffe. Das ist das Thema Recycling, biobasierte Rohstoffe und das alles ist ein relativ komplexes Programm. Sie müssen quasi die Art, wie Chemie gemacht wird heute, komplett neu denken, damit am Ende die Kunden Produkte haben, die keine Emissionen mit sich bringen.

Und das ist eigentlich sozusagen der Antreiber, weil wir heute schon sehen, dass die fortschrittlichen Kunden in den verschiedenen Industrien jetzt schon danach fragen und sagen, wir hätten das gerne und wir glauben, dass es mehr wird. Kernproblem, und das geht auf Ihren Kommentar zurück von vor der Vorspeise, die Bezahlungsbereitschaft ist natürlich heute noch nicht da. Also wir kriegen ganz viel Feedback von Kunden, die sagen, wir hätten das gerne, bitte ohne CO2 Emissionen, aber zum gleichen Preis. Und diese Illusion, ich glaube deswegen ist so ein Dialog auch wichtig, diese Illusion, die müssen wir irgendwann mal entfernen, das wird nicht gehen.

Es sind Rieseninvestitionen erforderlich, um diesen ganzen Umbau zu gestalten und der muss irgendwo wieder rein verdient werden. Also wir werden, weil wir die CO2 Emissionskosten quasi internalisieren, nicht in Zukunft alles CO2 frei haben können zum gleichen Preis. Und das ist ein wesentlicher Punkt, der glaube ich auch, wenn wir die Transformation beschleunigen wollen, so wie wir hier alle sitzen, wir können das aus meiner Sicht jeden Tag tun durch unsere Kaufentscheidung. Es gibt Produkte im Supermarkt, es gibt Produkte, was ich im Automobilsalon, die mit niedrigen Emissionen kommen, die sind vielleicht ein bisschen teurer, aber da kann natürlich jeder von uns durch die Kaufentscheidung auch diese Transformation ein Stück weit vorantreiben.

Start-ups, Technologie und Bildung als Zukunftsfaktor

Reza Mehman:
Vielen Dank für die Insights. Alex von Frankenberg, du warst letztes Jahr schon mit dabei und letztes Jahr hast du schon gesagt gehabt, euer erfolgreichster Exit, zumindest die Idee eures erfolgreichsten Exits, kommt aus Heidelberg. Absolut, ein Life Science Thema war das, soweit ich mich erinnern kann.

Alexander von Frankenberg:
Absolut genau, aus der Uni Heidelberg kam die Technologie der MYR und die MYR ist das einzige Unternehmen auf der Welt, was Hepatitis D heilen kann. Und die haben es geschafft, als Start-up einen Wirkstoff bis in den Markt zu bringen. Die machen mittlerweile dreistellige Millionenumsätze.

Reza Mehman:
Darf ich fragen, wie hoch der Exit war?

Alexander von Frankenberg:
Eineinhalb Milliarden.

Reza Mehman:
Wow, okay. Und ihr seid vielleicht auch zum Kontext, High-Tech Gründerfonds ist der größte Seed-Fonds in Deutschland. Ihr habt über 700 Portfoliounternehmen, glaube ich.

Alexander von Frankenberg:
Genau, uns gibt es seit 19 Jahren. Wir finanzieren junge Technologieunternehmen aus allen Technologiefeldern, aus Industrietechnik, Hardware, Robotik, aus Life Science, Medizintechnik, Chemie und alles rund um Software und da haben wir 760 Unternehmen finanziert. Wir sind eine Public Private Partnership, Hauptgeldgeber ist das Bundeswirtschaftsministerium und dann die Industrie, unter anderem BASF und hier in Baden-Württemberg SAP und die Schwarz Gruppe und Bosch.

Reza Mehman:
Wenn wir jetzt vom Großen zum eher kleineren Unternehmen kommen, ich meine 760 schon ein Stück, aber ihr investiert in Seed-Unternehmen, das heißt, die sind relativ früh mit ihrer Idee am Markt. Wenn du jetzt das im Kontext von der Automobilbranche siehst, der Transformation, die wir gerade vor uns haben, was macht ihr da gerade, wo investiert ihr gerade, an welche Ideen glaubst du da insbesondere?

Alexander von Frankenberg:
Also in der Automobiltechnik kommen ja ganz viele Technologien zusammen, also die Schnittstelle von Sensor, also von Hardware, Sensorik, Robotik, natürlich ganz, ganz, ganz viel Software im Engineering, aber auch auf der Anwenderseite.

