Dinner im Schloss 2023 - Panel 3
Nachhaltige Innovation und Investment in Deutschland: Chancen, Druck und Standortfragen im Fokus
Einleitung
Im dritten und letzten Panel von Dinner im Schloss diskutieren Reza Mehman, Alexander von Frankenberg, Dr. Jens Amail, Dr. Alexandra Kohlmann, Chris Thomas und Prof. Dr. Eckart Würzner über Nachhaltigkeit, Innovation, Investment und Standortpolitik in Deutschland. Im Mittelpunkt stehen ESG, die Rolle von Startups und Mittelstand, internationale Wettbewerbsfähigkeit sowie die Frage, wie wirtschaftliche Transformation in turbulenten Zeiten gelingen kann. Das Gespräch verbindet lokale Perspektiven aus Heidelberg mit globalen Entwicklungen aus Europa und den USA.
Zusammenfassung
Im dritten Panel von Dinner im Schloss geht es um nachhaltige Innovation und Investment am Standort Deutschland. Die Gesprächspartner beleuchten ESG aus Sicht börsennotierter Unternehmen, Mittelständler, Investoren, internationaler Venture-Capital-Perspektiven und kommunaler Politik. Dabei wird deutlich, dass Nachhaltigkeit sowohl regulatorisch als auch wirtschaftlich und strategisch immer relevanter wird. Zugleich thematisiert die Diskussion die Risiken für den Standort Europa, wenn Wertschöpfung, Energiepolitik und industrielle Skalierung nicht konsequent mitgedacht werden. Das Panel endet mit dem Appell, technologische Chancen entschlossener zu nutzen und Transformation mit mehr Geschwindigkeit umzusetzen.
Kontext
Wer spricht:
Reza Mehman spricht mit Alexander von Frankenberg, Dr. Jens Amail, Dr. Alexandra Kohlmann, Chris Thomas und Prof. Dr. Eckart Würzner.
Worum geht es:
Es geht um nachhaltige Innovation, ESG, Startup-Investments, Mittelstand, internationale Wettbewerbsfähigkeit, Energiewende und die Rolle von Städten wie Heidelberg in der wirtschaftlichen Transformation.
Warum ist das relevant:
Das Gespräch zeigt, wie eng Nachhaltigkeit, Regulierung, Technologie, Standortpolitik und wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit heute miteinander verbunden sind.
Themen-Cluster / Einordnung
- Nachhaltigkeit als Unternehmensstrategie und Reportingpflicht
- Innovation, Startups und Investitionslogik
- Mittelstand, Industrie und internationale Wettbewerbsfähigkeit
- Energie, Infrastruktur und Transformation von Regionen
- Städte, Politik und lokale Umsetzung globaler Ziele
Kern-Aussagen
- Nachhaltigkeit ist für Unternehmen nicht mehr optional, sondern strategisch und regulatorisch relevant.
- ESG erzeugt Druck durch Gesetzgeber, Kunden, Mitarbeiter und Kapitalmarkt.
- Mittelständische Unternehmen müssen sich frühzeitig auf kommende Reportingpflichten vorbereiten.
- Startups werden aus Investorensicht besonders attraktiv, wenn sie große reale Probleme lösen.
- Nachhaltigkeit braucht internationale Koordination und nicht nur nationale Einzelanstrengungen.
- Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit ist Voraussetzung, um Transformation aktiv gestalten zu können.
- Industriestandorte wie Heidelberg, Stuttgart oder Detroit können von technologischem Wandel profitieren, wenn Wertschöpfung vor Ort bleibt.
- Elektromobilität, Recycling, Wasserstoff und neue Materialtechnologien verändern ganze Branchen.
- Städte spielen eine wichtige Rolle bei der Umsetzung von Klimazielen und beim Aufbau neuer Innovationsökosysteme.
- Geschwindigkeit in Genehmigung, Umsetzung und politischer Priorisierung ist ein Schlüsselfaktor der Transformation.
Fragen & Antworten
Frage: Worum geht es im dritten Panel von Dinner im Schloss?
Antwort: Im Panel geht es um nachhaltige Innovation, ESG, Investments, Mittelstand, internationale Wettbewerbsfähigkeit und die Rolle von Städten und Unternehmen in der wirtschaftlichen Transformation.
Frage: Warum hat SNP Nachhaltigkeit zur Chefsache gemacht?
Antwort: Weil Nachhaltigkeit für SNP durch Regulierung, Kundenanforderungen, Recruiting und neue Marktchancen strategisch relevant geworden ist.
Frage: Wie bewertet der High-Tech Gründerfonds Nachhaltigkeit bei Investments?
Antwort: Der Fonds prüft, ob Investments den Nachhaltigkeitszielen nicht widersprechen und investiert bevorzugt in innovative Unternehmen, die relevante Probleme lösen.
Frage: Welche Folgen hat das Verbrenner-Aus für ROWE Mineralölwerk?
Antwort: Kurzfristig ist das Geschäftsmodell nicht unmittelbar bedroht, weil Aftersales-Märkte weiter bestehen. Langfristig setzt das Unternehmen auf Internationalisierung, Forschungskooperationen und neue Flüssigkeiten für alternative Antriebe.
Frage: Was versteht Chris Thomas unter einer Gigafactory?
Antwort: Er beschreibt sie als eine Produktionsanlage mit sehr hoher Kapazität, in diesem Fall 20 Gigawatt, die jährlich rund 200.000 Batteriepakete für Fahrzeuge produzieren kann.
Frage: Warum ist Profitabilität laut Chris Thomas so wichtig für Nachhaltigkeit?
Antwort: Weil nachhaltige Geschäftsmodelle langfristig nur dann bestehen und Wirkung entfalten, wenn sie auch wirtschaftlich tragfähig sind.
Frage: Welche Herausforderung sieht Alexander von Frankenberg besonders deutlich?
Antwort: Er sieht die fehlende internationale Koordination beim Klimaschutz und den Verlust industrieller Leistungsfähigkeit in Deutschland als zentrale Probleme.
Frage: Warum fordert Dr. Alexandra Kohlmann frühes Handeln im Mittelstand?
Antwort: Weil Nachhaltigkeitsmanagement, Datenerhebung, Zertifizierungen und Digitalisierung nicht kurzfristig aufgebaut werden können.
Frage: Welche Rolle spielen Städte laut Eckart Würzner?
Antwort: Städte können Klimaziele konkret umsetzen, Innovationen fördern, internationale Netzwerke nutzen und Transformation vor Ort beschleunigen.
Frage: Was ist laut dem Panel ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Transformation?
Antwort: Geschwindigkeit bei Strategie, Umsetzung, Genehmigungen und politischer Priorisierung.
Zitierfähige Passagen
Nachhaltigkeit wurde in dieser Diskussion nicht als reines Ideal, sondern als strategische Realität beschrieben. Unternehmen stehen unter Druck von Gesetzgebern, Kunden, Mitarbeitern und Investoren, während gleichzeitig neue Geschäftsmodelle und Innovationsfelder entstehen. Besonders deutlich wurde, dass wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Nachhaltigkeit nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen. Wer Transformation ernst meint, muss internationale Koordination, industrielle Wertschöpfung und schnelle Umsetzung gemeinsam denken.
Highlight-Zitate
- „Wir brauchen noch viel mehr internationale Koordination.“
- „Wir müssen unsere eigene Leistungsfähigkeit erhalten.“
- „Je größer das Problem, desto lieber finanzieren wir das.“
- „Candor will save the world.“
- „You cannot have sustainability without profitability.“
- „Wir müssen es nur ernst nehmen, mit welcher Geschwindigkeit wir das machen müssen.“
Einführung ins Panel
Reza Mehman:
Herzlich willkommen zurück zum dritten und letzten Teil des diesjährigen Dinners im Schloss.
Dort hatten wir eine spannende Diskussion rund um das Thema nachhaltige Innovation und Investment hier am Standort Deutschland. Mit dabei waren Dr. Jens Amail, Geschäftsführer der SNP Group, Alexander von Frankenberg, Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds, Dr. Alexandra Kohlmann, Geschäftsführerin bei ROWE Mineralölwerk, Chris Thomas, Co-Founder und Partner bei Assembly Ventures, sowie der Oberbürgermeister meiner Lieblingsstadt, Prof. Dr. Eckart Würzner.
Super, wir sind jetzt beim letzten Panel. Ich freue mich auch sehr drauf. Sehr viele interessante Perspektiven, sehr unterschiedliche Perspektiven. Wir haben auf der einen Seite Investoren mit dabei, auf der anderen Seite haben wir Mittelständler mit dabei, auch wieder größere Unternehmen mit dabei. Ich glaube, da können ganz interessante Sachen dabei rauskommen.
Für mich geht es heute darum herauszufinden, was Innovationen in wirtschaftlich turbulenten Zeiten bedeuten können, was wir anstreben sollten. Und hierzu würde ich dann gleich wieder die Gäste aufrufen.
