Dinner im Schloss 2023 - Panel 1

Nachhaltigkeit im Sport und Sportsponsoring: DFB, SAP, Rhein-Neckar-Löwen und TSG Hoffenheim im Gespräch

Einleitung

In diesem Panel von Dinner im Schloss spricht Reza Mehman mit Vertretern aus Fußball, Handball und Sportsponsoring über Nachhaltigkeit im Sport. Im Fokus stehen konkrete Maßnahmen, gesellschaftliche Verantwortung, nachhaltige Vereinsentwicklung und die Frage, wie Sponsoren und Clubs das Thema in der Praxis umsetzen. Das Gespräch zeigt, wie unterschiedlich Nachhaltigkeit je nach Organisation gedacht wird und wo bereits heute echte Fortschritte sichtbar sind.

Zusammenfassung

Im ersten Panel von Dinner im Schloss geht es um Nachhaltigkeit im Sport und im Sportsponsoring. Dr. Holger Blask erläutert die Rolle des DFB zwischen Breitenwirkung, Governance und Großevents wie der EM 2024. Jennifer Kettemann zeigt, wie die Rhein-Neckar-Löwen mit einfachen, aber wirksamen Maßnahmen wie dem Verzicht auf Klatschpappen, Bahnreisen und sozialen Projekten Nachhaltigkeit praktisch umsetzen. Lars Lamade macht deutlich, dass Nachhaltigkeit auch für Sponsoren wie SAP ein wichtiges Kriterium geworden ist und nennt die Partnerschaft mit Coldplay als Beispiel. Prof. Dr. Jan Mayer beschreibt, wie die TSG Hoffenheim mit Talententwicklung, klarer Haltung und ambitionierten Klimazielen ein nachhaltiges Modell aufgebaut hat.

Kontext 

Wer spricht: Reza Mehman mit Dr. Holger Blask, Jennifer Kettemann, Lars Lamade und Prof. Dr. Jan Mayer. 

Worum geht es: Um Nachhaltigkeit im Sport und im Sportsponsoring aus Sicht eines Dachverbands, eines Handballvereins, eines globalen Sponsors und eines Bundesliga-Clubs. 

Warum ist das relevant: Sport erreicht Millionen Menschen, prägt Verhalten, schafft Vorbilder und kann Nachhaltigkeit sowohl ökologisch als auch sozial und wirtschaftlich konkret vorleben. 

Themen-Cluster / Einordnung 

  1.  Nachhaltigkeit als strategisches Thema im Sport 
  2.  Konkrete Maßnahmen in Vereinen und Organisationen 
  3.  Sponsoring und Nachhaltigkeit aus Unternehmenssicht 
  4.  Talententwicklung und Ressourcenorientierung als nachhaltiges Modell 
  5.  Gesellschaftliche Verantwortung, Vielfalt und Governance 

Kern-Aussagen 

Der Sport kann Nachhaltigkeit nicht nur kommunizieren, sondern konkret im Alltag umsetzen. 

Nachhaltigkeit beginnt oft nicht mit einer großen Strategie, sondern mit pragmatischen Schritten. 

Sponsoren achten zunehmend darauf, ob ihre Partner das Thema Nachhaltigkeit ernst nehmen. 

Die größte ökologische Herausforderung bei Großevents ist oft nicht die Infrastruktur, sondern die Anreise der Fans. 

Nachhaltigkeit im Sport umfasst ökologische, soziale und organisatorische Verantwortung. 

Die Entwicklung von Talenten kann ein nachhaltiges Geschäftsmodell sein, wenn Ressourcen bewusst aufgebaut werden. 

Gesellschaftspolitische Themen wie Vielfalt und Integration gehören für viele Sportorganisationen zur Verantwortung dazu. 

Verbindliche Ziele und eigene Ambitionen wirken oft stärker als reine Vorgaben von außen. 

Fragen & Antworten 

Frage: Welche Rolle spielt der DFB beim Thema Nachhaltigkeit?
Antwort: Der DFB wirkt auf vielen Ebenen, von Nationalmannschaften über Wettbewerbe bis hin zu Landes und Regionalverbänden, und verankert Nachhaltigkeit strukturell sowie über Zulassungskriterien und Förderung. 

Frage: Wie sind die Rhein-Neckar-Löwen das Thema Nachhaltigkeit angegangen?
Antwort: Nicht mit einer großen CO2-Strategie, sondern mit pragmatischen Maßnahmen aus dem Alltag heraus, etwa durch den Verzicht auf Klatschpappen, weniger Plastik und nachhaltigere Reisen. 

Frage: Was bedeutet Nachhaltigkeit für SAP im Sportsponsoring?
Antwort: Nachhaltigkeit ist ein relevanter Faktor bei Partnerschaften, auch wenn sie nicht das einzige Kriterium ist. Ein Partner, der das Thema komplett ignoriert, wäre für SAP nicht passend. 

Frage: Was ist ein konkretes Nachhaltigkeitsbeispiel bei SAP?
Antwort: Die Zusammenarbeit mit Coldplay, bei der eine App entwickelt wurde, um die Anreise der Fans und den daraus entstehenden CO2-Fußabdruck besser sichtbar zu machen. 

Frage: Warum ist das Hoffenheimer Modell nachhaltig?
Antwort: Weil der Club auf Potentialentfaltung setzt, Talente gezielt entwickelt, Ressourcen bewusst nutzt und daraus sportlich wie wirtschaftlich ein langfristig tragfähiges Modell gemacht hat. 

Frage: Welche soziale Verantwortung betonen die Rhein-Neckar-Löwen?
Antwort: Themen wie Vielfalt, Anti-Rassismus und gesellschaftlicher Zusammenhalt, die über den Sport sichtbar gemacht und aktiv kommuniziert werden. 