Und einer unserer erfolgreichen Exits letztes Jahr ist ein Unternehmen, ich glaube Freiburg, auch Baden-Württemberg, die Voltfang, die haben wir an einen großen amerikanischen Automobilhersteller verkauft und was die gemacht haben, induktives Laden. Und Laden kennt man vom Handy, legt man hin, lädt auf und ist natürlich super spannend fürs Auto. Autonomes Fahren, sitzt kein Fahrer mehr drin, der dann ein Kabel reinsteckt. Also alles, was in dem Bereich, haben wir auch noch finanziert, Sensoren, Radarsensoren, LiDAR-Sensoren. Autonomes Fahren ist natürlich ein Technologie-Hotspot. Es wird irgendwann mal funktionieren, funktioniert vielleicht auch hier und da schon und alle Technologien, die da helfen, das besser, sicherer zu machen, sind natürlich super spannend.

Reza Mehman:
Ich finde es super, ich bin super happy, dass da ein paar gute Leuchtturm-Start-ups aus Deutschland mit dabei sind, die da auch verkauft werden, ist ja auch wichtig, ist auch euer Geschäftsmodell. Was mich jetzt interessieren würde, ich glaube, du hast auch diese internationale Sicht darauf, was in Deutschland versus in der Welt passiert. Welche Risiken siehst du momentan für uns? Also wenn wir das jetzt nicht so richtig hinbekommen, wie wir uns das vorstellen, siehst du da Risiken, dass es so kommt, oder?

Alexander von Frankenberg:
Also, ich sehe super viele Chancen, weil wir sehen insbesondere aus der Hochschul- und Forschungslandschaft super Technologien, super Ideen, super Leute rauskommen mit einem sehr hohen Enthusiasmus für Gründungen. Also die sich wirklich selbständig machen wollen, die eben nicht zu McKinsey gehen, nicht in den Konzern gehen und eine sehr, sehr starke, sehr positive Gründungsdynamik.

Ein bisschen Risiko, was ich sehe, ist, ich komme auch aus Baden-Württemberg, Stuttgart ursprünglich, und wir haben ein bisschen mit Sorge gesehen, nicht nur in Baden-Württemberg, aber überall, dass die PISA-Werte runtergehen und das Risiko, was wir sehen, dass halt dieser Strom aus Top-Talenten, Top-Technologien aus den Unis jetzt nicht versiegt, aber so ein bisschen nachlässt, wenn sozusagen aus den Schulen eben weniger guter Nachwuchs kommt.

Und ich habe mal eine Studie gelesen, ich weiß nicht, ob das stimmt, die hat sozusagen in Beziehung gesetzt die Matheleistungen elfte, zwölfte Klasse mit den Patenten zehn, 15 Jahre später und das wiederum steht in Beziehung mit der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie noch mal zehn Jahre später. Das heißt, wenn ich heute auf die Matheleistungen, und die stehen eben für naturwissenschaftliche Fächer in den Schulen schaue, dann sehe ich mit einem vorlaufenden Indikator, wie es der Wirtschaft in 20, 25 Jahren geht und das ist ein Großrisiko. Da müssen wir die Ansprüche hochhalten und da muss auch okay sein, wenn man halt mal als Schüler nicht die beste Note hat, wenn man schlechte Noten hat, vielleicht auch mal sitzen bleibt, auch mal einen anderen Weg geht und das Potenzial ist da, das wissen wir aus der Vergangenheit und da dürfen wir nicht nachlassen.

Infrastruktur, Ladeinfrastruktur und die kommunale Realität

Reza Mehman:
Gut, danke für diese warnenden Worte. Ich will auch direkt weitermachen mit Eckart Würzner. Eine Frage, die mir vorab der Veranstaltung viel gestellt worden ist, gibt es hier Ladesäulen? Das war also Elektroladesäulen und meine Antwort war, nein, ich weiß auch nicht, wann das kommen wird.

Mir ist dann durch den Kopf gegangen, die Politik entscheidet viel und am Ende müssen die Städte das natürlich auch umsetzen. Wie ist da der Stand, Herr Würzner, also im Kontext von Infrastruktur, wann wird es hier vielleicht interessehalber Ladesäulen am Schloss geben? Ich kann mir vorstellen, dass Sie ja quasi alles aufreißen müssen, bis es hier oben Ladesäulen gibt. Also welche Herausforderungen kommen auf Sie zu?