Nach diesem Panel gibt es noch einmal, wer möchte, kann gerne Fotos machen an der Fotowand. Die Fotos werden dann entsprechend zugeschickt und wir würden danach direkt um 19:00 Uhr in der Schlossweinstube weitermachen. Ich freue mich auch sehr. Martin Scharff ist, glaube ich, gerade nicht mehr da, der ist schon gegangen, der wartet dann auf uns, wird ein paar Worte dazu sagen, zu dem Gericht, zu einem Dinner, das er zubereitet hat. Da spielt auch das Thema Nachhaltigkeit, natürlich Saisonalität und regionaler Bezug, eine extrem wichtige Rolle in der Gastronomie.
Super, aber jetzt geht es um das Innovation Panel. Top Gäste, wie in den anderen Panels auch, mit dabei. Als Erstes würde ich gern Herrn Dr. Jens Amail von der SNP Group begrüßen. Vielen Dank.
Hallo Jens, super, dass du da bist.
Ja, vielen Dank für die Einladung.
Ja, gerne. Also wir werden auch hier gleich ein bisschen mehr von dir hören. Jens hat die Geschäftsführung der SNP Anfang dieses Jahres übernommen und ich weiß von Jens, dass die SNP das Thema Nachhaltigkeit zur Chefsache gemacht hat. Darauf kommen wir gleich noch mal zu sprechen.
Gerne. Und dann haben wir noch Alexander von Frankenberg vom High-Tech Gründerfonds mit dabei, Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds. Also ich kann die Zahl eigentlich nicht fassen, ihr habt über 700 Portfoliounternehmen, ihr seid der größte Seed-Investor in Deutschland, halb staatlich, halb privat geführt. Auch die SAP ist, glaube ich, bei euch mit investiert. Ich glaube, aus 700 Portfoliounternehmen, da gibt es bestimmt ein paar spannende Geschichten, die du da erzählen kannst. Ich habe auch vorhin gehört, dein erfolgreichster Exit, also euer Geschäftsmodell ist, ihr investiert in Unternehmen und verkauft sie sozusagen nach gewissen Jahren, und dein erfolgreichster Exit war ein Heidelberger Unternehmen.
Alexander von Frankenberg:
Genau, also da war die Technologiewurzel aus der Uni Heidelberg.
Reza Mehman:
Nein, nein, bitte noch nicht, das muss ich verraten.
Dr. Jens Amail:
Darf ich trotzdem? Heidelberg, ja. Also, ihr bringt nicht nur die Familie zusammen mit deinem Vater, sondern noch mal herzlichen Glückwunsch auch von meiner Seite. Ihr bringt auch uns beide noch mal zusammen, weil wir haben uns vor 23 Jahren das letzte Mal gesehen. Unsere Frauen kennen sich sehr gut. Das letzte Mal, als ich ihn gesehen habe, haben wir ihn zu unserer Hochzeit eingeladen. Er konnte aber nicht kommen.
Alexander von Frankenberg:
Meine Frau ist gekommen.
Dr. Jens Amail:
Ja, die Frau ist gekommen. Und heute habe ich ihm die gute Nachricht überreicht: Wir sind noch verheiratet.
Reza Mehman:
Witziger Zufall. Mir auch, witziger Zufall.
Dann haben wir noch eine ganz tolle Dame mit dabei, Frau Dr. Alexandra Kohlmann von ROWE Mineralölwerk. Vielen Dank, Frau Kohlmann, dass Sie mit dabei sind.
Hier finde ich es super spannend, was gerade bei Ihnen im Unternehmen vor sich geht, denn man hört es in den Nachrichten: Verbrenner-Aus ist gerade das Thema. Sie sind in der Schmierstoffbranche unterwegs. Die erste Frage, die man sich natürlich stellt, wenn man Automotive vielleicht als einen der Hauptkunden hat: Was machen Sie, wenn das Thema Verbrenner-Aus bei Ihnen ankommt? Aber dazu kommen wir auf jeden Fall noch.
Dann haben wir einen Gast aus den USA, Chris Thomas, Co-Founder und Partner of Assembly Ventures. Thanks for being here.
Die Fragen an Herrn Thomas werde ich auf Englisch stellen, er wird auf Englisch antworten, der Rest wird allerdings auf Deutsch sein. Chris, thanks for being here. I know you had a long trip from Detroit to here, to Heidelberg. And the interesting part of it is that Detroit, you called it yesterday a legacy city. And that’s kind of interesting. We all know Detroit had its heights and lows. And now you’re back on track, I would say, building up gigafactories. You have an interesting story about that, what a gigafactory is, how the investment looks like into a gigafactory. Thanks for being here.
Of course. Und den Herren hatten wir heute schon einmal, Herrn Prof. Dr. Würzner als Repräsentant der Stadt Heidelberg. Da bin ich auch schon gespannt, was hier noch gemacht wird. Vielen Dank, Herr Würzner.
Nachhaltigkeit als Chefsache bei SNP
Reza Mehman:
So, Jens, wenn wir anfangen: Wenn du sagst, Nachhaltigkeit zur Chefsache machen, was bedeutet das?
Dr. Jens Amail:
Also zunächst mal vielen Dank für die Einladung. Ich habe in der Tat schon viel gelernt im Panel davor.
Zunächst mal ist Nachhaltigkeit natürlich ein wichtiges Thema für die Welt und damit auch für jedes Unternehmen und auch für unser Unternehmen, für jeden Mitarbeiter und für mich selber. Wenn man sich jetzt mal unser Umfeld anguckt, wir haben natürlich Handlungsdruck von verschiedenen Seiten. Da ist auf der einen Seite der Gesetzgeber, der erfordert, dass wir Nachhaltigkeitsreporting liefern. Christian Klein spricht immer von der Topline, der Bottomline, wir müssen jetzt auch die Greenline reporten, und das ist ein relativ komplexes Requirement, was wir da vom Gesetzgeber kriegen.
Dann haben wir Druck von allen Stakeholdern. Also es ist schon angesprochen worden, auf der einen Seite Mitarbeiter. Im Recruitingmarkt ist das ein wichtiges Thema.
Reza Mehman:
Ihr seid ja auch börsennotiert on top.
Dr. Jens Amail:
Absolut. Und deswegen sind die Reporting Requirements für uns aktuell noch etwas stärker, aber da werden die anderen Unternehmen auch nachholen müssen. Dann kann ich später vielleicht noch was dazu sagen.
Dann haben wir natürlich auch Druck von Kunden, wo wir bei bestimmten Ausschreibungen gar nicht mehr bieten dürfen, wenn wir nicht bestimmte Nachhaltigkeits-Proof-Points liefern können. Dann sehen wir natürlich auch einen eigenen Markt für uns. Unsere Softwareprodukte, unsere Tochter EXA, haben ein Produkt, das heißt Carbon Product Footprint, wo wir über die gesamte Supply Chain hinweg den Carbon Footprint von jedem Produkt messen können.
Also für uns ist es ein sehr komplexes und vielschichtiges Thema. Deswegen haben wir gesagt, wir integrieren das in unsere Strategie. Wir haben in Summe sieben Strategiedimensionen. Also da geht es darum, wie wir internationalisieren, wie wir Innovationen machen, wie wir mit Partnern zusammenarbeiten und so weiter. Und da ist Sustainability jetzt ein zentrales Thema und darum kümmere ich mich persönlich.
Reza Mehman:
Dazu kommen wir später noch mal. Ich will auch direkt weitergehen zu dir, Alex. Über 700 Portfoliounternehmen, das verlangt wahrscheinlich viel Managementaufwand. Mich würde aber der Schritt davor interessieren. Wenn ihr ein Investment macht und ihr seid ja halb staatlich, halb privat, habt ihr da Vorgaben, dass ihr ganz konkrete Nachhaltigkeits-Investments machen müsst, die gewissen Vorgaben entsprechen, oder macht ihr das eher anhand von anderen selbst gesteckten Zielen? Wie geht ihr da voran, wenn ihr in ein Startup investiert?
Wie der High-Tech Gründerfonds Nachhaltigkeit bewertet
Alexander von Frankenberg:
Genau, also wir haben jetzt gerade den vierten Fonds abgeschlossen, eine knappe halbe Milliarde, um in Startups zu investieren. Und das ist ein sogenannter Artikel-8-Fonds. Artikel 8 heißt Do no harm. Das heißt, wir checken genau, wenn wir Investments machen, dass die sozusagen den Sustainability Goals nicht widersprechen. Das ist neu, das war in den anderen Fonds nicht. Und wahrscheinlich ist der nächste Schritt beim nächsten Fonds dann Artikel 9, dass man nur noch in Startups investiert, die einen klaren Impact haben. Das ist nicht eine Vorgabe, die wir heute haben, aber es ist absehbar, dass das vielleicht auch kommen wird.
Was wir aber schon immer gemacht haben seit 2005: in Unternehmen investiert, die innovativ sind, die relevante Probleme lösen. Und da waren von Anfang an auch schon welche dabei, die einen relevanten Impact auf das Thema Nachhaltigkeit hatten. Ich könnte jetzt viele Beispiele nennen. Quentic ist ein Unternehmen, das wir letztes Jahr sehr erfolgreich verkauft haben für 400 Millionen. Die machen eine SaaS-Plattform für Arbeitssicherheit, Arbeitsschutz und Nachhaltigkeitsregulatorik. Meistens haben sie 1000 mittelständische Kunden. Die Plattform hilft diesen Kunden, selber nachhaltiger zu sein.
