Dinner im Schloss 2022
Deutschland zwischen Nachhaltigkeit, Technologie und globalem Wettbewerb
Einleitung
Beim Dinner im Schloss diskutiert Reza Mehman mit hochkarätigen Gästen über zentrale Zukunftsfragen: Wie steht Deutschland im internationalen Vergleich bei Nachhaltigkeit, Technologie und Innovation da? Welche Rolle spielen Städte, Unternehmen und Start-ups bei der Transformation unserer Wirtschaft? Das Gespräch verbindet Perspektiven aus Politik, Wirtschaft, Technologie und Wissenschaft und zeigt, welche Chancen und Herausforderungen Deutschland im globalen Wettbewerb hat.
Zusammenfassung
Deutschland steht vor großen Herausforderungen im globalen Wettbewerb um Innovation und Nachhaltigkeit. Städte wie Heidelberg spielen eine wichtige Rolle bei der Umsetzung klimaneutraler Strategien. Unternehmen und Start-ups müssen stärker in nachhaltige Geschäftsmodelle investieren. Gleichzeitig zeigt sich, dass Deutschland zwar über starke Forschung verfügt, aber den Transfer in marktfähige Innovationen verbessern muss. Trotz aller Herausforderungen bleibt die stabile Demokratie ein wichtiger Standortvorteil.
Panel Teilnehmer
Olga Mordvinova
Founder und Geschäftsführerin von INCTEC
Anahita Thoms
Partnerin bei Baker McKenzie und Mitglied im Sustainable Finance Beirat der Bundesregierung
Christian Wiens
Founder und CEO des InsurTech-Unternehmens Getsafe
Prof. Dr. Eckart Würzner
Oberbürgermeister der Stadt Heidelberg
Cawa Younosi
Personalmanager bei SAP
Reza Mehman
Founder und Host von Dinner im Schloss
Kontext
Wer spricht
Führende Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Technologie und Start-up-Szene.
Worum geht es
Um die Zukunft Deutschlands im Spannungsfeld zwischen Nachhaltigkeit, technologischer Innovation und globalem Wettbewerb.
Warum ist das relevant
Diese Themen entscheiden darüber, wie wirtschaftlich erfolgreich und gesellschaftlich stabil Deutschland in den kommenden Jahrzehnten bleibt.
Themen-Cluster / Einordnung
Nachhaltigkeit und Klimapolitik
Das Panel diskutiert, wie Städte, Unternehmen und Staaten den Übergang zu klimaneutralen Strukturen gestalten können.
Technologie und künstliche Intelligenz
KI wird als Schlüsseltechnologie gesehen, um Effizienz zu steigern, Innovationen zu ermöglichen und nachhaltige Lösungen zu entwickeln.
Wirtschaft und globale Wettbewerbsfähigkeit
Deutschland steht im Wettbewerb mit Innovationszentren weltweit und muss seine Stärken gezielt nutzen.
Innovation und Start-up-Kultur
Der Transfer von Forschung in wirtschaftliche Anwendungen wird als zentrale Herausforderung für Deutschland gesehen.
Demokratie und gesellschaftliche Stabilität
Die Diskussion zeigt, dass wirtschaftlicher Fortschritt immer auch mit sozialen und politischen Rahmenbedingungen verbunden ist.
Inhaltsverzeichnis
- Einführung: Deutschlands Position in einer Welt im Wandel
- Klimaneutralität und die Rolle von Städten
- Nachhaltigkeit aus Unternehmensperspektive
- ESG, Regulierung und globale Lieferketten
- Nachhaltigkeit in großen Konzernen und Start-ups
- Künstliche Intelligenz als Hebel für Nachhaltigkeit
- Deutschlands Rolle im globalen Technologie-Wettbewerb
- Start-ups, Innovation und Bürokratie
- Städte als Innovationszentren der Zukunft
- Werte, Demokratie und globaler Kontext
- Fazit
Kern-Aussagen
- Städte spielen eine zentrale Rolle bei der Umsetzung von Klimaneutralität.
- Deutsche Unternehmen müssen Nachhaltigkeit stärker in ihre Geschäftsmodelle integrieren.