Frage: Was ist laut DFB eine der größten Nachhaltigkeitsherausforderungen bei der EM 2024?
Antwort: Die Anreise der Fans, weil dabei ein erheblicher Teil des ökologischen Fußabdrucks eines Turniers entsteht. 

Frage: Welche Zukunftsstrategie verfolgt die TSG Hoffenheim?
Antwort: Der Club will mit eigenen ambitionierten Zielen vorangehen und hat sich der Kampagne Race to Zero angeschlossen, um den eigenen Fußabdruck bis 2030 deutlich zu reduzieren. 

Zitierfähige Passagen

Nachhaltigkeit im Sport zeigt sich nicht nur in großen Strategien, sondern vor allem in konkreten Entscheidungen. Vereine, Verbände und Sponsoren müssen dabei ihre jeweilige Rolle ernst nehmen und Verantwortung im eigenen Einflussbereich übernehmen. Das Gespräch macht deutlich, dass Nachhaltigkeit ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte verbindet. Gerade weil Sport so viele Menschen erreicht, kann er Vorbild sein und echte Veränderung anstoßen.

Highlight-Zitate 

  • „Wir nutzen jetzt diese Chance und lassen diese Klatschpappen weg.“ 
  • „Wir haben das mal hochgerechnet, das sind allein elf Tonnen Restmüll.“ 
  • „Wenn man von etwas überzeugt ist, dann muss man es auch durchboxen.“ 
  • „Wenn jetzt ein Partner kommt und sagt, Nachhaltigkeit interessiert ihn nicht, dann wäre das wahrscheinlich ein Ausschlusskriterium.“ 
  • „Das Kernkonzept ist eben Potentialentfaltung.“ 
  • „Deswegen ist das Modell auch nachhaltig, weil du auf deine Ressourcen achten musst.“ 
  • „Wir spielen nicht Fußball, um die Umwelt zu schonen.“ 
  • „Wir sind bunt, wir sind vielfältig, das ist in unserer DNA.“ 
  • „Ich will nicht nur etwas tun, was andere mir sagen, sondern ich will selber Vorreiter sein.“

Reza Mehman:
Hi zusammen und herzlich willkommen zu meinem Podcast-Special Dinner im Schloss.

Ich durfte dieses Jahr, genauer gesagt im April 2023, ein Dinner im Schloss veranstalten und dort hatten wir drei super interessante Panels mit dabei. Das Overall-Thema war das Thema Nachhaltigkeit und wie wir Deutschen im internationalen Vergleich dastehen.

Im ersten Panel durfte ich mit meinen Gästen über das Thema Nachhaltigkeit im Sport und im Sportsponsoring sprechen. Die Gäste hier auf diesem Panel waren Dr. Holger Blask, Geschäftsführer des DFB. Dann hatten wir noch Jennifer Kettemann, Geschäftsführerin der Rhein-Neckar-Löwen im Handball. Dann hatten wir noch Lars Lamade, Head of Global Sponsorships bei SAP, und Prof. Dr. Jan Mayer, Geschäftsführer der TSG 1899 Hoffenheim.

Die Gespräche waren wirklich super und wir springen am besten direkt rein in den Podcast.

Also, was mich heute insbesondere interessiert ist: Wir haben unterschiedliche Sichtweisen. Wir haben einen Dachverband, der, glaube ich, überall ein paar Insights hat und weiß, wo was läuft. Da würde es mich natürlich auch interessieren, wie weit ihr auch vom DFB aus Eingriff habt auf gewisse Sachen vor Ort. Das würde mich interessieren, darauf würde ich gern eingehen.

Jennifer, bei dir ganz andere Sportart, Handball, nicht weniger interessant, aber ich glaube, ihr habt wahrscheinlich mit anderen Problemen zu kämpfen als im Fußball als größtem Sport hier in Deutschland.

Lars, bei dir aus Sicht eines Sponsors. Die SAP macht ja unglaublich viel im Sportsponsoring. Da würde mich interessieren, was Nachhaltigkeit eigentlich bei euch bedeutet. Ob ihr euch auch anschaut, was eure Partner im Bereich Nachhaltigkeit machen, ob ihr da so Checklisten durchgeht. Das wäre interessant zu erfahren.

Und Jan, bei dir weiß ich, dass die TSG Hoffenheim auf das Thema Nachhaltigkeit sehr viel Wert legt. Was aber auch interessant ist, ist euer Geschäftsmodell mit dem Thema Nachwuchsförderung, was auch in Richtung Nachhaltigkeit geht. Darauf würde ich auch gerne später noch mal zu sprechen kommen.

Super, fangen wir an, bitte mit Holger, mit dir. Genau, das Mikrofon müssen wir leider ein bisschen durchreichen. Ihr als größter Dachverband, mein erster Gedanke war: Worauf habt ihr denn Einfluss? Ich weiß, dass ihr den Vereinen sehr viel vorgeben könnt, woran sie sich halten sollen, aber worauf fokussiert ihr euch, wenn ihr an das Thema Nachhaltigkeit denkt in Kooperation mit euren Vereinen?

Dr. Holger Blask:
Die Frage ist so global, ich könnte jetzt natürlich auch eine Stunde was dazu sagen. Das Schöne ist, gerade bei der Anmoderation sind mir ein paar Sachen direkt aufgefallen. Die Rhein-Neckar-Löwen sind über ihre Titel vorgestellt worden und ich über das, was mich sehr freut, über die Breitenwirkung, sieben Millionen Mitglieder, vierundzwanzigeinhalbtausend Vereine et cetera.