Da haben wir 2010 investiert. Ein anderes Unternehmen, Next Kraftwerk, haben wir auch verkauft vor zwei Jahren. Die machen Stabilisierung des Stromnetzes. Wenn zu viel Energie eingespeist wird, weil die Sonne scheint oder der Wind weht, dann werden Energieeinspeiser rausgenommen oder Verbraucher angeschaltet und umgekehrt. Gerade im vergangenen Jahr durch diese Gaskrise war das super relevant und in der Transformation zu nachhaltiger Energie ein ganz zentraler Baustein.
Was wir auch machen: Wir checken bei jedem Unternehmen, passen die anderen Themen, also nicht nur Klima, sondern auch Fairness, Equal Pay. Bezahlen die ihre Mitarbeiter fair? Gibt es eine Strategie, den Frauenanteil zu erhöhen? Der ist bei Startups bei uns im Portfolio bei 13 Prozent. Das sind Technologie-Startups, da ist es eigentlich ein guter Wert, aber natürlich kein guter Wert in Summe, klar. Und alle anderen Themen: Flugreisen, fliegen die viel, haben sie E-Autos. Also wir achten schon drauf. Wir versuchen diesen Hebel, den wir für uns selber anwenden, auch im Portfolio anzuwenden.
Reza Mehman:
Super interessant. Frau Kohlmann, ich hatte es schon angesprochen: Wir alle haben vom Verbrenner-Aus gehört. Hat das einen großen Impact, ich vermute schon, aber hat das einen großen Impact auf Sie und Ihr Unternehmen?
ROWE, Verbrenner-Aus und neue Produktpfade
Dr. Alexandra Kohlmann:
Also ich sage mal: jein. Das ist nicht ganz so einfach zu beantworten. Wir produzieren Schmierstoffe, in der Hauptsache tatsächlich Motorenöle. Klar, der erste Impuls wäre jetzt zu denken: Wenn jetzt kein Verbrenner mehr fährt oder der Verbrenner ausgeschlossen ist, dann ist natürlich unser Geschäftsmodell erst mal ziemlich in Gefahr.
Nun ist es aber so, dass wir eben nicht nur Tier 1 und OEs beliefern, sondern gerade was unsere Eigenmarke angeht, liefern wir zu ganz großen Teilen in den Autoteilehandel. Das ist einfach klassisches Aftersales-Geschäft. Und das bedeutet halt, von heute auf morgen werden ja nicht alle Verbrenner verschwinden, selbst wenn jetzt ein Aus beschlossen ist für die Neufahrzeuge, sodass natürlich ein sukzessives Auslaufen da zu erwarten ist, zumindest im deutschen und europäischen Markt.
Aber wenn man eben jetzt auch schaut, was wir tun: Internationalisierung ist für uns ein Riesenthema. Wir wachsen in den ausländischen Märkten und eben nicht in Deutschland und auch nicht in Europa, also begrenzt, sage ich mal. Und der Markt in DACH ist einfach schon seit Jahren schrumpfend, auch schon bevor das Verbrenner-Aus überhaupt kam.
Nichtsdestotrotz finde ich, dass man das alles auch nicht so schwarz-weiß sehen darf. Ich sage immer, es gibt Europa und es gibt den Rest der Welt, was diese Thematik angeht. Und trotzdem müssen wir uns alle die Frage stellen, wie kann man den Verbrennerfuhrpark, der ja auch weiterhin existieren wird, klimaneutral betreiben. Das ist ja auch gerade ein Thema für die Städte und so weiter.
Also wir schauen auch schon, was wir in Richtung synthetische Fuels machen können, dass man sich dort auch positioniert. Aber klar, das machen dann die Verbände et cetera. Wir selber haben jetzt keine Raffinerie. Aber ich will nur zu bedenken geben: Es ist nicht immer so schwarz-weiß, sondern bis diese Transformation geschafft ist, gehen halt auch noch einige Jahre, Jahrzehnte einfach ins Land.
Reza Mehman:
Und welche Produktinnovationen forcieren Sie gerade in dieser Richtung? Sie haben gerade synthetische Fuels angesprochen.
Dr. Alexandra Kohlmann:
Genau. Also was jetzt das Thema E-Mobilität angeht: Ich meine klar, wir sind so ein bisschen das Unternehmen der Old Economy, klassisch produzierend. Da gab es natürlich auch viele Diskussionen und Kämpfe bei uns im Haus. Viele haben natürlich auch auf E-Mobilität geschimpft und gesagt, das ist kein ganzheitlicher Ansatz und so weiter. Aber da habe ich natürlich auch immer versucht, die Chance in dem Ganzen zu sehen.
Wir haben uns da auch positioniert. Für uns heißt das in der Konsequenz: Wir schauen nach Forschungskooperationen. Auch diese Fahrzeuge benötigen ja Flüssigkeiten, wenngleich jetzt keine Motorenöle. Und das ist aktuell eine sehr disruptive Geschichte. Da ist noch kein State of the Art gefunden. Das funktioniert auch nicht so, wie jetzt das klassische Motorenöl einfach produziert wird. Da gibt es keine Spezifikationen. Da können wir noch Trendsetter mit sein und diese Position versuchen wir uns eben gerade zu erkämpfen.
Das hat für uns zur Folge: Unser Produktportfolio wird wieder breiter, diversifizierter et cetera, weil wir eben für alle Formen der Mobilität, es ist ja nicht nur ein Auto oder ein Lkw, sondern auch für verschiedene Antriebsarten Flüssigkeiten bereitstellen werden in der Zukunft. Da geht eigentlich unsere Entwicklung hin. Und die müssen nicht unbedingt auf einer mineralischen oder petrochemischen Basis, Stichwort Nachhaltigkeit, CO2-Footprint und so weiter, beruhen, sondern die können dann durchaus auch beispielsweise auf nachwachsenden Rohstoffen oder nativen Rohstoffen basieren. Das hängt halt vom Anforderungsprofil ab.
Und auch da sage ich immer: Das ist in der chemischen Industrie einfach ein Riesenthema, weil gewisse Wirkungen kriegt man halt aktuell leider auch nur mit viel Chemie hin. Und das ist eine ganz große Herausforderung, die diese Branche einfach gerade zu meistern hat, gerade auch chemikalienrechtlich et cetera, wie die Anforderungen da gestellt werden. Da ist so ein bisschen der Trade-off zwischen Wirkung und Verträglichkeit in der Umwelt. Da ist einfach noch ein langer Weg zu gehen, auch was Forschung angeht.
Reza Mehman:
Scheint mir auch sehr forschungsintensiv zu sein.
Detroit, Gigafactories und industrielle Erneuerung
Reza Mehman:
Chris, thanks again for being here. You mentioned at the beginning in our conversation, you mentioned Detroit is a typical legacy city. You had your prime time in your city, then you had your ups and downs, and now you’re on the verge of getting something new. As far as I know, you invested in a company together with the state of Michigan, 1.6 billion dollars into a new gigafactory. First of all, that’s a crazy number, to be honest. What is exactly a gigafactory? What is it in terms of sustainability? What does it mean for the region, for the city of Detroit?
Chris Thomas:
Absolutely. And it really is a pleasure to be here. Heidelberg has been a friend to Americans for the entire modern era, upwards of 80 years. Yes, Mayor. Well done. And my time here in the last 36 hours has been unbelievable, the amount of welcoming nature of everyone here. I really appreciate the small shoutout earlier. So thank you for that.
I know how to play to a home crowd. So I want to start with the one comment you made about what is Detroit and what is any city that’s a legacy city. You look at the industrial centers of the western world. You look at Stuttgart, you look at Detroit, you look at places like Tokyo and Seoul. There are many that will look at the histories of these places and they will say, where are we today relative to those histories. I believe that’s folly. I believe we in this room, we in the West, will choose which direction we move, the values we move toward, the types of technologies we choose to back. The legacies of our fathers are not our own. We have the ability to shape the world in the way we see it.
So we at Assembly believe incredibly strongly in two things. One, that the West and the East are bifurcating, and that we have an opportunity to build the world in unique ways in the West holistically. And the industrial centers, the legacy industrial centers, the Detroits and the Stuttgarts, they have a huge opportunity to actually move the world by remaining very deep in their traditions but also technically enabled.
So you mentioned the gigafactory invested in. I think gigafactories are thrown around and it’s like, what is a gigafactory, what does that mean. Ours is a 20 gigawatt factory. Think of gigawatts just as a measure of volume. This will, at full capacity, produce about 200,000 full battery packs for automobiles a year. Think of any one gigawatt as 10,000 units. That’s the rule of thumb for how they think about that. But it is a tremendous amount of volume and very quickly being built, at China speed, if you will, being able to set this up in western ways we haven’t done in the past.
So this is a business that we had invested in almost two years ago at a 45 million dollar pre-money valuation. Last month, we closed a 300 million dollar round at a 1.2 billion dollar post. Why is that? It’s because we have an amazing entrepreneur in the form of a mid-50s individual who spent his career in automotive and electrification and battery, spent seven years at Apple running their electrification efforts for their autonomous car program. We have an amazing technology that they are now implementing and putting into practice. And we have a place that was incredibly welcoming and saying, let’s leverage our industrial past to build the future of the way the world moves.