- Nachhaltigkeit wird zunehmend ein entscheidender Faktor im Wettbewerb um Talente.
- Deutschland ist stark in der Grundlagenforschung, hat aber Defizite bei der Umsetzung in marktfähige Produkte.
- Datenschutz und ethische Standards können langfristig ein Wettbewerbsvorteil für Europa sein.
- Innovationsökosysteme entstehen dort, wo Forschung, Unternehmen und Kapital zusammenkommen.
- Nachhaltigkeit umfasst mehr als nur Umweltfragen und beinhaltet auch soziale Verantwortung.
- Städte können Innovationen schneller umsetzen als nationale Regierungen.
- Deutschland verfügt über starke industrielle Grundlagen, die mit neuen Technologien kombiniert werden müssen.
- Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Stabilität sind zentrale Standortvorteile.
Fragen & Antworten
Frage: Was bedeutet Klimaneutralität für eine Stadt wie Heidelberg?
Antwort: Klimaneutralität bedeutet vor allem den Umbau der Energieversorgung, insbesondere die Abkehr von fossilen Energieträgern hin zu erneuerbaren Energiequellen und effizienteren Systemen wie Wärmepumpen oder Fernwärme.
Frage: Wie weit sind deutsche Unternehmen beim Thema Nachhaltigkeit?
Antwort: Viele Unternehmen haben das Thema erkannt, doch insgesamt wird aus Sicht von Experten noch nicht genug getan.
Frage: Welche Rolle spielen Gesetze bei nachhaltigem Wirtschaften?
Antwort: Regulierung kann notwendig sein, wenn freiwillige Maßnahmen nicht ausreichen, etwa bei Lieferketten oder ESG-Standards.
Frage: Wie wichtig ist Nachhaltigkeit für Arbeitnehmer heute?
Antwort: Für viele Arbeitnehmer ist Nachhaltigkeit mittlerweile ein entscheidender Faktor bei der Wahl ihres Arbeitgebers.
Frage: Welche Rolle kann Künstliche Intelligenz bei Nachhaltigkeit spielen?
Antwort: KI kann helfen, Energie zu sparen, Prozesse zu optimieren und Ressourcen effizienter einzusetzen.
Frage: Wo steht Deutschland im globalen KI-Wettbewerb?
Antwort: Deutschland ist stark in Forschung und Grundlagen, hat aber teilweise Schwierigkeiten beim Transfer in marktfähige Anwendungen.
Frage: Warum sind Städte wichtige Innovationszentren?
Antwort: Städte vereinen Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Talente und können Innovationen schneller umsetzen.
Frage: Warum ist der Transfer von Forschung in die Wirtschaft so wichtig?
Antwort: Ohne Umsetzung bleiben wissenschaftliche Erkenntnisse wirkungslos und schaffen keine wirtschaftliche Wertschöpfung.
Zitierfähige Passagen
Deutschland steht vor einer doppelten Herausforderung: Es muss seine wirtschaftliche Stärke erhalten und gleichzeitig den Übergang zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise schaffen. Dabei spielen Städte, Unternehmen und Innovationen eine entscheidende Rolle. Entscheidend wird sein, wie gut es gelingt, Forschung, Unternehmertum und gesellschaftliche Verantwortung miteinander zu verbinden. Gleichzeitig bleibt die Stabilität demokratischer Strukturen ein zentraler Standortvorteil.
Highlight-Zitate
„Wir versuchen durch die Umstellung von fossilen Energieträgern auf erneuerbare Energieträger viel zu machen.“
„Unternehmen machen noch nicht genug, wenn man es aus der Unternehmensperspektive betrachtet.“
„Ich glaube im Moment ist nichts ohne Sustainability-Bezug denkbar.“
„Uns fehlt es nicht an Grundlagenforschung oder smarten Köpfen, uns fehlt es an dem Packaging dahinter.“
„Wenn wir überall allein in Europa diese Best Cases nutzen würden und das in ein Regulativ übertragen, dann gibt es natürlich auch Chancen für andere Regionen.“
„Wir wollen Menschen ihre Leben schützen und wenn wir etwas Gutes tun, dann tun wir das immer in unserem Kontext.“
„Ich finde, wir müssen einfach schauen, dass wir das stabil halten.“
Deutschland zwischen Nachhaltigkeit, Technologie und globalem Wettbewerb
Reza Mehman
Hi zusammen und herzlich willkommen zu einem Project Mindset Special.