Man hätte uns ja auch vorstellen können mit vier Weltmeistertiteln, zwei bei den Frauen und drei bei den Männern. Also da kommen wir genau an den Punkt, deswegen mache ich das Beispiel, weil wir natürlich komplett unterschiedliche Zugriffsebenen haben. Wir haben diese eigenen Mannschaften, also die Auswahlmannschaften, übrigens in jedem Alter, von der U15 bis zu den A-Nationalmannschaften, Männer und Frauen. Wir haben Wettbewerbe wie den DFB-Pokal, wo die TSG Hoffenheim beispielsweise als Teilnehmer dabei ist oder die anderen Bundesligisten natürlich auch. Ursprünglich haben wir die Bundesliga und die Zweite Liga gemacht, die ja jetzt an die DFL entsprechend verpachtet sind.

Jenseits dieser Ebene haben wir natürlich die mittelbare Wirkung auf Landes und Regionalverbände, die wiederum die Spielklassen in ihrer eigenen Regie durchführen, aber natürlich nichtsdestotrotz über finanzielle, strukturelle Förderung und auch über den Satzungszweck von uns in der Spitze im Dachverband gebündelt sind.

Wenn man da anfängt, ganz ohne juristisches Seminar, dann haben wir schon in Paragraph 4 unserer Satzung die Nachhaltigkeitskriterien verankert. Nicht jetzt auf der Ebene der SDGs, sondern einfach, weil das aus der Herleitung des Sports als solches kommt. Also Bewegung, die ganzen Gesundheitsthemen sowieso, aber tatsächlich auch ein nachhaltiger Umgang mit Ressourcen ist dort schon implementiert.

Dann musst du das natürlich über die unterschiedlichsten Wege weiterführen. Bei einer Dritten Liga machen wir Zulassungsverfahren. Wir kennen alle die Lizenzverfahren für die Bundesliga. Hoffenheim hat da keine Probleme, mein Club, der 1. FC Köln, strauchelt da vielleicht an der einen oder anderen Stelle in solchen Diskussionen schon mal eher. Das haben wir natürlich für eine Frauen-Bundesliga oder eine Dritte Liga auch. Das heißt, da haben wir mittlerweile auch an Nachhaltigkeitskriterien orientierte Zulassungskriterien. Da sind wir beim Profifußball.

Bei den anderen Bereichen ist es eher so, wie wir es eben gehört haben, über den motivatorischen Faktor, dass man den Verbänden und Clubs klar macht, welche Ressourcen sie heben können, wenn sie Dinge anders angehen. Die Ressource Geld ist überall relativ knapp. Wenn man darüber Effizienz gewinnt, hilft das natürlich auch indirekt sehr. Das ist, denke ich, der Zugriffsfaktor, um den es gerade geht.

Reza Mehman:
Wenn wir so ein Microzooming machen zu dir, Jennifer, mit den Rhein-Neckar-Löwen. Ihr habt ja auch ganz konkrete Themen, die ihr angeht. Ich glaube, Müllvermeidung ist ein ganz großes Thema bei euch. Kannst du uns da ein paar Beispiele geben? Du hast mir nämlich erzählt, ihr habt eine Sache weggelassen. Ich glaube, das waren diese Fingerhändchen, genau, diese Pappen.

Jennifer Kettemann:
Ja, also erst mal ein paar Worte dazu. Bei uns ist das Thema eher ganz unkonventionell angegangen worden. Wir sind ein sehr kleines Team in der Geschäftsstelle, gerade mal 15 Mitarbeiter. Das bedeutet ganz andere Dimensionen als im Fußball. Wir müssen ganz genau gucken, welche Themen wir angehen und welche wir einfach nicht beackern können.

Bei uns kam das Thema Nachhaltigkeit so richtig von innen heraus. Also so vor vier oder fünf Jahren, ich sage immer, da sind ein paar Ökos bei uns in der Geschäftsstelle, aber liebevoll gemeint, wurden ganz viele Dinge hinterfragt und kritisch hinterfragt. Die Mitarbeiter sind auf mich zugekommen und wir haben nicht erst mit einer ganz großen Strategie oder einer berechneten CO2-Bilanz angefangen. Die haben wir, muss ich gestehen, bis heute noch nicht berechnet, weil wir eher die Themen angegangen sind, die auf der Hand lagen. Also die, die wirklich offensichtlich waren, wo wir gesehen haben: Okay, da ist ein Hebel und das können wir beeinflussen, also machen wir das jetzt einfach. Ärmel hochkrempeln und schaffen.

Erst danach ist die richtige Strategie entstanden, in der wir runtergeschrieben haben, was wir machen wollen und wo wir hinwollen. Eines der ersten Themen waren die Klatschpappen. Ich weiß nicht, ob Sie das kennen, in der Halle beim Handball hat jeder Verein diese faltbaren Klatschpappen mit Werbung drauf. In unserem Fall war die SAP mit Werbung drauf und damit wird Stimmung in der Halle gemacht.

Insbesondere nach Corona, wo wir mit Geisterspielen sehr schwierige Erfahrungen gemacht haben, haben wir aber gesagt: Selbst wenn jetzt nur tausend Zuschauer in der Halle sind, ist das immer noch besser als ein Geisterspiel. Wir nutzen jetzt diese Chance und lassen diese Klatschpappen weg, weil die eine bestimmte Beschichtung haben müssen, eine B1-Beschichtung, schwer entflammbar in der Halle. Wir haben das mal hochgerechnet, das sind allein elf Tonnen Restmüll, die wir da produzieren. Da habe ich gesagt: Hey, es hat aber jeder seine Hände. Also wir können die Hände benutzen zum Klatschen und das funktioniert auch.