Prof. Dr. Eckart Würzner:
Ja, also wir haben mit Sicherheit viel zu wenig Ladesäulen, trotzdem haben wir schon so viele, dass ich mit meinem Elektrofahrzeug völlig problemlos nach Italien fahren kann. Alex, ja, die sind nun mal zur Beladung, sind die alle an Autobahnstationen oder Raststätten, da gehören sie auch eigentlich hin.

Privat hat natürlich jeder eine selber, also das ist auch das Prinzip und die öffentlichen Ladestellen schnell beim Einkaufen, die brauchst du gar nicht mehr. Also wir, ich fahre jetzt auch seit vielen Jahren Elektrofahrzeug, das hat eine Reichweite von 500 Kilometern. Also wenn man sich überlegt, wie viel du im Durchschnitt fährst, ich sag jetzt mal, selbst in meinem Dienstwagen fahre ich ein bisschen häufiger und länger, klar, reicht das schon mehrere Tage. Da steckst du es abends, wenn es in der Garage steht oder irgendwo, wo es halt wieder zum Beladen ist. Also dieses Zwischenladen an den Autobahnen ist ganz wichtig, da brauchst du die Schnelllader, das ist ganz wichtig.

Du brauchst ein System, was gut ausgebaut ist, dass die Ladestation weiß, dass du kommst, dass das Fahrzeug sich darauf einstellt. Das hast du bei modernen Fahrzeugen. Tesla war da super aufgestellt, also alle, die ein Tesla hatten, hatten einen Riesenvorteil. Du hast zwar jetzt auch von EnBW viele Ladestationen und von anderen, aber die waren von der Qualität Fahrzeug plus Ladestationen nicht auf dem Niveau, wo Tesla das eigentlich selbst mal als Autohersteller gemacht hat. Aber es funktioniert, also das ist gar nicht das Thema.

Jetzt haben wir ein Riesenproblem, wir sind in der Nachhaltigkeit, die Hälfte des Stadtgebietes von Heidelberg wird mit Fernwärme versorgt, bis 2030 haben wir 90 Prozent bestimmt, der Durchschnitt in Deutschland liegt bei 15 Prozent. Davon haben wir heute schon einen Großteil im Bereich Erneuerbare, also als grüne Fernwärme, dann 2030 wohl zu 100 Prozent grüne Fernwärme. Also wir produzieren die Energie selber über Mega-Wärmepumpenanlagen, also drei Turnhallen voll Wärmepumpen, über Holz, Biogas.

Unser Riesenproblem ist, wir müssen mal eben die gesamte Stadt in zehn Jahren komplett aufreißen. Viel Spaß, das ist ein Riesenlogistikthema. Wir wissen noch gar nicht, wo wir die Beschäftigten herkriegen, die Arbeiter, Geld haben wir durchaus dafür. Also das ist jetzt über Finanzierung, KfW und andere, über Land, Bund, nicht das Kernthema. Das Kernthema ist, du kriegst das planungskapazitätsmäßig nicht hin, du musst die Streckennetze ja auch noch freihalten, damit überhaupt noch Verkehr stattfinden kann und du kannst eine ganze Stadt nicht ins Chaos stürzen, wenn du alle Straßen aufreißt.

Das, was viele auch nicht wissen, ist, wir reißen ja nicht nur für die Fernwärme auf, okay, wir haben auch Bergstadtteile, da reißen wir die für die Stromleitung auf. Warum? Wir haben überall nur Niederspannung, keine Mittelspannung. Wenn ich drei Elektrofahrzeuge in einer Straße habe, dann geht mir der Trafo in die Knie. Also muss ich überall neue Trafos bauen, ich muss Mittelspannung verlegen, das machst du nicht in Hochspannungsleitungen, sondern unter der Erde, also auch im Straßenraum. Also musst du die auch wieder aufreißen. Das ist ein riesen Infrastruktur-, Kosten- und auch Logistikthema, die sich viele gar nicht vorstellen können. Deswegen ist das eigentlich das Grundproblem, diese Infrastruktur vorzuhalten.