Ich muss schon sagen, wir leben aktuell in sehr herausfordernden Zeiten. Wir haben gemerkt, dass Krisen und Konflikte weltweit natürlich auch bei uns Implikationen haben, wie wir hier unseren Wohlstand weiter vermehren können oder ob wir sogar stagnieren mit unserem Wohlstand.
Ich möchte heute mit Entscheiderinnen und Entscheidern sprechen, wo wir eigentlich als Deutsche im internationalen Vergleich stehen, gerade bei so Themen wie Nachhaltigkeit oder Technologien.
Daher bin ich super happy, dass ich folgende Gäste heute mit dabei habe: Anahita Thoms, Partnerin bei der renommierten Kanzlei Baker McKenzie, Cawa Younosi, Top Personaler beim DAX Konzern SAP, Christian Wiens, Gründer und Geschäftsführer vom InsurTech Startup Getsafe, Prof. Dr. Eckart Würzner, Oberbürgermeister meiner Lieblingsstadt Heidelberg, und Olga Mordvinova, Geschäftsführerin und Gründerin von INCTEC.
Ein Riesendank geht auch an den Spitzengastronomen Martin Scharf, der unser Dinner im Schloss kulinarisch hervorragend begleitet hat.
So, starten wir nun mit der ersten Frage an Oberbürgermeister Professor Dr. Eckart Würzner. Da er auch gleichzeitig erster Stellvertreter des Deutschen Städtetages ist, hat er natürlich eine sehr gute Übersicht darüber, wie die anderen Städte zu den gerade genannten Themen stehen. Von Herrn Würzner wollte ich wissen, was es eigentlich bedeutet, wenn eine Stadt wie Heidelberg klimaneutral werden möchte. Was bedeutet klimaneutral in diesem Kontext?
Prof. Dr. Eckart Würzner
Also erstmal ist es wichtig, dass wir einfach feststellen: Die globale Klimaerwärmung schreitet schneller voran, als wir es eigentlich noch vor Jahren erwartet hätten.
Also ein sehr ernstes Thema, ein Thema, was natürlich insbesondere auch in den Industrieländern eine Riesenrolle spielen muss, denn wir sind nun mal einfach auch der Hauptemittent momentan von klimaverändernden Gasen, also CO2 als Leitkomponente.
Und wir versuchen auch durch die Umstellung vor allem der fossilen Energieträger auf erneuerbare Energieträger, auf alternative Energieträger, viel zu machen.
Kleines Beispiel: Man hatte in der Vergangenheit eigentlich schon gute Konzepte auch hier in der Region. Du hast ein Großkraftwerk gehabt, also ein Kraftwerk, was Strom produziert hat. Du hast die Abwärme nach der Turbine noch genutzt, um die heiße Luft zur Erwärmung von Wasser zu nutzen, um damit zum Beispiel die Mannheimer oder Heidelberger Innenstadt mit heißem Wasser zu versorgen.
Dadurch konntest du natürlich die ganzen alten Öl, Kohle und Gasheizungen entfernen, hattest eine wesentlich höhere Effizienz.
Und wir sind jetzt noch einen Schritt weiter gegangen und haben eigene Kraftwerke gebaut, zum Beispiel auf Basis von Holzresten, Riesenwärmepumpenanlagen. Also jetzt eine ganze Turnhalle voll von Wärmepumpen, die die Luftwärme nutzt, um damit auch wiederum warmes Wasser zu produzieren.
Und damit können wir jetzt schon 50 Prozent des gesamten Heizwärmebedarfs in Heidelberg, im Zentrum von Heidelberg, in Südstadt, in Boxberg, im Emmertsgrund versorgen.