And so we, as a part of that last round, the state of Michigan came in for 500 million dollars plus in the form of grants as well as other abatements. But this is a recognition around how are we in the western world, how are we going to ensure that we have these types of technologies in our backyard that yes, are doing amazing things by way of carbon mitigation and environmental impact, but also are creating the jobs of the future, are preserving the towns and the people and the places we love.
And I think that’s something that my partner Felix Scheufelen and I really believe. Between Germany and Michigan, between North America and the European marketplace, there’s a huge opportunity to do that.
That’s one example. But the other things that we focus on, I think there’s a really important aspect to where we’re investing. Electrification is one opportunity, but we have other businesses looking at the recycling of end-of-life assets. So usually vehicles are crushed, shredded. Most of that shredder material, a large minority of that shred, is now sent to China on a slow boat, melted down into low-grade alloy. We have a technology right in the middle of the North American continent that does an almost perfect sort of aluminum. That aluminum can go immediately back into production. Incredible efficiencies around not only production of goods and raw materials, but national security, to make sure that we in the West, in the North American and European continents or across the Americas, have access to those materials in unique ways.
And we just announced a deal earlier this week in Berlin, our first announced German deal, more to come. A company that looks at how we efficiently provide mobility services to employees, starting in Germany, but going pan-European and around the world. This gives employers the ability to provide employees their mobility benefit, 100 Euro, 150 Euro. The employee can use that for whatever they want. The employer gets the ability to have clear data around how they’re moving and what types of bike share, train, car share and the like are being used. And there’s a clear understanding of the data from a carbon perspective of where they’re going and how they’re getting there.
So all of these things together, they are fantastic businesses by way of their carbon mitigation. The recycling business, for example, creates 95 percent less carbon by recycling aluminum than by mining new aluminum. That’s unbelievable impact. But it’s also something that are tremendously good businesses and you see that from the capital raises and where the valuations have gone.
Reza Mehman:
Super interesting. Thanks for that. Herr Würzner, ich glaube, ich habe Ihnen schon gratuliert, aber Sie wurden ja jetzt zum dritten Mal wiedergewählt, also in die dritte Amtszeit. Herzlichen Glückwunsch noch mal dafür. Was mich interessieren würde: Wie schaffen Sie es oder was machen Sie, damit so Unternehmen, wie wir jetzt hier vor Ort haben, weiterhin in Heidelberg Innovation betreiben wollen? Was kann die Stadt überhaupt leisten, bieten? Welche Umstände, welche Rahmenbedingungen kann die Stadt Heidelberg leisten?
Heidelberg, Geschwindigkeit und industrielle Wertschöpfung
Prof. Dr. Eckart Würzner:
Also ich glaube, eine ganze Menge, aber natürlich auch nur gemeinsam. Das, was mich eigentlich als Oberbürgermeister umtreibt, wie viele andere Kollegen auch, ist, dass wir in einer Transformationsphase sind, die unglaublich viel mit dem Thema Geschwindigkeit zu tun hat. Denn nur dann werden wir überhaupt all unsere Ziele, über die wir reden, auch tatsächlich erfüllen können.
Ich nehme mal zwei, drei kleine Beispiele aus meinem direkten Umfeld. Das war jetzt eine 300-Gigawatt-Unit, you were building them, ja. So that’s about the size of the wind power plant we are just producing here in Heidelberg. So if all the wind power plants on the hills of Heidelberg were really under heavy motion, they could produce the electricity for those units which were using the electricity. So I just want to bring in a little bit the dimension.
When we are talking about changing our policy, it means we have to change really heavily, with a clear strategy, all our activities. Otherwise we won’t reach the targets.
Nehmen wir mal das Beispiel Kohlekraftwerk in Heilbronn. Was hat das so für eine Energieleistung? Wenn wir das abschalten, Kohle wollen wir raus, also wird es abgeschaltet. Das sind so 1700, 1800 Megawattstunden. Ihr könnt euch vorstellen, 1700 Megawattstunden, das sind ungefähr 600 Windkraftanlagen, richtig große Einheiten, die, die wir gerade auf den Hügeln von Heidelberg bauen. Nee, wir bauen ja nur zehn. Wir bräuchten allein in der Region über 600, also nur Rhein-Neckar.
Ich bin jetzt einfach mal nur dabei, das zu bilanzieren, was wir derzeit für einen Energy Demand haben. The energy demand is brutally changing the policy of the companies. This means that in the future, we will see that all the companies are leaving those regions if we don’t adapt.
So we’re coming into the situation of Detroit, because the old economy is not growing in Detroit, it is the new economy. Ich will einfach damit zum Ausdruck bringen: Wir werden in den nächsten zehn Jahren eine drastische Veränderung der Wirtschaftsstruktur bei uns erleben, auch in den Regionen, die sich wirtschaftlich gut aufstellen. Auch Stuttgart, Heidelberg gehört dazu. Die ganze Automotive-Industrie ist auch in Heidelberg ziemlich stark vertreten, wird sich deutlich verändern. Das merken wir jetzt schon, weil du natürlich mit diesen neuen Fahrzeugen auch wesentlich weniger Teile brauchst, ganz andere Produkte, die produzieren wir gar nicht. Natürlich, die Windschutzscheibe ist noch beim Tesla genauso drin wie beim BMW, aber ansonsten gibt es gar nicht mehr viel, was sich unter der Motorhaube befindet. Da ist eigentlich nur ein Waschmaschinenmotor drin und ein kleines Kabel zur Batterieladung.
Wir sind jetzt noch ein bisschen intelligenter, bauen jetzt die ganzen schweren Busse, Fahrzeuge, alle um auf Wasserstoff, weil wir der Meinung sind, gerade schwere Fahrzeuge sind vor allem für Wasserstoff sehr gut. Das ist aber nur für Heavy Lorries and Heavy Trucks, or Light Trucks, but not for normal cars. Wir bauen jetzt gerade eine riesige Tankstelle für 29 Gelenkbusse, die wir nächstes Jahr in Betrieb nehmen, und haben auch ein erklärtes Ziel, bis 2030 klimaneutral zu werden, mit einem ganz klaren Strategieplan, mit einer ganz klaren Agenda. Wir sind auch eine der Städte, die ausgewählt worden sind, als eine der 100 Städte in Europa, die vorbildgebend sein wollen im Bereich Klimaschutz. Und ich glaube auch, wir sind es, wir können es auch sein. Aber der Sprung ist gewaltig, weil die Dimension den meisten nicht klar ist.
Wir steigen nicht nur mit einer gewissen Verhaltensänderung aus. Die brauchen wir zwingend, die schafft vielleicht 20 Prozent. Wir brauchen aber auch eine technische Revolution. Und bei dem Thema technische Revolution spielt eine ganz entscheidende Rolle für die Regionen in Deutschland und Europa: Nehmen wir daran teil? Mich interessiert erst mal nicht, wie groß die Revenues sind. Mich interessiert erst mal: Kommen die überhaupt in eine Revenue-Situation bei uns in Europa? Das ist die zentrale Fragestellung, die wir uns immer stellen, wenn es auch um Innovation geht.
Kraftanlagen, da können sich viele noch dran erinnern, waren früher auch im Bereich unserer Kernkraftwerke sehr aktiv, waren die Ersten, die entsprechende Rotationswärmetauscher entwickelt haben. Die gibt es heute alle nicht mehr, auf dem ganzen europäischen Markt verschwunden. Die Japaner haben sich das Patent geschnappt, werden jetzt in Japan produziert.
Wir waren super im Bereich der mono- und polykristallinen Siliziumproduktion. Wir hatten die Produktionsanlagen ausgebaut. Siemens, Kyocera, auch die Koreaner waren groß aktiv drin. Hier gibt es keine einzige mehr davon. Wenn Sie heute auf den Markt gehen und kaufen eine Solaranlage, und ich für meine ganzen Schulen und Kindergärten und Verwaltungsgebäude, kriege ich nur chinesische Produkte, und zwar zu 100 Prozent. Ich kann froh sein, wenn ein Heidelberger Innovationsunternehmen oder ein deutsches Innovationsunternehmen noch den Frame macht, den Rahmen, um noch eine gewisse Wertschöpfung rauszuziehen. Aber das Grundprodukt ist schon völlig weg.
Warum? Wir haben es in Deutschland, ich sage das mit Nachdruck, völlig verkannt, eine klare Wirtschaftspolitik bezogen auf diese fundamentalen Strukturen zu legen. Ich sage immer, diese klassische Fieberkurvenförderung, mal rein, mal raus, mal rein, mal raus, ist tödlich für jedes Unternehmen. So ist auch die ganze Wirtschaft bei uns in dem Bereich kaputt gegangen.
Deswegen setze ich eine so große Hoffnung darauf, dass mit der Generation, die jetzt groß wird, wir diese Ressourcen und Chancen weiterhin auch für Deutschland und Europa nutzen. Das heißt nicht, dass wir, und ich bin überhaupt nicht so getriggert, wir sind eine strategische Koalition im Silicon Valley eingegangen, weil ich der Meinung war, wir müssen auch in diesem Brainpool eine strategische Koalition mit Palo Alto eingehen und natürlich mit Haiyan und Hangzhou.