Das ist im Verkehrsbereich genau das Gleiche. Wir kämpfen seit zehn Jahren darum, dass wir ein viertes Gleis S-Bahn zwischen Mannheim und Heidelberg hinkriegen. Jetzt haben wir Gott sei Dank die Bundesförderung, Bundesfernstraßennetz und wissen, dass 2038 die dann fertig sein wird. Jetzt sag ich, mit der Geschwindigkeit gewinnen wir jeden Wettbewerb. Also wir sind viel zu langsam, wir müssen viel mehr Geschwindigkeit haben und das heißt, wir müssen die Akzeptanz haben, dass wir uns von Standards verabschieden, weil wenn ich jedem das gleiche Recht zubillige, der Zauneidechse wie dem Projekt, um das Bild mal zu schärfen, dann werden wir nicht mit der Geschwindigkeit dahin kommen, wo wir eigentlich hinkommen müssen.

Also du musst sagen, auch wir sind in einer Krisenzeit, wir müssen halt jetzt das Thema Fernwärme oder ÖPNV prioritär nach oben sortieren, genauso wie eine Windkraftanlage. Wenn wir es nicht machen, kommen wir nicht mit.

Leadership, Innovation und Kommunikation

Reza Mehman:
Tatjana, super viel Krisenmodus, habe ich das Gefühl hier. Ich weiß, dass du an der Uni St. Gallen das Thema Leadership unterrichtest, ist das richtig?

Tatjana Kiel:
Er ist noch ein bisschen verrückter. Wir haben vor zehn Jahren, hat Wladimir gesagt, er möchte gerne sein Wissen weitergeben. Das ist allerdings jetzt schon 14 Jahre her, da ist ein Trainer gestorben, zwei Wochen vor seinem Kampf und das war für ihn, hat ihn gleich in mehrere Sinnkrisen gestürzt.

Die erste war: Wie schaffe ich jetzt den Gegner zu besiegen in zwei Wochen, wenn ich keinen Trainer habe? Also ich brauche einen Trainer. Und der zweite Anruf galt mir mit den Worten, ich habe hier einen Koffer, da sind 30 Jahre Berufserfahrung Boxen drin, der hat nur leider keinen Griff und ist viel zu schwer zum Tragen, bau mir einen Griff und du musst jetzt sagen, ja, das mach ich, damit ich dann gut in den Ring steigen kann.

Habe ich natürlich auch ganz brav gemacht und fand das super spannend. Also die Überlegung, was können wir aus dem Sport lernen, das kennen wir alle, das steht auf jedem zweiten Buch im Buchhandel, wenn es darum geht, Dinge zu übertragen, aber es so ernst zu nehmen, dass man nicht einfach nur die Geschichte des Sportlers beschreibt, weil keiner von uns will Boxweltmeister werden und keiner von uns ist ansatzweise in der Lage, so diszipliniert zu sein wie die Klitschkos, das muss man einmal so sagen, und das rede ich jetzt nicht vom Krieg, sondern ich meine das davor, und das möchte vielleicht auch keiner, also würde ich jetzt auch nicht unbedingt wollen.

Aber diese Übertragung hinzubekommen, die Fragen zu beantworten, wie schaffe ich das denn, wenn ich das möchte, was brauche ich dafür. Wir reden immer von einem Lucky Punch als Beispiel und ich kann euch sagen, Lucky Punch gibt es nicht. Es gibt einfach die Bewegung, die man 300 Millionen Mal gemacht hat und deswegen ist es im Kampf möglich, außergewöhnlich zu reagieren. Und das haben wir niedergeschrieben und weil wir dachten, wir müssen, wir wollen beweisen, dass wir es ernst meinen, haben wir eine Doktorarbeit darüber schreiben lassen und haben einen Weiterbildungsstudiengang angeboten in der Uni St. Gallen mit dem Thema Leadership, aber vor allem Change und Innovation und Selbstmanagement.

Reza Mehman:
Und wenn du jetzt diese Krisenherde hörst, ich war auch überrascht, was du gesagt hast, Alex, die Korrelation zwischen eigentlich natürlich logisch zwischen Bildung und Anzahl der Patente macht natürlich Sinn, wenn du solche Themen hörst, ist es ein Leadership-Thema, wenn es das ist, wie geht man sowas an, was sind so deine Insights hier?

Tatjana Kiel:
Ich glaube, dass es ganz viel ein Kommunikationsthema ist. Ich bin im Beirat von Start-up-Teams und wenn man sich die jungen Kinder anguckt, und ich rede wirklich teilweise von Kindern, die sind 14, 15 und haben Ideen, und dann kommen als erstes die Eltern und sagen, aber ihr müsst auf jeden Fall daran denken, dass ihr einen sicheren Job braucht, später.