Also sind völlig unabhängig vom russischen Gas oder Gas aus Kuwait. Wir sind also unabhängiger, das heißt resilienter und natürlich auch klimafreundlicher. Und wenn man das geschickt macht, dann kann das auch durchaus unter Kostengesichtspunkten sehr interessant sein.
Aber es ist ein riesen ambitioniertes Ziel, weil du musst natürlich viel mehr noch mitnehmen, die auch mitgehen, gerade die Unternehmen und auch die Privathaushalte, die zum Teil ja auch gar nicht die finanziellen Möglichkeiten haben, sich so schnell umzustellen. Aber das ist eine Herausforderung.
Reza Mehman
Meine zweite Frage war an Anahita Thoms. Frau Thoms ist Juristin und Partnerin bei der renommierten Kanzlei Baker McKenzie. Sie ist zudem Mitglied im Sustainable Finance Beirat der Bundesregierung und hat mit ihrem internationalen Blick ein ganz gutes Gespür dafür, wie Deutschland im globalen Vergleich aufgestellt ist.
Von Frau Thoms wollte ich wissen, wie Deutschland im Thema Nachhaltigkeit im internationalen Vergleich steht. Sind wir gut aufgestellt oder machen wir da zu wenig?
Anahita Thoms
Das eine ist, was macht Deutschland, und das andere ist, was machen die deutschen Unternehmen, und dann müssen wir das natürlich auch hochbrechen, sage ich mal, auf das Globale.
Insgesamt muss man sagen, wenn man es jetzt aus der Unternehmensperspektive betrachtet, machen die Unternehmen noch nicht genug.
Aber man muss natürlich auch sehen, dass das Bewusstsein lange Jahre entweder verdrängt worden ist, weil wir reden seit mehr als zwei Jahrzehnten über das Thema Klima.
Was man auch sagen muss, ist: Das Thema I im Bereich ESG ist ein großer Fokus mittlerweile. Das heißt, da ist die Awareness mittlerweile da, aber im Bereich S sind wir noch lange nicht dort, wo wir sein müssten.
Das heißt, da sieht man, dass beispielsweise der Nationale Aktionsplan in Deutschland gezeigt hat, wir sind noch nicht so weit, und deswegen ist man den nächsten Schritt gegangen und hat gesagt, wir müssen das bedauerlicherweise noch mehr regulieren, denn regulieren ist ja nicht immer ideal. Idealerweise macht man manches ja freiwillig, weil man davon überzeugt ist.
Im Bereich der Nachhaltigkeit in der Lieferkette hat man aber gemerkt, dass Unternehmen nicht genug machen, und dann ist der Gesetzgeber reingegangen.
Aber Sie haben es mit Sicherheit verfolgt, das war ja ein sehr kontroverses Gesetz und es ist immer noch sehr herausfordernd.
Und die andere Problematik, Sie haben es so ein bisschen angedeutet, ich habe die globale Perspektive, denn ich glaube wirklich, das eine ist, eine Vorreiterrolle einzunehmen als eine starke Exportnation. Das andere ist aber, was können wir wirklich bewirken allein in Deutschland, in Heidelberg.
Ja, wir müssen natürlich Vorbild sein, aber wir müssen vor allem unsere Stärke nutzen, um global Veränderungen zu schaffen. Denn letztlich, wenn wir über globale Lieferketten sprechen, über den globalen Klimawandel, sind das globale Lösungen, die wir finden müssen.
Reza Mehman
Wo sehen Sie aktuell die größten Schwächen, die wir hier haben?
Anahita Thoms
Also, ich weiß nicht, wer den SDG Report 2022 gelesen hat. Ich würde eher die Frage anders formulieren: Wo sind überhaupt irgendwelche Stärken, die wir haben?
Ja, also letztlich ist es so, dass der Report wirklich ernüchternd ist, sogar in den Bereichen, in denen wir jetzt eine Zeit lang wirklich Fortschritte gemacht haben, wie zum Beispiel SDG 1, also keine Armut. Oder wo wir ganz kleine Ansätze an Erfolgen gesehen haben, wie SDG 8, menschenwürdige Arbeit, sehen wir, dass natürlich durch die Krisen wir wieder Rückschritte machen.