Warum? Weil neben der Google-Welt im Silicon Valley eigentlich nur die Alibaba-Welt existiert, die sitzt in Hangzhou. Das sind zwei Riesen, die uns komplett schon mitgestalten, mitbestimmen. Der asiatische ist wesentlich größer. Wir gucken ja immer nur über Google. Alibaba, Alibaba Pay, du brauchst keine Banken mehr. Unsere Sparkassen können nach Hause gehen, die Volksbanken können nach Hause gehen. Du kaufst ganze Häuser, es wird alles mit Alibaba Pay bezahlt. Das ganze Wirtschaftssystem gibt es dort schon nicht mehr. Riesige Veränderung.
Deswegen ist es mir so wichtig, dass man diese globale Perspektive auch hat, wenn man lokal handelt. Think global and act local ist nicht einfach nur ein Spruch, sondern hat viel damit zu tun, dass wir dieses Verständnis haben, um überhaupt dann bei der Wertschöpfung die Unternehmen zu fördern, die wir eigentlich aus unseren Strukturen heraus gebären.
Viele von diesen Innovationen kommen aus der Heidelberger Region, aus dem deutschen European Engineering Bereich, aus Life Sciences bei uns, aber die müssen auch in der Wertschöpfung dann hier bleiben. Da sind wir komischerweise ganz edel, weil es uns ja erst mal nur um Bildung und Forschung und das Entwickeln geht und das ist dann für uns so ergreifend, dass wir diese Wertschöpfungskette nicht entsprechend anschließen.
Deswegen ist es mir so wichtig, dass wir diese Innovation Hubs, dass wir diese Produkte auch bei uns umsetzen. Deswegen fördern wir auch über unseren Innovation Hub. Deswegen bin ich heilfroh, dass ihr von SNP in dem Bereich aktiv seid, dass wir natürlich auch mit SAP große Partner haben, aber die kleinen sind noch fast wichtiger. Wenn ich an Aleph Alpha denke, wer war jetzt schon mal auf der Homepage der Stadt Heidelberg? Habt ihr mal unser Lumi gesehen? Ja klar, unser Lumi, das Männchen. Das muss noch wachsen, aber der Punkt ist: Es ist ein Produkt, das von einem Startup in Heidelberg entwickelt wird und das ist der Punkt, worauf ich hinweisen muss. Das ist im Bereich der großen KI und sagt jetzt Google so ein bisschen den Kampf an, bei der großen KI auch mitreden zu können. Das ist genau das, wo wir sagen müssen: Mensch, die müssen wir halten, wir müssen auch das Knowledge halten. Dann kannst du auch ganz anders deine Unternehmen führen und ganz andere Produkte entwickeln.
Vielleicht mal ein bisschen so der große Flug. Ich kann gerne noch erzählen, was wir im Einzelnen da noch machen als Stadt, um das entsprechend umzusetzen. Aber wenn man das nicht als Perspektive im Kopf hat, dann bewegt man häufig falsche Entscheidungen, auch politisch falsche Entscheidungen, sage ich auch ganz ehrlich, die sich dann nur noch mit dem Mindset beschäftigen und das alleine reicht natürlich nicht.
Reza Mehman:
Wahrscheinlich ist schon durchgekommen, dass Heidelberg meine Lieblingsstadt ist. Deswegen hoffe ich, dass Sie alle Ihre Ziele und Visionen umsetzen. Würde ich mich sehr freuen.
Ich würde aber gerne mal zu dir kommen, Jens. Wir hatten ja die Thematik ESG, Environmental, Social und Governance, also Umweltaspekte, soziale Aspekte und gute Unternehmensführungsaspekte. Als börsennotiertes Unternehmen: Wie allokierst du deine Ressourcen? Wo steckst du wie viel ungefähr rein? Wie priorisierst du diese Aspekte? Ich habe vorhin mitbekommen, du erlebst den Marktdruck, du erlebst den Druck von deinen Investoren, also deinen Shareholdern. Wie priorisierst du das Thema ESG?
ESG, CSRD und die Realität in Ausschreibungen
Dr. Jens Amail:
Na ja, wir kriegen ja Druck von verschiedenen Seiten. Auf der einen Seite kriegen wir Druck vom Gesetzgeber. Da müssen wir als börsennotiertes Unternehmen jetzt eben auch die Greenline reporten. Da ist, wir haben kurz drüber gesprochen, aktuell die Erwartungshaltung relativ vage. Das muss jetzt nicht unbedingt vom Wirtschaftsprüfer geprüft werden, da gibt es kein verbindliches Rahmenwerk, da gibt es ein paar Standards, ein paar Beratungshäuser. Wir lassen uns beispielsweise raten von EcoVadis. Das ist aktuell noch überschaubarer Aufwand.
Aber auch wie Sie vorhin gesagt haben, das wird sich nächstes Jahr ändern. Weil nächstes Jahr gibt es dann die CSRD, die Corporate Sustainability Reporting Directive. Da wäre unsere Erwartungshaltung an den Gesetzgeber, dass das relativ schnell in verbindliches Recht umgesetzt wird, weil aktuell gibt es da noch ein bisschen Ambiguity und dann wird das richtig arbeitsintensiv.
Reza Mehman:
CSRD ist ja Corporate Sustainability Reporting Directive.
Dr. Jens Amail:
Ja, genau. Die ist ab nächstem Jahr verbindlich für alle Public Entities of Interest, das heißt börsennotierte Unternehmen und Banken und Versicherungen, aber ab 2026 und spätestens ab 2028 eben auch verbindlich für 15.000 andere Unternehmen. Da kann ich nur sagen: Get ready. Das geht dann bis runter auf Unternehmen mit bis zu 200 Mitarbeitern und das ist dann richtig Arbeit. Da sind wir im Moment gerade dabei. Für uns geht es ja nächstes Jahr schon los. Recruiting ist also ein Handlungstreiber für uns.
Der zweite Handlungstreiber für uns sind natürlich unsere Mitarbeiter, dass wir da eben reagieren. Da haben wir glücklicherweise eine Kultur, die auch getrieben ist von unserem Founder Andreas Schneider-Neureither, der immer einen starken Fokus auf das ganze Thema Sustainability hatte. Wir hätten nie in den SNP Dome investiert, wenn es kein energieeffizientes Gebäude wäre, wenn das Material nicht recycelbar wäre und so weiter. Also da haben wir zumindest eine DNA.
Reza Mehman:
Darf ich ganz kurz, da schließt sich der Kreis, die Rhein-Neckar Löwen spielen.
Dr. Jens Amail:
Ja, nicht immer. In erster Linie die Academics. Aber wir wären welcome.
Und das dritte Thema, und das ist auch ganz interessant, sind natürlich die Forderungen, die wir von unseren Kunden kriegen. Das ist auch sehr arbeitsintensiv. Wir sind jetzt ein kleines börsennotiertes Unternehmen und wir stehen im Wettbewerb mit sehr großen Playern. Da haben wir teilweise einfach nicht die Ressourcen, auch bestimmte Themen zu verantworten.
Klassischerweise gibt es bei jeder Ausschreibung ein Product Rating, ein Pricing Rating und jetzt habe ich ein konkretes Beispiel im Kopf, da stehen wir ganz gut da, auch gegen große globale Wettbewerber, aber es gibt eben auch ein Sustainability Rating. Und jetzt entsteht dann natürlich auch ein Markt an Standards, an Beratungshäusern. Es gibt ein Portal in der Manufacturing-Industrie, das heißt Sustainability Questionnaire, Assurance Questionnaire, und den müssen wir ausfüllen. Im Moment scoren wir da noch nicht so gut, weil das richtig viel Arbeit ist.
Ich sage es jetzt mal ganz zynisch: Im Moment würden wir den Deal nicht kriegen, weil wir unter einem gewissen Threshold sind, weil wir eben aus Ressourcengründen jetzt übersehen haben zu dokumentieren, dass unser Supplier in Würzburg keine Sklaven hält. Dass unsere Software, ich sage es jetzt mal flapsig, den Neckar nicht verschmutzt. Da würden wir uns wünschen, dass es da wirklich Standards gibt vom Gesetzgeber, wirtschaftsprüferrelevant, dass es da vielleicht ein bisschen einfacher ist. Denn selbst für uns als Unternehmen mit 1400 Mitarbeitern ist es schon sehr ressourcenintensiv.
Reza Mehman:
Das glaube ich. Ich glaube, es ist echt auch in Zukunft zu priorisieren und Kräfte zu bündeln. Also da kommt ja echt einiges, vielleicht auch Gott sei Dank, auf uns zu, was diese Thematik anbelangt.
Dr. Jens Amail:
Wir stellen uns dem gerne, aber es ist in Summe ein Thema, wo wir alle umdenken müssen.