Die SAP war da sofort begeistert und hat gesagt, das passt in unsere Strategie. Aber es war nicht jeder Partner so begeistert. Es war auch in einer sportlich sehr schwierigen Phase. Wenn man so etwas macht und an der Tabellenspitze steht, dann ist im Sport sowieso alles immer toll. Aber in der Zeit war vieles sehr schwierig und dann gab es schon sehr kritische Stimmen, die gesagt haben: Oh, das ganze Heimspielerlebnis geht flöten und die Kettemann, was macht sie denn jetzt noch, und die tollen Klatschpappen, und es fehlt uns alles so.

Mittlerweile gehen wir da als Beispiel voran und sind immer noch der einzige Verein, der diese Klatschpappen nicht mehr zum Einsatz bringt. Was ich auch sagen muss: Ich kann es überhaupt nicht verstehen, dass man das in der heutigen Zeit noch macht.

Reza Mehman:
Ganz erster konkreter Schritt war das.

Jennifer Kettemann:
Genau. Es gab Gegenwind, aber ich finde, da muss man dann durch. Wenn man von etwas überzeugt ist, dann muss man es auch durchboxen.

Reza Mehman:
Tolles Beispiel. Lars, du bist ja Head of Global Sponsorships bei der SAP, das heißt, du hast eine ganz gute Übersicht, was ihr alles sponsert. Was mich interessiert: Habt ihr so eine Art Checkliste, wo ihr euch die Vereine und die Sportstätten anschaut? Laufen die nachhaltig, wird darauf geachtet, was wird da gemacht? Wie geht ihr da vor beim Thema Sponsoring?

Lars Lamade:
Ja, fairerweise muss man sagen: eine Checkliste noch nicht. Also es ist jetzt ein wichtiges Thema geworden. Wenn wir jetzt mit einem neuen potenziellen Partner oder meistens treten die Partner ja an uns heran und sagen: Könnte die SAP nicht uns unterstützen? Dann schauen wir uns schon an, was die auch im Bereich Nachhaltigkeit machen. Aber fairerweise wäre es zu viel, wenn wir sagen würden, das ist das einzige Kriterium.

Wenn jetzt ein Partner kommt und sagt, Nachhaltigkeit interessiert ihn nicht, dann wäre das wahrscheinlich ein Ausschlusskriterium. Aber es ist jetzt im Endeffekt schon eher eine Liste aus mehreren Faktoren. Es geht darum, wie bereit der Partner ist, unsere Produkte zu nutzen. Würde er auch auf Konferenzen oder auf Panels als Referenzkunde für uns auftreten? Wir hatten ja auch eine lange Partnerschaft mit dem DFB, wo das auch gelebt wurde, wo der DFB als Referenzkunde für uns zur Verfügung stand.

Dazu kommen die klassischen Marketingziele. Welchen Reach hat dieser Partner oder im Sport eben der Verein oder die Vereinigung? Ist es etwas Nationales, etwas Globales, etwas Regionales et cetera. Und da ist Nachhaltigkeit mittlerweile auch einer der Punkte, die wir durchgehen.

Da sich mittlerweile aber alle Vereine dem Thema angenommen haben, fällt es nicht mehr so stark ins Gewicht, weil sich eben alle damit beschäftigen. Wenn einer kommen würde und sagt, er macht das gar nicht, das interessiert ihn nicht, dann wäre das für uns ein No-Go. Aber da alle in ihren Bereichen etwas machen, wird eher geschaut, wie glaubwürdig das ist.

Das Beispiel mit den Klatschpappen bei den Löwen, da war ich auch am Anfang, gerade weil ich glühender Handballfan bin, und habe gedacht: Jetzt ist die ganze Stimmung kaputt. Aber im Endeffekt haben wir dann gesagt: Klar, bei elf Tonnen und wenn wir sagen, das Thema ist uns wichtig, dann können wir da auch gar nicht drüber diskutieren und sagen, wir machen das trotzdem weiter.

Es war für uns auch ein gutes Werbetool, gerade bei den Kids, weil die nach dem Spiel noch rumgegangen sind und die Klatschpappen eingesammelt haben und da war eben groß unser Logo drauf. Das war schon Employer Branding mäßig sehr gut. Aber in dem Moment, wo die Löwen gekommen sind und gesagt haben, sie würden das gerne aus diesen Gründen einstellen, haben wir sofort gesagt: Ja. Und dann haben wir geschaut, ob man etwas anderes alternativ findet.

Reza Mehman:
Sehr interessant. Jan, in unserem Vorgespräch hatten wir gesprochen, dass eine Sache bei der TSG Hoffenheim besonders interessant ist. Ich hatte immer schon den Eindruck, ihr baut super Spieler auf und verkauft die dann relativ zeitig. Das ist mir aufgefallen. Genau darüber haben wir gesprochen. Das ist tatsächlich euer Geschäftsmodell und zwar nicht negativ gemeint, sondern im positiven Sinne. Kannst du bitte darauf eingehen?

Prof. Dr. Jan Mayer:
Ja, das hört man natürlich immer auch von den Fans, wenn ganz besonders beliebte Spieler den Verein wieder verlassen. Ich hole ein bisschen aus, weil man das manchmal vergisst. Hoffenheim ist ein Dorf mit 3227 Einwohnern, das ändert sich täglich. Und es ist an sich schon völlig verrückt, dass dieses Projekt jetzt 15 Jahre lang funktioniert, also Erste Bundesliga. Es wäre ja auch denkbar gewesen: einmal hoch mit einer Investition und dann sofort wieder runter. Aber das funktioniert.