Also bedauerlicherweise gibt es kaum Fortschritte. Es gibt ein paar Bereiche wie SDG 9, wo wir Infrastrukturen aufsetzen, oder zum Beispiel die SDGs, die sich auf Partnerschaften konzentrieren. Da würde ich sagen, machen wir Fortschritte. Das sieht man auch, das sind globale Fortschritte, aber insgesamt muss man sagen, dass die Pandemie, gefolgt vom Krieg, dazu geführt haben, dass wir vor allem Rückschritte machen.
Reza Mehman
Das ist natürlich nicht schön zu hören. Also in dem Project Mindset Podcast spreche ich natürlich gerne über das Thema Mindset und ich habe mich natürlich auch gefragt, was für ein Mindset denn bei der deutschen Bevölkerung da ist. Also sind wir da überhaupt vom Mindset und Skillset her gewappnet für die Zukunft?
Cawa Younosi vom DAX Konzern SAP ist einer der Top Personaler bei uns in der Republik. Sein Wort als Personaler hat natürlich Gewicht. Von ihm wollte ich wissen, ob Nachhaltigkeitsziele im tagtäglichen Doing der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der SAP im Fokus stehen oder ob es eher strategisch langfristige Ziele sind.
Cawa Younosi
Also beides.
Wir haben auch viel früher als Unternehmen angefangen, in das Thema Nachhaltigkeit zu investieren. Wir als Unternehmen werden auch bereits Ende nächsten Jahres komplett klimaneutral sein. Wir haben viel früher angefangen.
Ist auf der anderen Seite auch für uns einfach, wir haben keine Fabriken, wir stellen keine Autos etc. her, aber nichtsdestotrotz die Anstrengung zu unternehmen, dass wir von Grund auf denken, wie wir erst mal einwegplastikfrei werden, wo haben wir Einsparpotenzial.
Wir haben auch natürlich entsprechende Kraftwerke selbst errichten lassen, sodass es bei uns ...
Reza Mehman
Ihr habt eigene Kraftwerke.
Cawa Younosi
Ja, was im Moment auch hilft im Sinne von Einsparungen, wo wir auch unseren Beitrag als Unternehmen leisten wollen, natürlich im Winter.
Deswegen ist es bei uns in der DNA verankert. Wir haben da aber auch ein Klientel, muss man sagen, dass Mitarbeitende, die sind fast nahezu 90 Prozent plus hoch ausgebildet, haben einen Hochschulabschluss und sind natürlich entsprechend auch in Themen ganz nah dran.
Und natürlich auch produktseitig haben wir viel früher angefangen. Gerade jetzt investieren wir sehr viel in Sachen Nachhaltigkeit, um anderen Unternehmen zu helfen, weil SAP als einziger DAX Konzern in allen Industrien, bei fast allen großen Unternehmen vertreten ist.
Wir haben die Daten, wir wissen, wo die Fußabdrücke sind, und dazu helfen wir mit unserer Software oder versuchen mit unserer Software Unternehmen zu helfen, zu identifizieren, wo in der Lieferkette was produziert wird an CO2 und wie können die selber sich selbst helfen, um dort proaktiv die entsprechenden Maßnahmen einzuhalten.
Reza Mehman
Christian Wiens, Gründer und Geschäftsführer von Getsafe. Mit bisher über 115 Millionen Dollar eingesammelten Investmentkapital und über 300.000 Kunden ist Getsafe eines der größten europäischen InsurTech Startups.
Christian kennt den Arbeitsmarkt und die Kapitalmarktsituation für Startups sehr genau. Von ihm wollte ich wissen, wie ein Startup im Gegensatz zu einem großen Konzern mit dem Thema Nachhaltigkeit umgeht.
Christian Wiens
Das ist eine gute Frage. Also genau, wie du sagst, wir sind ein wachsendes Unternehmen, lange nicht so groß wie die SAP oder andere Konzerne.
Cawa Younosi
Noch nicht.
Christian Wiens
Noch nicht, genau, hoffentlich nie ganz so groß, was irgendwie den Headcount angeht.