Leistung, Koordination und große Probleme lösen
Reza Mehman:
Absolut. Alex, bei dir im High-Tech Gründerfonds: Was ich mich gefragt habe, investiert ihr lieber in Startups und Unternehmen, die ganz konkret etwas tun im Bereich Nachhaltigkeit, oder Unternehmen, die Software herstellen und andere Unternehmen beim Thema Nachhaltigkeit unterstützen? Also als Beispiel: Man könnte ja zum Beispiel Fleischersatz-Startups nehmen, da kann man sogar den CO2-Abdruck ganz gut messen. Wie ist da eure Präferenz eigentlich?
Alexander von Frankenberg:
Nee, das ist eine super Frage. Ich will sie auch beantworten, aber ich möchte drei Punkte vorher machen. Einen ganz netten positiven Punkt und dann zwei nicht so positive Punkte, die nie ausgesprochen werden.
Der nette positive Punkt ist: Wir machen selber auch so viele Sachen als Fonds und zwei Sachen sind total klein und total wirksam. Auf der Toilette haben wir das warme Wasser abgestellt, es ist immer kalt, spart ein bisschen was. Aber was es macht: Es erinnert einen fünfmal am Tag oder wie oft man eben hingeht, dass es ein wichtiges Thema ist. Total riesiger Impact. Einige haben sich auch beschwert und das sorgt dann für Diskussionen und noch mehr Impact. Außerdem essen wir im betrieblichen Umfeld nur vegetarisch. Das erinnert einen eben auch. Wenn man auf Geschäftsessen geht, wir hatten gestern Essen mit unserem Beirat, vegetarisch, dann redet man drüber und alle sagen, boah, schmeckt ja lecker, und war super lecker. Auch Impact. Total kleine Maßnahmen, riesiger Impact in der Multiplikatorwirkung.
So, das war das Positive. Ich möchte jetzt zwei Sachen sagen, die vielleicht ein bisschen kontrovers sind, aber ich denke, die sind wichtig.
Der erste Punkt: Ich habe neulich mit einem Top-5-Klimaforscher weltweit zu Abend gegessen, ganz tolle Gelegenheit gehabt, und habe ihn gefragt, was seine persönliche Meinung ist, wo landen wir, wenn wir das machen, was wir uns vornehmen. Also Deutschland, Kohle weg und so weiter. Dann sagt er: plus vier Grad. Und ich sage: Oh, warum? Weil nicht alle so Streber sind wie wir. Der Punkt ist: Wir brauchen noch viel mehr internationale Koordination. So spricht keiner an. Und es ist überhaupt gar keine Entschuldigung, hier nichts zu machen. Das ist nicht das Argument, um zu sagen, bringt nichts, also machen wir nichts. Gar nicht.
And beim Thema international coordination, I’m sorry to say, the biggest CO2 producer in the world is the American military. And the war Ukraine, Russia, is also a very big CO2 producer. We need to move to a more peaceful, coordinated world. If we don’t, we will have plus four degrees. And everything we do is in vain. It doesn’t move the needle because it’s two percent of the CO2 production that we have in Germany. So the American military is the biggest CO2 producer and the wars in the world may be the next. And of course the people all over the world. Also das war der eine Punkt, Elephant in the Room, den niemand anspricht. Wenn wir uns international nicht koordinieren, bringt es nichts, egal was wir machen.
Der zweite Punkt, und den haben Sie angesprochen, Herr Bürgermeister: Wenn man im Flugzeug sitzt und dann sagen sie mit der Sauerstoffmaske, wem soll man zuerst die Maske aufsetzen, dem Kind nebendran oder sich selber? Sich selber und dann dem Kind. Warum? Wenn ich es dem Kind drauf tue, dann schaffe ich es vielleicht nicht. Und was ist der Punkt? Sie haben es angesprochen: Wir müssen unsere eigene Leistungsfähigkeit erhalten, weil nur dann haben wir die Power, was zu tun und vielleicht auch internationalen Einfluss zu üben.
Wir machen das hier mit den Startups sehr erfolgreich seit 18 Jahren und wir sehen eine Industrie nach der anderen sterben in Deutschland. Konsumgüter. Jens war verantwortlich für Telekommunikationsnetze beim Weltmarktführer Siemens 2000. Das ist tot heute. Wer ist heute der Weltmarktführer? Die Chinesen. Weltmarktführer bei Solarzellen? Die Chinesen. Die Chinesen werden Weltmarktführer bei E-Autos. Wenn man auf der Shanghai Automesse gesehen hat: vergleichbare Autos, Drittel des Preises. Die werden nach Deutschland exportieren, sehr schnell irgendwann. Dann verlieren wir die Autoindustrie und dann verlieren wir vielleicht auch die Schmierstoffindustrie. Und der Punkt ist: Es wächst nichts nach. Die Unternehmen, die Startups, die nachwachsen, super erfolgreich, was machen wir mit denen? Wir verkaufen die ins Ausland. Dann sind wir immer noch hier und wachsen vielleicht ein bisschen, der Impact entsteht im Ausland.
Die zwei Punkte sind wirklich wichtig: internationale Koordination, keine Kriege, weniger Militär, nicht mehr Militär, weil Militär der größte CO2-Produzent der Welt ist, und die eigene Leistungsfähigkeit erhalten, whatever it takes. Und da gehört schon auch der innere Kontext dazu. Wenn wir uns hier ergehen, und ich sage es jetzt und mir ist es wurscht, einige Leute werden jetzt denken, was für ein Depp, wenn wir uns mit Gendersprache befassen, mit überbordenden Sabbaticals, Obstkörben und anderen Themen, irgendwo ist das wichtig, ich bin gar nicht dagegen, aber wenn wir dabei unsere Leistungsfähigkeit verlieren, können wir nichts machen. Dann haben wir keine Power.
Und jetzt komme ich zur Frage: Wir finanzieren sehr gerne Unternehmen, die große Probleme lösen. Je größer das Problem, desto lieber finanzieren wir das, weil dann entsteht sehr viel Wert bei uns als Investor, aber natürlich auch drumherum. Was sind die größten Probleme? Ganz viele Gesundheit natürlich. Alzheimer, Krebs, Infectious Diseases, haben wir überall was im Portfolio.
Wir haben mit MYR ein Unternehmen für eineinhalb Milliarden verkauft, die als Einzige auf der Welt Hepatitis D heilen.
Reza Mehman:
Das Heidelberger Unternehmen.
Alexander von Frankenberg:
Ja genau, da kommt die Technologie aus der Uni Heidelberg. Dafür hat die Uni Heidelberg einen zweistelligen Millionenbetrag bekommen, riesiger Impact ganz lokal. Wir haben ein Unternehmen, die können als Einzige auf der Welt Zöliakie, Glutenunverträglichkeit, heilen. Pille, dann kann man Brot essen, super, passiert nichts.
Also je größer das Problem. Natürlich ist Umwelt, CO2 wahrscheinlich sogar das größte Problem. Genau deswegen: Ja, wenn wir Unternehmen finden, die das irgendwie adressieren, dann investieren wir da gerne, auch sehr risikoreich. Dann nehmen wir auch eine höhere Ausfallquote in Kauf, für die Chance, es versucht zu haben. Aber bitte vergesst nicht meine drei Punkte, die ich vorher gemacht habe.
Mittelstand, Vorbereitung und Standortdruck
Dr. Alexandra Kohlmann:
Darf ich da kurz anschließen? Sie hatten ja gesagt, die kleineren Unternehmen trifft es ab 2026. Da würde ich gerne noch kurz anschließen. Ich weiß nicht, wie viele Mittelständler hier im Raum sind, aber wenn wir erst in 2025 anfangen, uns mit den Themen zu beschäftigen, wird es auch für uns knapp von der Zeit.
Wir bilanzieren seit 2016 tatsächlich unseren CO2-Footprint. Das heißt, wir haben relativ früh damit angefangen. Da wusste man noch gar nicht, dass eine CSRD vielleicht kommt. Wir haben das Glück, wir haben ein relativ neues Werk gebaut, vor zehn, zwölf Jahren, auf der grünen Wiese. Das hat uns auch noch mal ermöglicht, dass wir relativ hohe Energie- und Umweltstandards setzen konnten. Wir haben eine Umweltzertifizierung und eine Energiemanagementzertifizierung. Auch das sind wesentliche Voraussetzungen, um überhaupt erst mal so eine Analyse zu machen: Wo stehe ich denn überhaupt, um dann Maßnahmen zu treffen, wie kann ich denn überhaupt besser werden.
Also auch bei dem Thema Nachhaltigkeit darf man die Digitalisierungsleistung, die hinten dran steckt, nicht unterschätzen. Egal, ob man jetzt den Zähler montiert und den mit einer Software am Ende versieht, um dann auszuwerten, was verbrauche ich denn eigentlich an welcher Stelle, wo. Da stecken schon Aufwände und Efforts hintendran, die man jetzt nicht innerhalb von einem Jahr irgendwie wuppen kann.
Und deswegen: Wenn ich jetzt an ESG denke, sind wir eigentlich relativ gut aufgestellt, was das Thema Environment angeht. Beim Thema Social würde man sich natürlich noch mal ein bisschen Präzisierung an der einen oder anderen Stelle wünschen, was darunter alles zu verstehen ist. Ich glaube, wenn man sich am GRI-Standard orientiert, dann ist man auch ganz gut vorbereitet für das, was so kommt. Und klar, das Thema Governance ist jetzt in Familienunternehmen wahrscheinlich nicht immer so präsent. Man ist da natürlich nicht so professionell immer aufgestellt wie jetzt in den börsennotierten Unternehmen.