So, also die fördern nicht das Denken eines Start-up-Menschen und ich glaube, da müssen wir hin und wir müssen sagen, ja, probiert aus. Ich führe gerade ganz viele Gespräche mit jungen Start-up-Frauen, die mir immer wieder sagen, sie haben die Möglichkeit mit tollen Männern zu sprechen im CEO-Bereich und auch mit Frauen, aber es kommt häufiger von Männern. Und dann sagen die Männer: Was machst du denn? Und dann erklärt sie und dann wird direkt das gesamte Businessmodell einfach mal kurz und klein gemacht. Und dann sagt das Mädel irgendwie: Das war eigentlich gar nicht Ihre Aufgabe. Vielen Dank. Soll ich Ihr Businessmodell mal auf den Kopf stellen? Weil ich weiß gar nicht, warum Sie überhaupt noch in dem Bereich irgendwie wirklich überleben können, und zwar nur, weil Sie die Strukturen so aufgebaut haben. Aber so würde ich es auf keinen Fall machen.

Diesen Mut musst du aber haben und die Frage ist, wie schaffen wir es, eine Situation, von der beide profitieren können. Du kannst von dem jungen Mädel profitieren, du kannst von den alten Menschen profitieren. Wie schaffen wir es, aus der Situation nicht rauszugehen und zu sagen, was war denn das jetzt gerade, und zwar von beiden Seiten, sondern zu sagen, was nehmen wir hier mit und wie können wir uns darauf committen, etwas da rauszunehmen und Spaß daran zu haben, was gemeinsam zu entwickeln.

Kreativität, Innovation und Zukunftsoptimismus

Alexander von Frankenberg:
Ich, ich hab eine ganz kurze, ich brauche super Applaus. Ich habe ein ganz tolles Beispiel zum Thema Innovation und junge Leute. Wenn eine gute Fee kommt und euch 22 extra Augen schenken würde, wo würdet ihr die hintun? Wo tut ihr extra Augen hin? Genau, nach hinten.

Ja, und wenn man Kinder fragt, acht Jahre und jünger, dann tun die die Augen auf die Fingerspitzen oder die Fußspitzen. Viel besser, wenn ich unter den Tisch hauen will, viel leichter, wie wenn ich mit dem Hinterkopf unter den Tisch hauen will. Das sind ganz, kann man, klappt so zu 80 Prozent, wenn ihr mal kleine Kinder trefft, stellt die Frage. Und es zeigt eben, wie Kreativität irgendwann verloren geht, weil wir in irgendwelchen Strukturen, Mustern weggehen.

Ich will doch einen Satz sagen zum Thema Innovation und jetzt eine ganz steile These: Jede Innovation, jede, die wir uns vorstellen können, die wird es geben. Irgendwann. Es kann drei Jahre dauern, es kann 300 Jahre dauern, es kann 1000 Jahre dauern, aber alles wird passieren. Jules Verne wollte zum Mond fliegen, völlig unvorstellbar. Wir sind in 60 Jahren zum Mond geflogen. Elon Musk will zum Mars fliegen, völlig unvorstellbar, und den Mars besiedeln und ich behaupte, es wird passieren. Und ich glaube, dass wirklich alles passieren kann und die Dinge beschleunigen sich immer weiter, Dinge gehen immer schneller, so dass es immer näher ist und nicht 1000 oder paar 100 Jahre weg.

Und ich glaube, der Optimismus, den ich habe, den wir sehen in der ganzen Welt, dass Innovation immer größer und immer schneller wird und immer größere Probleme löst, ist glaube ich der Optimismus, den wir tragen sollten in die Gesellschaft, zu Gründungen, zu jungen Leuten.

Und letzter Punkt, wenn wir rumschauen in der Welt, gibt es vielleicht ganz viel schon, wir können einfach abschreiben. Wenn wir einfach gucken, wo ist gut digitalisiert, in Estland, wo gibt es Heilkräuter im Urwald, ganz, ganz viel gibt es schon und wir müssen es einfach nur greifen, nur nehmen, nur nutzen.