Eigentlich müsste man sich, wenn man nur einmal rational drüber nachdenkt, sagen: Das geht doch eigentlich gar nicht. Also wenn wir uns jetzt hier vier Manager vorstellen und einer kommt auf die grandiose Idee: Komm, wir machen ein Dorf zum Bundesligaclub. Wenn du zweimal um die Ecke denkst, sagst du sofort: Und wie kriegen wir das Stadion voll? Stuttgart zum Beispiel hat 600000 Einwohner. Wenn die zehn Prozent derjenigen ins Stadion bekommen, die sich als Stuttgarter angesprochen fühlen, ist die Hütte voll. Wenn wir hundert Prozent der Hoffenheimer mobilisieren, haben wir nicht mal einen halben Block voll.

Und es geht auch nicht so, dass du sagst, du nimmst halt den Nachbarort. Zuzenhausen, da ist das Trainingszentrum, das war früher im Kraichgau das Riesenduell, das Derby. Da kamen die Hoffenheimer zu den Grünen aus Zuzenhausen. Da hieß es: Die blaue Horde kommt. Die gehen nicht ins Stadion und schreien für die Hoffenheimer, das sitzt noch tief drin.

Insofern denkst du: Okay, dann machen wir es eben anders. Dann machen wir es über Merch, also Trikots verkaufen. Aber wir verkaufen weltweit so viele Trikots wie München in einem Stadtteil. Also auch das funktioniert nicht. Reichweite, Sponsoring, auch das ist nicht der Hebel. Die Sponsoren kommen wegen etwas anderem, nicht wegen der Reichweite, würde ich sagen.

Und insofern kannst du dir das bald aussuchen. Das Kernkonzept ist eben Potentialentfaltung. Das heißt, Menschen aufbauen und sie zu dem entwickeln, was maximal möglich ist. Bei manchen reicht es eben dazu, dass sie Profispieler werden und dann Transfererlöse erwirtschaften. Und das ist das Einzige, was funktioniert. Deswegen ist das Modell auch nachhaltig, weil du auf deine Ressourcen achten musst. Dir kann es nicht egal sein, ob du ein Talent verlierst oder nicht. Und dann ist das wieder der Treiber, neue Dinge anzustoßen und innovativ zu sein.

Da kommt dann ein Trainer und sagt zu mir: Der Spieler ist zu langsam im Kopf. In einer normalen Bundesliga würde man sagen: Dann geht er halt weg, können wir nicht brauchen, es gibt genug andere. Nee, dann musst du überlegen: Wie kriegst du den denn schneller im Kopf? Dann entwickelst du plötzlich Möglichkeiten.

Wir haben dann angefangen, Computerspiele zu spielen, weil es Untersuchungen bei Patienten mit Demenz gibt, dass solche Spiele die Demenz verlangsamen. Vielleicht können sie bei jungen Menschen auch die Geschwindigkeit im Kopf beschleunigen. Also alle Eltern, deren Kinder in meinem Alter jetzt 15 sind und ohne Ende zocken, das ist nicht nur schlecht, das macht schnell im Kopf.

Also du machst innovative Methoden, innovative Ansätze, um Ressourcen zum Wachsen zu bringen. Dann ist es, wir nennen es manchmal Waldwirtschaft, und dann wird es besonders nachhaltig. In der Waldwirtschaft rodest du auch nicht den ganzen Wald weg, sondern du schaust: Welche Bäume sind Zukunftsbäume? Im Wald sind die markiert. Wenn ein Punkt drauf ist, dann heißt das: stehen lassen, den brauchen wir noch. Und dann gibt es die mit dem Strich, die können gefällt und verkauft werden. Also so, dass das ganze Klima immer passt und sich Junge wieder schön entwickeln können.

Das ist das, was die TSG Hoffenheim seit 15 Jahren macht. Dann spricht sich so etwas rum und dann passiert etwas Außergewöhnliches. Ein Talent hat ein Angebot von Dortmund, Stuttgart, München und Hoffenheim. Und was macht es? Es geht nach Hoffenheim. Da fragst du dich nur: Das kann doch gar nicht sein. Aber es ist dieser Proof of Concept, dass wir entsprechende Methoden haben, dass das attraktiv ist, obwohl du als Standort, wenn ich mal Kino, Disco und alles andere nehme, gar nichts hast. Wir haben nur ein funktionierendes Konzept und das ist unser Erfolgsmodell.

Vielleicht abschließend: Natürlich hat das etwas mit einer gewissen Haltung zu tun, dass du ressourcenorientiert vorgehst, dass du schaust, dass sich die Talente entwickeln und was jeder Einzelne braucht. Das machen wir sehr datengestützt und individualisiert. Wenn du bei allen das Gleiche machst, ist das wie Schule und da wissen wir bekannterweise, dass das nicht funktioniert.

Insofern gucken wir, dass jeder Einzelne sich so entwickeln kann, dass er wirklich zu seiner Potentialentfaltung kommt. Das ist letztlich etwas, was wichtig ist, dass du so eine Haltung im gesamten Club hast: Wir müssen auf uns aufpassen. Wenn die Haltung stimmt, resultiert entsprechendes Verhalten. Das hat dann nicht nur etwas mit mehr Talenten zu tun, sondern auch damit, wie du mit der Umwelt umgehst, dass wir seit neun Jahren ein Inklusionsturnier haben, weil uns das wichtig ist, wie wir mit Müll umgehen, dass wir ein zertifiziertes Zero-Waste-Stadion haben und so weiter und so fort.

Aber jetzt habe ich, glaube ich, zu lang geredet.