Aber was ich sagen will: Ich glaube, man muss frühzeitig daran denken und für sich auch eruieren, was da auf einen zukommt. Wo ist man betroffen? Ich mache das aber auch bei uns jetzt nicht aus einem Anreiz heraus, weil ich weiß, da kommt ein Reporting, sondern ich sehe das als unsere unternehmerische Verantwortung, aber auch für die Gesellschaft, für Umwelt, dass wir tun können und ansetzen können als Unternehmen und dort unseren Beitrag leisten. Also das finde ich, ist auch noch mal wichtig. Man sollte schon für sich festlegen: Was ist eigentlich mein Ambitionsniveau? Ich kann das quick and dirty machen und ich kann es halt auch sehr hoch legen.
Beim Scope 1 und 2, wenn man jetzt mal in Bilanzierung denkt, würde ich sagen, sind wir auch sehr gut aufgestellt. Kommen wir mal zu dem Punkt, den Sie gemacht haben, Thema externer Druck, gerade beim Scope 3 Product Carbon Footprints: Riesenthema, betrifft nicht nur meine Branche. Als wir angefangen haben, CO2 zu bilanzieren, haben wir für Schmierstoffe den Wert von Heizöl genommen, was anderes gab es nämlich nicht. Also auch da ist noch viel Pionierarbeit zu leisten, egal in welcher Branche wahrscheinlich, weil wir einfach die Daten noch nicht mal zur Verfügung haben.
Und gerade was das Thema europäischer Markt oder Lieferkette und dieses ganze ESG-Thema angeht: Das kommt ja aus der Fit for 55 Initiative. Die CSRD ist eines von vielen Gesetzespaketen, die da rauskommen. Aber wenn ich zum Beispiel jetzt mal meinen Markt anschaue: Bei uns in Europa wird keine Raffinerie mehr aktuell gebaut, auch aus dem Thema ESG heraus oder weil die Investitionssicherheit für solche Themen überhaupt nicht vorhanden ist.
Oder schaut man sich synthetische Fuels an. Ohne dass die Gesetzgebung jetzt gesagt hat, wir lassen das vielleicht durch die Hintertür zu, hat niemand an den Case weiter geglaubt, außer Porsche, und die haben es in Chile gebaut. Aktuell wird das in Asien hochgezogen und vielleicht noch im Nahen Osten. Was passiert? Wir müssen den Kram importieren.
Jetzt kommen wir wieder zum Fit for 55. Wir haben den Carbon Border Adjustment Mechanism. Das heißt, wir werden eine CO2-Importsteuer zahlen auf alle CO2-intensiven Waren. Das führt wieder zu einer Verteuerung meiner Rohstoffe. Jetzt habe ich vorhin gesagt, Internationalisierung, dann exportiere ich das Ganze wieder und dann ist halt schon die Frage: Bin ich da preislich eigentlich international noch wettbewerbsfähig?
Darüber mache ich mir ehrlich gesagt mehr Gedanken, als ob ein Verbrenner in 20 Jahren noch fährt oder nicht, weil das sind wirklich dann Standortprobleme. Wir haben ein Familienunternehmen. Ich bin die zweite Generation und es gibt es seit 28 Jahren und eigentlich habe ich mir zum Ziel gesetzt, ein paar Arbeitsplätze zu erhalten. Aber ja, bei diesen ganzen Gegebenheiten wird der Druck da einfach immer größer. Also nicht falsch verstehen: Ich bin absoluter Fan und Verfechter davon, wir müssen bei dem Thema Nachhaltigkeit global zusammenarbeiten, aber ich sehe gleichzeitig auch einfach sehr große Herausforderungen auf uns zukommen, wo ich mir nicht sicher bin, wie wir die lösen können, weil wir uns wirklich selbst abschaffen.
Reza Mehman:
Sehr schöne warnende Worte. Mich würde interessieren, also im Vorgespräch ist mir schon aufgefallen, dass Sie einen ganz starken Fokus auf dieses Thema haben. Sie schauen sich auch Lieferketten an, wie da was passiert. Haben Sie den Eindruck, dass mittelständische Unternehmen von ihrer Größe her ähnlich ticken, ähnlich das Ganze sehen? Ist da auch ein Fokus drauf oder sind es gar nicht so viele Mittelständler, die da einen Fokus überhaupt draufsetzen und die machen ihr eigenes Ding und gucken einfach, was passiert?
Dr. Alexandra Kohlmann:
Das glaube ich nicht. Ich glaube schon, dass jeder irgendwie eine Form von Risikomanagement etabliert hat, und wenn es aus dem Gefühl oder Bauch heraus kommt. Ich glaube auch, dass Familienunternehmen dadurch, dass sie immer eine sehr langfristige Perspektive haben, da durchaus schon sehr umsichtig sind.
Bei uns hat das auch maßgeblich natürlich mein Vater geprägt. Wir sind sehr vertikal integriert. Also wir stellen auch innerhalb der Gruppe unsere Gebinde beispielsweise selbst her. Das hat dann zur Folge, dass ich eben nicht auf andere Lieferanten angewiesen bin, die manchmal in Corona-Zeiten bis zu sechs Monate gebraucht haben. Aber das sind Investments, da haben wir auch acht Jahre gebraucht, bis sich das dann auch wieder irgendwie ausgezahlt hat. Und sowas macht man nicht, wenn ich in Dreijahresrhythmen rechne, sondern einfach auf lange Sicht.
Reza Mehman:
Super interessant. Ich bin happy, dass der Mittelstand sehr weit denkt.
Profitabilität, Ehrlichkeit und harte Entscheidungen
Reza Mehman:
Chris, this amazing conversation. Talking about you all the time, it’s only about you. No, just joking. You have interesting perspectives and interesting views. You’re able to see the market in the U.S., because you’re invested, of course, in the U.S., but you’re also invested in German companies, and you want to even invest more in German companies. Do you see any big differences in the behavior of American companies regarding sustainability versus German, European companies? And this is the first question. The second question is, we talked about it yesterday very briefly: Is profit even possible without looking at the topic of sustainability? These two questions, please.
Chris Thomas:
Easy questions. Yeah. I believe you cannot have sustainability without profitability. You can have profitability without sustainability. But if we are going to have companies and efforts that are long-standing and make a real difference, they have to make sense in the marketplace.
And I think sometimes we have incredibly well intentions, but we don’t focus on what is real. And there’s a phrase that I like to say a lot: candor will save the world. Just unabashed honesty. Candor will save the world. Unabashed honesty about where we are and what we’re doing.
And I love what you said about, we have to be honest about data. We have to be honest about who are the largest producers of carbon in the world. I love what you said about, we want a more coordinated and peaceful world, but we also have to be honest that world is not where we’re headed right now. We are headed toward more disarray and we’re heading in the opposite direction of peace.
Alexander von Frankenberg:
And Ben, we need to prepare for plus four degrees because that’s what’s going to happen.
Chris Thomas:
Well, we need to prepare for the realities of the data. So I like what you said, you have to be honest about the data.
So what do we know? We know that we have enemies to the West that are moving against us. We know that we need to make choices and not just have conversations, but make choices that move the world in a way which represents our ideals and our values. And I think sometimes we talk about how we have to be sustainable, but there’s no there there. It’s a conversation.
And so we in this room, we in the West, have to make choices and we have to make choices relative to the needs of everyone, our family, our friends, our countrymen, the people who are allies. And to your point, I agree with you, there’s a real trade that we’re making. But are we going to trade energy for individuals in every major city in the West or charge them at costs which they cannot afford today? Or are we going to try to make sure that we’re using, in a transitionary way, all of our energy resources to get to clean energy that are actually sustainable? I would offer we must do the latter and we must make hard choices.
This is something that I think is always nervous when you throw these things out there. But we have hard choices to make now, today. And one of the reasons we are so excited about where we are in Detroit and Berlin and Silicon Valley, the only way that we can make these choices is with full information, with full facts and data, leveraging the legacy industrial centers and the new technology and working together.
And as you said, Mr. Mayor, I think there are the places that we look to for innovation. We look to Silicon Valley, we look to London, we look to certain places. The places that we looked at in the past industrial mind, we looked at the Detroits and the Stuttgarts. We need to look at those places where people aren’t looking.
We’re here today because of the wonderful team at Accelerate and the remarkable group of investors that make up the majority Tier 1 in all of Germany. These are companies that employ tens of thousands, hundreds of thousands. The migration to full EVs and where we’re going is going to take time. The ICE engine is not going away. We need to be honest and clear-eyed about this. And I think sometimes we choose to just say we want to be these things. We’re not making choices, we’re just saying we want to be these things. So that’s really important.