Politische Realität, Krisenzeit und optimistisches Zukunftsbild

Reza Mehman:
Ja, mega, super inspirierend für mich, vielen Dank dafür, auch von dir. Daniel Bayaz, beim Essen haben wir uns auch gut unterhalten. Vielen Dank dafür, auch mit Ihnen, Herr Kissau. Ich habe eine Frage an dich oder an Sie. Wir sind beim Du. Ich habe eine Frage an dich.

Du hast gerade, glaube ich, viele Aufgaben. Ich habe das Gefühl, du bist ein sehr progressiver Politiker, du möchtest viel umsetzen. Du hattest gemeint gehabt, ja, Geld ist nicht an allen Ecken da, bisschen schon, aber auch nicht zu viel und jeder zerrt gerade so ein bisschen an dir. Kannst du uns ein paar Insights geben, was sind gerade so die größten Baustellen, sozusagen, womit du dich beschäftigst, was dich irgendwie nachts vielleicht bisschen wach bleiben lässt, was beschäftigt dich gerade, gerade mit dieser Transformation, die wir gerade vor uns haben. Wir haben viele Themen, nicht nur Automobilindustrie, auch KI, all diese Themen, was geht dir da durch den Kopf?

Dr. Danyal Bayaz:
Ja, das ist die eine Millionen-Euro-Frage, mindestens. Es ist eine politische, nicht ganz einfache Zeit und ich merke das persönlich, meine Partei merkt das gerade, aber ich glaube jeder, der sich öffentlich engagiert, merkt das gerade, dass die Zeit ein bisschen eine andere ist.

Vor zweieinhalb, drei Jahren, auch vor der Pandemie, gab es so einen Zeitgeist in diesem Land, der war sehr stark geprägt von Aufbruch, von Erneuerung, von neuem Wohlstand, von vielen neuen Ideen und das Klima hat sich ein bisschen gewandelt, verständlicherweise. Ich glaube, uns wird jetzt erst bewusst, was diese Pandemie für tiefe Spuren in der Gesellschaft, gerade auch bei jungen Menschen, hinterlassen hat. Ich weiß nicht, wer von Ihnen heute die Jugendstudie gesehen hat, die alle zwei Jahre gemacht wird, mit hohen psychologischen Schäden, mit einer verängstigten Generation, mit einer Generation, die verunsichert ist, die übrigens auch viel zu viel an diesen Dingern hier hängt, auch das macht was mit unserer Gesellschaft.

Und gleichzeitig müssen wir die Energiesysteme umbauen. Wir müssen uns über neue Technologien Gedanken machen. Wir haben im Bildungssystem eine veritable Aufgabe, die Sie angesprochen haben. Wir haben vorhin über die Ukraine gesprochen, Sie sehen die Bilder aus dem Nahen Osten. Wir haben dieses Jahr Wahlen in Europa, wo Rechtspopulisten wahrscheinlich sehr gut abschneiden werden. Wir haben in den USA die wahrscheinlich wichtigste Wahl für diese Welt in kommender Zeit, so offen muss man das an der Stelle sagen, und man weiß gar nicht, wo man eigentlich anfangen soll. Ja, und das beschäftigt uns alle sehr.

Und ehrlich gesagt, du hast völlig recht, das Geld ist immer knapp, die Schallplatte, die ein Finanzminister immer in seinem DJ-Backpack hat, ist, die er auflegt: Das Geld ist gerade knapp. In guten Zeiten wie in schlechten. Gerade sind die Zeiten tatsächlich nicht so gut und nach diesem wegweisenden Urteil des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe sind die Spielräume noch mal enger geworden. Aber alles ist ja relativ. Deutschland ist die drittgrößte Volkswirtschaft. Baden-Württemberg ist eine der reichsten Regionen der Welt. Wenn wir es nicht hinbekommen, wenn wir ein Kapitalproblem haben, dann frage ich mich eigentlich, was sollen andere eigentlich sagen.

Und deswegen glaube ich, bei all den Aufgaben, die uns umtreiben, müssen wir, und deswegen fand ich das jetzt auch wirklich super, Impulse, euch auch immer bewusst machen, in welcher Ausgangssituation wir sind. Wir haben, und ich glaube nicht in diesem Raum, das Gute an dem Raum ist, ich habe den Eindruck, hier ist sehr viel Change-Maker-Potenzial. Absolut. Ja, und deswegen ist es sehr gut, dass wir hier zusammensitzen und gleichzeitig ist er natürlich nicht repräsentativ und wir wissen schon, wenn man in der deutschen Gesellschaft unterwegs ist, die Mundwinkel hängen schon gerne mal nach unten. Und wir jammern schon extrem oft auf hohem Niveau und wir merken auch, was es für eine krasse Anspruchshaltung in diesem Land gibt, was der Staat für jeden Einzelnen irgendwie machen soll, was wir vorne und hinten gar nicht organisieren können.