Cawa Younosi
Die Humanities haben überhaupt auch gesagt, das Zitat von ihm, wir werden nie mehr als 30 Mitarbeiter haben, weil dann werde ich, wenn wir nicht überblicken können, mich nicht um die kümmern können.
Tja, das Ergebnis sieht man ja.
Christian Wiens
Genau, man wächst mit seinen Herausforderungen auch als Gründer und Manager. Aber letztlich ist es, glaube ich, schon noch ein bisschen eine Generationsfrage.
Also, ich hatte letztens eine spannende Analyse gesehen, dass irgendwie auch 50 Prozent des US Vermögens von US Boomern gehalten wird und irgendwie nur 4 Prozent von Millennials. Das zeigt schon so ein bisschen auch die Macht des Geldes. Wo liegt eigentlich Macht in welcher Generation?
Wir sind ein Unternehmen, was auf natürliche Art und Weise auch durch die Profile, die wir suchen, viele Entwickler, Design, Data Scientists und so weiter, auch jüngere Profile anzieht. Denen ist sowas unglaublich wichtig. Uns als Gründerteam sowieso auch.
Insofern ist für mich die Frage immer ein bisschen schwierig, weil das sind Sachen, die selbstverständlich sind.
Ja, auch wir sind allerdings als digitaler Versicherer nicht in einer Industrie, wo wir mit Logistikketten und Produktion und so weiter und so fort zu tun haben. Da gibt es ja durchaus auch im Techbereich andere Beispiele, die produzieren oder zumindest sehr, sehr viel Waren handeln und verschicken müssen und so weiter. Ich glaube, da ist es super relevant.
Was mir aber gefällt, ist, was ihr eben schon angesprochen habt, dass man einfach das ganze Thema ESG wirklich breit sehen muss. Ja, bei den drei Buchstaben und nicht nur bei dem einen, weil sonst müsste ich sagen, ja sonst kann ich ja gar keinen Beitrag leisten.
Und ich glaube, man muss als Unternehmen immer einen Beitrag leisten, aber sich nicht zwangsweise immer auf das E konzentrieren.
Letztes Mini Beispiel: Mir hat eine Mitarbeiterin vor einem Jahr gesagt, du, was machen wir denn für Nachhaltigkeit, also Umwelt hier, und das ist für mich total wichtig. Da meinte ich, also wir sind wir, wir haben eine Mission, wir wollen Menschen ihre Leben schützen, und wenn wir was Gutes tun, dann tun wir das immer in unserem Kontext, in dem, was wir gut sind.
Danach hat sie gekündigt und ist gegangen, und das war so okay für mich, weil ich dachte, wir wollen das nicht verbiegen für irgendwas, um in Richtung Greenwashing einfach was für das E zu tun, sondern tatsächlich für die Sachen, in denen wir auch stark sein können.
Reza Mehman
Mhm, verstanden, interessant.
Olga Mordvinova, Gründerin und Geschäftsführerin von INCTEC. Olga ist eine sehr versierte KI Expertin und Entwicklerin. Sie wurde von der renommierten Wirtschaftszeitung Handelsblatt zu den Top 50 Unternehmerinnen in Deutschland ausgezeichnet und ist zudem Vorstandsmitglied im Verband Deutscher Unternehmerinnen Baden.
Von ihr wollte ich wissen, wie eigentlich das Thema Künstliche Intelligenz bei Nachhaltigkeitsthemen helfen und unterstützen kann.
Olga Mordvinova
KI ist nur eine Technologie. KI ist so gut, wie der Mensch das auch anwendet oder das auch implementiert hat. Das heißt, man kann es auch dafür verwenden, auf jeden Fall, um die Nachhaltigkeit zu fördern, um Nachhaltigkeit zu unterstützen. Ob im sozialen Bereich, auch das, aber auch vor allem im Bereich der Ressourcen, Energie.
Beispiele sind Simulationen, wo komplexe Daten zusammengeführt werden, die dafür verwendet werden können, vielleicht auch um Brandbekämpfung anzugehen, wo man auch simulieren kann, was würde passieren, wenn Windrichtung oder Vegetation sich ändern würden und dadurch nicht nur CO2 sparen, dafür aber auch Menschenleben.