Reza Mehman:
Alles klar, alles gut, super interessant. Ich würde auch direkt weitermachen, weil die Zeit ein bisschen drückt. Holger, bei euch das soziale Thema, also ich denke jetzt an Integration oder Equal Pay, Gleichstellung der Geschlechter. Inwieweit nimmt da der DFB Fokus drauf, was macht ihr da?

Dr. Holger Blask:
Vielleicht gehe ich auch noch mal einen Schritt zurück. Wir haben es ja eben ganz allgemein hergeleitet. Du hast eben, fand ich bemerkenswert, gesagt: Wie ist denn das mit dem Thema Nachhaltigkeit? Bis 2008 habe ich das an der Uni nicht so ganz wahrgenommen. Ich war Anfang der Zweitausender mal bei der UNO in New York, da war immer Sustainability ein Thema, aber keiner wusste so genau, wie das verknüpft ist. Und jetzt gibt es diese 17 Ziele im UN-Kanon und das ist natürlich ganz wesentlich in der Nachhaltigkeitsstrategie, auch bei uns beim DFB.

Bei uns war das tatsächlich auch ein Learning by Doing Ansatz. 2011 hat man eine Kommission für Nachhaltigkeit gegründet und eine Stelle für gesellschaftliche Verantwortung beim DFB geschaffen. Ich selbst bin, offen gestanden, erst seit 2020 da, aber ich habe mich natürlich vorher aufgeschlaut.

Jetzt haben wir das Nachhaltigkeitskonzept entsprechend weiterentwickelt. Und natürlich, das ist ja das Schöne, das ist ein Wettstreit der Ideen. Die Mitarbeiter fordern es ein, Fans fordern es ein, aus den verschiedensten Ebenen kommt es. Im Dialog mit Sponsoren wird entwickelt, was man macht. Ein anderer großer Partner von uns, VW, macht ihre Drive to Zero Kampagnen mit uns et cetera. Das kommt aus allen Bereichen und auf den verschiedensten Ebenen an.

Wofür stehst du erst mal als Sportverband? Logischerweise im Kern erst mal für alle Themen, die mit Gesundheit und Bewegung zu tun haben. Und wenn wir in die 17 SDGs gucken, dann finden wir relativ schnell einiges wieder, wo wir einen Haken dran bekommen, weil wir eine Vorbildwirkung über die Idole haben. Aber wir haben es eben gesagt: sieben Millionen Menschen bewegen sich, indem sie Woche für Woche Fußball spielen gehen. Das hat natürlich immense positive Auswirkungen, die man dann auch errechnen kann, etwa für die Gesundheitsförderung im Land.

Dabei bleiben wir aber natürlich nicht stehen. Der andere Punkt ist: Was macht Fußball sonst? Er bringt Menschen zusammen, egal auf welcher Ebene. Entweder weil ich Mittwochabend zusammen spiele oder weil ich das Spiel bei mir im Dorf und eben nicht wie in Hoffenheim erlebe, weil ich es da organisiere und mich da treffe, weil es ein zentraler Punkt für sozialen Austausch ist. Oder aber auch, wenn ich Spitzensport gucken gehe. Es ist ein interaktives Gemeinschaftserlebnis. Auch das finden wir in vielen SDGs wieder, denen wir uns natürlich widmen, weil wir dafür originär verantwortlich sind.

Nichtsdestotrotz können wir danach natürlich nicht stehen bleiben, sondern beschäftigen uns auch mit unserem CO2-Abdruck und solchen Themen. Da muss man ganz ehrlich sein: Wir spielen nicht Fußball, um die Umwelt zu schonen. Sondern wir versuchen, so ressourceneffizient wie möglich Fußball umzusetzen, sowohl an der Basis als auch im Spitzensport, und trotzdem so wenig wie möglich Ressourcen und Energie zu verbrauchen beziehungsweise den CO2-Abdruck klein zu halten.

Ein aktuelles Beispiel ist die Europameisterschaft 2024 in Deutschland. Das ist ein ganz wesentlicher Faktor zwischen uns, der UEFA und den Partnern. Ich kann schon mal die gute Nachricht mitgeben: Ein riesiger Faktor bei Großturnieren sind die Sportstätten und alle Stadien für diese Europameisterschaft stehen längst, die sind im Regelspielbetrieb, was natürlich daran liegt, dass wir 2006 schon Gastgeber waren und vieles vorhanden ist. Da haben wir einen riesigen Vorteil.

Bei allem, was wir jetzt durchrechnen, ist die größte Herausforderung tatsächlich der Reiseweg, nämlich sowohl von den internationalen als auch von den nationalen Fans. Jetzt kommen wir zu dem Punkt: Jeder von uns, der da hinfährt, kann das ein Stück weit mitsteuern. Wenn ich mit der Bahn komme, ist das etwas anderes, als wenn ich mit dem Flieger hinfliege. Trotzdem muss man da natürlich auch einwirken und mit naheliegenden Unternehmen Partnerschaften diskutieren et cetera.

Insofern ist dieser Umweltaspekt immer mitgedacht. Aber man muss noch mal sagen: Es ist nicht so, dass wir loslaufen, um die Umwelt zu schützen und deswegen Fußball spielen, sondern umgekehrt.

Dann haben wir last but not least noch die ganze Komponente Governance, weil Fußball im weitesten Sinne auch als Wertevermittlungssystem dient. Natürlich müssen Governance-Themen entsprechend gut implementiert werden. Ich weiß, der DFB hat da in den letzten Jahren nicht immer Platz eins belegt, aber natürlich müssen diese Themen von der neuen DFB-Führung, das neue Präsidium ist vor etwa einem Jahr gewählt worden, ernst gelebt werden.