Und deswegen glaube ich, auch wieder stärker ein positives Bild von Zukunft zu malen, ist auch etwas, was ich meiner Partei gerne, zumindest einigen in der Partei, immer sage: Mit Hysterie kriegt man keine Leute motiviert. Du brauchst ein positives Bild von Zukunft, dass Leute mitmachen.

Und Sie hatten ja gerade Beispiele genannt. Wir brauchen diese, Sie haben die Mondlandung genommen, diese Moonshots. Ich weiß nicht, ob man jetzt mit Elon Musk die Tourismusbranche auf den Mond verlagern muss, kann sein, ich weiß es nicht. Aber ich glaube, wir haben ja auch irdische Probleme. Ich habe vor 20 Jahren hier in Heidelberg Zivildienst gemacht, im Deutschen Krebsforschungszentrum. Ich glaube, der Kampf gegen den Krebs, wo jeder wahrscheinlich in seinem Familien- oder Freundeskreis mindestens ein Schicksal hat, wo übrigens Technologie und High-Tech Gründerfonds und wichtige Investoren auch das Kapital haben, um in dieser kapitalintensiven Branche Durchbrüche zu erlangen, wo man sieht, wie Technologie, Innovation das Leben der Menschen ganz konkret besser macht.

Und deswegen, wir wollten ja eigentlich über Automobil sprechen, was viele gar nicht wissen, in Baden-Württemberg, die wichtigste Branche ist die Gesundheitswirtschaft. Wir haben gerade in Heidelberg mit dem DKFZ, mit dem EMBL, aber auch mit vielen Start-ups, ein Hammer-Ökosystem, was wirklich weltweit sich sehen lassen kann. Wir müssen noch viel stärker in diese Sichtbarkeit investieren und deswegen auch mit einem optimistischen, mit einem zuversichtlichen Spirit nach vorne zu schauen, weil wir haben eine super Ausgangslage, wir haben tipptopp Unternehmen, wir haben eine klasse Forschungslandschaft, wir haben in Baden-Württemberg, zeigen auch viele Statistiken, die Menschen, die sich am meisten ehrenamtlich engagieren, im Sportverein, in den Parteien, im Gemeinderat, wo auch immer.

Und ich glaube, das ist eine Ausgangslage, auf der wir bauen können. Wenn wir das ernst meinen, die Menschen mitnehmen und wie gesagt, ein positives Zielbild haben wollen, wo wir hinwollen. Politik braucht Ziele, sie braucht auch Vision. Über die Instrumente dürfen wir auch gerne diskutieren und wie gesagt, das ist nicht immer der direkte Weg. Dann bin ich zuversichtlich, dass wir diese Transformation erfolgreich hinbekommen, dass wir in zehn, 20, 30 Jahren erstens immer noch erfolgreicher Industriestandort sind, dass wir zweitens auch es geschafft haben, unsere biologischen Lebensgrundlagen zu schützen und drittens auch zu schauen, dass wir den sozialen Zusammenhalt stärken, dass keiner hinten runterfällt.

Deswegen ist das Bildungsthema, glaube ich, auch ein wichtiges und wenn wir das so beherzt angehen und ich glaube, viele Multiplikatoren hier auch in dem Raum arbeiten daran mit, dann ist mir nicht bange. Und wenn ich jeden Morgen, weil du gefragt hast, das war deine Frage, auf meinen Schreibtisch komme und sehe, da sind fünf Probleme, die habe ich noch nicht gelöst und ich habe noch keine Antwort und da sind 17 Zielkonflikte und da sind Briefe von Bürgermeistern, Anwesende ausgeschlossen, die mir Briefe schreiben und sagen, der Finanzminister muss mal ein bisschen Geld drüberlegen, dann sage ich, auch das kriegen wir irgendwie hin, weil wir wissen, wo wir hinwollen und mit dem Spirit bin ich zuversichtlich, dass wir das auch gebacken bekommen.

Reza Mehman:
Ja, mega stark, vielen Dank dafür.


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