Two, when it comes to how the entrepreneurs think about it, I would say the best entrepreneurs have many of the same characteristics. I look at Artur, who I believe is one of the best entrepreneurs in Germany. And I wouldn’t say it wasn’t true in terms of what he’s building and why he’s building the team he’s put behind him. He shares the same attributes as my CEO in Los Angeles and Detroit and Fort Wayne, Indiana, because he’s moral, he’s incredibly hard working, he’s honest about what he doesn’t know and he’s building a team around him that’s going to allow his company to grow.
If we do this well, and it’s not just the environmental characteristics that are looking at ways in which we can mitigate carbon, and we are not an impact fund per se, but we are a fund in which every company we invest in will have impact. And by not being bound into ESG, which sometimes is real and sometimes is greenwashing, but being bound to entrepreneurs who are making a difference, I think that’s how we move the world. And I think that’s the world we want to move to.
Städte, Hoffnung und Umsetzung
Reza Mehman:
Thank you. Eine sehr gute und ernsthafte Diskussion aus meiner Sicht. Um wieder ein bisschen mehr Spaß reinzubringen, letzte Frage an Herrn Würzner und vielleicht wohlwissend, dass Sie dann mit Ihrer Antwortzeit die einzige Grenze zu unserem Dinner sind. Wie gesagt, nur ein bisschen Spaß.
Meine Frage ist: Sie sind ja auch der erste Vorsitzende des Deutschen Städtetages. Das heißt, Sie haben eine ganz gute Übersicht, was andere Städte machen. Gibt es Städte, wo Sie sagen, da kann Heidelberg sich im Kontext von Nachhaltigkeit noch eine Scheibe abschneiden, da sind die viel besser als wir? Können Sie uns ein paar konkrete Beispiele geben, was wir hier besser machen könnten?
Prof. Dr. Eckart Würzner:
Ja, also Prinzip Hoffnung vor Dinner ist ein gutes Stichwort.
Vielleicht noch mal ganz kurz zur Einordnung: Die Städte arbeiten international extrem gut und eng zusammen. Ich darf auch jetzt schon seit über zehn Jahren Präsident eines der größten europäischen Städtenetzwerke begleiten. Wir haben einen sogenannten Covenant of Mayors auf den Weg gebracht, also eine Selbstverpflichtung der Städte. Das 1,5-Grad-Ziel hat keine Stadt unterschrieben, kein Bürger, sondern nur nationale Regierungen. Also die Einordnung. Wir haben gesagt, wir gehen weiter, wir wollen früher dieses Ziel erreichen, das ist ganz wichtig und es geht.
Nehmen wir mal Beispiel Heidelberg. Wir haben vor 15 Jahren beschlossen, alle Neubaugebiete entstehen nur noch klimaneutral. Machen wir. Dieser Standard zum Beispiel für die Bahnstadt, der wurde vielleicht vor 15 Jahren beschlossen, gebaut, wird in zehn Jahren nationaler Standard sein. It’s there but it’s not used. Das war die große Mission.
Davon haben wir ganz viele Beispiele, genauso dass wir schon seit vielen Jahren klimaneutralen Strom kaufen, natürlich für die Kindergärten und Schulen, weil wir sagen, unsere Kinder sollen ohne ecological footprint, CO2 entsprechend aufwachsen. Da gibt es ganz viele großartige Beispiele und wir haben es geschafft, dass über 10.000 internationale Städte dieses Commitment schon unterschrieben haben. Nicht einfach nur unterschrieben, sondern sie müssen alle zwei Jahre auch einen Action Plan vorlegen. Der wird auch über unser internationales Netzwerk gecheckt.
Also wir arbeiten international wirklich intensiv zusammen und tauschen uns aus. Konkretes Beispiel: Rafal Trzaskowski, gut, der hat jetzt momentan ein anderes Problem, Oberbürgermeister von Warschau, der hat, ich glaube, 400.000 Menschen aus der Ukraine aufgenommen, ist ganz klar für Erneuerbare, die polnische Regierung kämpft ganz klar für Kohlekraftwerke, also genau das Gegenteil. Wir tun ja immer so, als wenn national und lokal immer das Gleiche ist.
Es gibt erst mal die gute Botschaft, dass das Mindset in den Städten ganz klar in Richtung Commitment zu diesen Zielen steht. Das ist nicht überall der Fall und das gibt mir auch die Hoffnung zu sagen, Benjamin Barber hat mal eine wunderbare Veröffentlichung geschrieben: If Mayors Ruled the World. Das ist jetzt vielleicht ein bisschen überzogen, aber es hat was damit zu tun, dass die persönlichen Verantwortungsträger natürlich ganz anders unter Druck stehen. Ich wäre schon lange kein Oberbürgermeister mehr, wenn ich so ein Thema nicht ernst nehmen würde. Ich würde nie wiedergewählt werden. Je weiter du nach oben kommst, dauert es natürlich etwas länger.
Also es gibt Hoffnung, da passiert ganz viel und wir haben auch die technischen Möglichkeiten, ich will es noch mal sagen, die sind enorm. Wir haben jetzt gerade mit den koreanischen Kollegen, die bauen riesige Windparks unter Wasser, weil eine gewaltige Energie durch diese Meeresströmung gerade in Küstennähe entsteht und Küstennähe und Großstädte ist immer parallel. Das ist auch das Problem vom Anstieg der Meeresspiegel. Also ganz tolle Innovationen.
Erst recht, wenn man weiß, dass nach der McKinsey-Studie die nächsten 135 Megastädte, die entstehen, keine einzige davon in Europa, keine einzige in den USA, alle im asiatischen, afrikanischen Raum. Wenn es da nicht eine enge Kooperation gibt, wird es sowieso vier, fünf Grad und entsprechende Positionen geben.
Aber ich bin fest davon überzeugt: Wir tauschen uns aus, wir sind engstens miteinander vernetzt. Das gibt mir auch die Hoffnung, dass wir die technischen Innovationen neben dem Verhaltenskodex auch großartig auf den Weg bringen.
Auch in Heidelberg haben wir das größte Unternehmen im Bereich der fleischverarbeitenden Industrie, das jetzt gigantische Summen investiert für Aminosäureketten, die nicht auf tierischem Eiweiß basieren. Also da schalten auch schon riesige Unternehmen, wenn sie clever sind, frühzeitig um. Die haben wir bei uns. Wir haben jetzt nicht die Fleischproduktion bei uns, sondern wir haben genau das Gegenteil bei uns und das ist natürlich auch Zukunft. Das ist auch Zukunftstechnologie.
Deswegen sage ich, es gibt so viele großartige Produkte, Innovationen, die eigentlich nur in die Markteinführung müssten, die man unterstützen müsste, die wir etwas stärker begleiten sollten, die wir auch sehen sollen. Dann dürfen wir diese Märkte natürlich auch nicht abkoppeln. Nehmen wir das Beispiel Brennstoffzellen. Deutschland ist im Bereich der Brennstoffzellen absolut Weltmarktführer. Weltmarktführer. Wenn ich das natürlich jetzt mal ausklammere, dann habe ich da wieder eine Lead-Funktion und nehme sie gleich wieder raus. Das ist natürlich nicht gerade sehr geschickt.
Auch wenn ich sie nicht überall einsetzen kann, ist sie doch dafür verantwortlich, dass Apollo 10 damals auf den Mond geflogen ist, vor 40 Jahren. Also ist ja auch keine neue Technologie, ist nur eine fortentwickelte Technologie.
Also ich glaube, das Prinzip Hoffnung ist ganz wichtig, dass wir uns als Städte da commiten, dass wir die Menschen mitnehmen. Die Menschen bringen uns mittlerweile sogar richtig unter Druck und ich glaube, wenn man das jetzt auch als guten Case von Germany, Europe stärker auf die internationale Ebene unterstützt, bin ich fest davon überzeugt, wir haben unseren Stellenwert, wir können uns auch entsprechend gut positionieren. Wir müssen es nur ernst nehmen, mit welcher Geschwindigkeit wir das machen müssen. Das ist eigentlich das Hauptthema.
Und deswegen Bürokratieabbau: sieben Jahre Genehmigung für eine Windkraftanlage, weil ich nicht weiß, ob der Rotmilan oder der Kolkrabe jetzt wichtiger ist. Das geht natürlich nicht mehr in dieser Geschwindigkeit. Das vielleicht soweit von meiner Seite. Danke.
Abschluss
Reza Mehman:
Ich danke Ihnen allen für die sehr interessante Diskussion. Hat richtig Spaß gemacht, viel mitgenommen, auch ein paar Warnsignale natürlich mitgegeben. Also ich denke, es war eine wichtige Diskussion, die wir heute geführt haben.
Relevante Keywords
nachhaltige Innovation Deutschland
nachhaltige Investments
ESG Unternehmen
CSRD Reporting
High-Tech Gründerfonds
SNP Group Nachhaltigkeit
ROWE Mineralölwerk
Chris Thomas Assembly Ventures
Heidelberg Innovation
Eckart Würzner Nachhaltigkeit
Mittelstand ESG
Startup Investment Deutschland
Gigafactory Detroit
nachhaltige Mobilität
Carbon Footprint Unternehmen
Scope 1 Scope 2 Scope 3
Familienunternehmen Nachhaltigkeit
Standort Deutschland Industrie
Energiewende Wirtschaft
Innovation Heidelberg