Insofern ticken wir eine ganze Menge der Boxen von den 17 Zielen. Das ist auch wichtig. Das soll im positiven Sinne ein Wettstreit sein, dass man möglichst viele Boxen tickt. Aber man sollte sich nicht auf die Schulter klopfen. Man muss demütig bleiben. Denn es geht nicht darum, Boxen zu ticken, sondern die Gesellschaft ganzheitlich zu verändern, weil es am Ende um uns geht. Wir machen das nicht aus Selbstzweck und das ist auch keine Spielshow, sondern es geht darum, die Welt lebenswert und lebensmöglich zu halten. Das ist der große Kreis, der sich da auf allen vier Dimensionen ergibt.

Reza Mehman:
Sehr interessant. Jennifer, bei euch mit euren Mitteln und Ressourcen, die ihr habt, was sind so die Kernprojekte, die ihr in Zukunft forcieren wollt?

Jennifer Kettemann:
Ganz unterschiedlich. Wir sind schon viele größere Themen angegangen, also für unsere Verhältnisse größere Themen. Wir haben in der Trainingshalle eine neue LED-Beleuchtung. Wir haben keine Plastikflaschen mehr im sportlichen Bereich, sondern Wasserspender. Jeder Spieler hat seine eigene Flasche mit seinem Namen drauf.

Das sind für uns schon wichtige Schritte. Auch die Reisen waren für uns ein großes Thema. Irgendwie hat es im Sport etwas mit Prestige zu tun, dass man zu größeren Auswärtsspielen fliegt, also nach Berlin, Kiel oder Flensburg. Am besten noch mit einem Charter und nicht mit einem Linienflug. Wir machen mittlerweile fast alle Reisen mit der Bahn. Wir haben da eine Kooperation geschlossen und konnten jetzt auch das sportliche Team davon überzeugen, dass Verbindungen wie Mannheim Berlin oder Mannheim Hamburg sinnvoll sind.

In der ersten Klasse haben sie ihr eigenes Abteil und können sich da bewegen. Das macht auch sportwissenschaftlich Sinn. Das sind für uns kleine Schritte, aber im Endeffekt gucken wir eben, wie ich vorhin gesagt habe, mit gesundem Menschenverstand. Uns ist klar, dass wir auch nicht mit dem Fahrrad zum Auswärtsspiel fahren werden. Wir müssen immer schauen: Was können wir beeinflussen?

Mit der SAP Arena und dem SNP Dome hier in Heidelberg haben wir sehr moderne Spielstätten, zum Glück. Deswegen sind wir da gut aufgestellt. Was wir auch viel machen, das ist für uns in den letzten Jahren immer ein wichtiges Thema gewesen, ist der soziale Aspekt. Also wir haben mindestens einen Tag der Vielfalt. Vor zwei oder drei Jahren war ja das Thema Rassismus ein größeres Thema. Da haben wir uns aufgestellt, haben ein Sondertrikot gemacht und dann sind die Spieler und die gegnerische Mannschaft so eingelaufen, dass nur die Deutschen auf dem Spielfeld standen.

Dann haben wir eine Ansage gemacht und gesagt: Was wäre unser Sport, wenn wir uns auf die Deutschen beschränken? Wir sind bunt, wir sind vielfältig, das ist in unserer DNA. Mit solchen Dingen finde ich, dass man als Sportverein, also ich würde nie parteipolitische Themen ansprechen, aber gesellschaftspolitische Themen finde ich, dass es unsere Verantwortung ist, solche Themen anzusprechen, weil man als Sportverein einfach auch viel Gehör findet. Die Fans hören zu und hören gerne zu. Das sind Vorbilder da auf der Platte und darauf sind wir stolz, dass wir eine Mannschaft haben, die diese Werte auch vorlebt.

Reza Mehman:
Sehr schöne Beispiele. Lars, aus Sponsoringperspektive: Hast du ein paar konkrete Fälle bei euren Vereinen oder Sportlern, die ihr sponsert, wo du sagst, das ist ein Leuchtturmprojekt für uns, was das Thema Nachhaltigkeit anbelangt?

Lars Lamade:
Ja, wie gesagt, wir machen viele Projekte. Aber eines, das sich vielleicht als Beispiel hier am besten eignet: Wir haben vor Jahren, weil wir unheimlich viel im Sport unterwegs waren, überlegt, was wir noch machen könnten. Wir sind eine globale Organisation, Sport ist aber oft doch regional. Wenn wir Bayern München Sponsoring oder Hoffenheim Sponsoring machen, dann erstreckt sich das doch schon sehr auf die Region oder zumindest auf das Land.

Da ich sehr musikinteressiert bin und auch gerne auf Konzerte gehe, war ich mal auf einem Metallica-Konzert und habe gesehen, dass unser Konkurrent Salesforce die Metallica-Tour gesponsert hat. Da habe ich gesagt: Mensch, so eine Tournee, das wäre eigentlich auch etwas für uns, weil das ein globales Event ist, das in alle westlichen Industrieländer geht, von Japan bis Westküste USA. Eigentlich wird da alles abgedeckt.

Dann haben wir uns mit Coldplay in Verbindung gesetzt. Coldplay ist da auch eine sehr spezielle Band, die alles selbst entscheidet und nur das macht, wo sie selbst dahintersteht. Die hatten uns schon gekannt, weil sie mal auf einer Veranstaltung von uns gespielt haben, aber trotzdem waren die Gespräche sehr besonders. Normalerweise sprechen wir mit dem Management einer Sportorganisation und nicht mit Thomas Müller oder Robert Lewandowski, sondern eben mit dem Management. Bei Coldplay entscheiden die alles selbst und unterschreiben die Verträge selbst. Wenn die im Urlaub sind, dann passiert da halt vier Wochen gar nichts.

Die Gespräche haben sich also gezogen und dann haben sie angekündigt, dass sie erst wieder eine Welttournee machen wollen, wenn sie diese möglichst nachhaltig machen können. Das war dann der Trigger, wo wir ins Rennen gekommen sind. Wir haben gefragt: Was bedeutet das denn bei euch?

Jetzt denkt jeder: Na ja, die Band reist auch im Privatjet. Fairerweise muss man das sagen. Da hatten sie, glaube ich, auch richtig Bammel, ob ihnen das nicht auf die Füße fällt. Aber sie haben sich dann damit auseinandergesetzt, wo bei so einer Welttournee eigentlich der CO2-Abdruck entsteht. Das waren nicht die dreißig Trucks, die durch die Lande ziehen, sondern im Endeffekt die fünfzigtausend Fans, die anreisen.

Da der Ticketverkauf aber exklusiv über eine Ticketingfirma, in dem Fall Ticketmaster, läuft und diese Daten nicht an Coldplay gibt, weiß die Band im Endeffekt gar nicht: Hat jemand einen Anreiseweg von fünf Kilometern und kommt mit der U-Bahn zum Stadion oder reist er aus Hamburg oder sogar aus Finnland an?

Da kam dann unsere Idee: Wir machen eine App für euch und ihr bewerbt die App. In der App können die Fans eintragen, wie sie zum Konzert anreisen, sodass die Band ein Gefühl dafür bekommt, woher die Fans anreisen und welcher CO2-Fußabdruck dadurch entsteht.

Das war dann der Trigger, bei dem die Band gesagt hat: Okay, SAP, das klingt gut, das sind nachhaltige Ziele. Damit war das dann eine runde Story für uns. Das ist vielleicht das Beispiel, das bei uns im Moment am aktuellsten ist, weil Nachhaltigkeit da wirklich der Trigger war. In dem Fall gingen nämlich wir auf sie zu. Meistens kommen die Sportvereine auf uns zu und fragen, ob wir partnern wollen. Hier war es umgekehrt und sie haben sich dann aufgrund dieses Punkts Nachhaltigkeit dafür entschieden, mit uns zu arbeiten.

Reza Mehman:
Ja, tolles datengestütztes Beispiel. Wir kommen auch schon zur letzten Frage an Jan, bevor wir in die Pause gehen. Jan, ich weiß, dass du an sich in dem Thema Nachhaltigkeit tief drin bist. Wohin entwickelt ihr euch mit der TSG Hoffenheim? Was ist deine Vision für die Zukunft in diesem Bereich?

Prof. Dr. Jan Mayer:
Ja gut, wie gesagt, wir haben schon so eine Haltung dazu, ganz allgemein. Ein großer Move war sicherlich die Lizensierung durch die DFL, in der Nachhaltigkeitskriterien eingefordert wurden. Das suggeriert allerdings, wenn wir das erfüllt haben, dann ist auch gut. Es wurde dann auch vom sogenannten Marathon gesprochen und jeder Halbmarathon oder Marathon ist irgendwann mal zu Ende. Dann denkst du: Jetzt hat es sich erledigt. Ich glaube aber nicht, dass das das richtige Bild ist.

Deswegen ist das mit den Auflagen so eine Sache. Ich glaube, du musst dir selber sportliche Ziele setzen und dich selbst an die Nase packen und sagen: Ich will nicht nur etwas tun, was andere mir sagen, sondern ich will selber Vorreiter sein, um interessant zu sein für unsere jungen Menschen, für unsere Spieler, für unsere Trainer, für unsere Partner, unsere Sponsoren und für die Leute, die Hoffenheim schauen.

Da haben wir jetzt einen Move gemacht, der uns selber deutlich fordert. Wir waren anlässlich der Weltklimakonferenz in Sharm El Sheikh und haben uns der Kampagne Race to Zero angeschlossen. Das ist so, wie wenn du auf einen Halbmarathon trainierst und sagst: Ich will diese Zeit schaffen. Dann drückt das immer und du musst natürlich bis 2030 deinen Fußabdruck auf die Hälfte reduziert haben. Dann guckst du halt hin und hast dich selbst verpflichtet. Das ist eine intrinsische Motivation. Du willst das erreichen und nicht nur eine extrinsische Auflage abarbeiten nach dem Motto: Häkchen dran und jetzt müssen wir uns nicht weiter kümmern.

Ich glaube, so einen Ansatz zu wählen, dass ich als Firma oder Unternehmen selber sage, ich gehe voran und setze mir ein Ziel, kann dann wieder Auswirkungen haben auf andere, die dich anschauen. Mittlerweile sind es drei Bundesligisten, die Race to Zero machen und hoffentlich werden es noch mehr. Ganz viele Unternehmen und Fans schauen da drauf und das könnte natürlich inspirieren, mitzumachen und es nachzumachen.

Reza Mehman:
Ja, toll, dass ihr bei diesem Race to Zero mit dabei seid.

Prof. Dr. Jan Mayer:
Da mal hinzufahren auf diese Konferenz, wo alle Länder der Welt vertreten sind und ein gemeinsames Anliegen haben, das ist schon Gänsehaut.

Reza Mehman:
Mit Blick auf die Zeit danke ich euch vielmals für eure Zeit. Es war super inspirierend für mich, ich habe da einiges mitgenommen und ich hoffe, wir hören und sehen uns bald wieder. Vielen Dank.

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