Wir, also unser Unternehmen in dem Bereich, wo wir unterwegs sind mit KI, sind hauptsächlich im Bereich der Optimierung. Und auch das ist Nachhaltigkeit. Wenn wir in einem produzierenden Unternehmen schaffen, Energie zu sparen, effektiver und resilienter und auch nachhaltiger zu produzieren, zum Beispiel, dass kein Ausschuss entsteht, haben wir auch unseren Beitrag mit Hilfe der KI zur Nachhaltigkeit getätigt.
Oder auch sogar in der Überwachung von Infrastrukturen, wie zum Beispiel Umspannwerke oder auch Bahngleise. Man denkt, was ist mit den Bahngleisen los? Aber jetzt ganz einfaches Beispiel: Wenn man Daten vom Zustand der Bahngleise analysiert und auch prädiktiv schauen kann, wie sich bestimmte Stellen an den Bahngleisen, an den Straßenbahngleisen entwickeln, kann man auch rechtzeitig Wartung planen.
Dadurch wird auch die Bahn, die Straßenbahn sicherer. Dadurch nutzen es mehr Menschen, dadurch nutzen wir weniger Autos und können auf diese Art indirekt auch zur Nachhaltigkeit beitragen.
Und das kann man auch mit KI machen, denn KI hat bestimmte Stärken, kann leider nicht alles, Gott sei Dank. Nämlich KI kann viele unterschiedliche Daten zusammenführen und auch viele, sage ich mal, für Menschen komplexe Aufgaben sehr gezielt lösen.
Und zum Beispiel, wenn wir ganz große Datenmengen haben, ist es für uns ab und zu jetzt nicht einfach, aber für KI relativ einfach, das zusammen zu funktionalisieren und etwas vorherzusehen, was unter Umständen ein sehr erfahrener Mitarbeiter auch für Wartung sieht, aber die meisten eben das nicht sehen. Dadurch kann man eigentlich auch vieles erreichen.
Reza Mehman
Ich glaube, da spielen die wirtschaftlichen Vorteile natürlich eine ganz große Rolle.
Olga Mordvinova
Absolut, und genau diese Vorteile, die führen auch dazu, dass der Mensch auch bereit ist, vielleicht etwas nachhaltiger zu agieren.
Reza Mehman
Ja, das ist das Komische aus meiner Sicht. Wir wissen auf der einen Seite irgendwie gefühlt, die Welt brennt gerade. Das ist so mein Eindruck, wenn ich es so direkt sagen darf. Auf der einen Seite die Welt brennt, auf der anderen Seite habe ich das Gefühl, viele Menschen nehmen das gar nicht so ernst.
Da war die Frage, die ich mir gestellt habe, ob der Gesetzgeber nicht noch viel strenger Gesetze erlassen muss, damit wir mehr auf den Trichter kommen sozusagen, dass wir was machen müssen.
Und gerade aus Ihrer Sicht würde es mich interessieren, macht der Gesetzgeber denn aus Ihrer Sicht genug? Also, wir haben ja das berühmte 1,5 Grad aus dem Pariser Abkommen. Für mich scheint es irgendwie so unerreichbar zu sein. Ich habe auch ein paar Studien dazu gelesen. Die Frage ist, muss der Gesetzgeber noch mehr machen?
Prof. Dr. Eckart Würzner
Also ich glaube ja, ich glaube das ist auch absolut zwingend.
Wir haben ja momentan auch global gesehen wirklich einen verrückten Prozess. Also wir gucken uns jetzt mal die USA an. Du hast viele Städte und ich sage mal, in 45 Jahren lebt mehr als 60 Prozent der Weltbevölkerung in Städten, also auch in großen Städten. Du hast politisch gewählte Vertreterinnen und Vertreter, die wollen, die machen klare Aktionsprogramme, schalten um, auch auf Erneuerbare, haben auch die soziale Dimension der Sozialversicherung ganz anders im Blick als zum Teil die nationalen Regierungen.
Wenn ich jetzt nun mal in die USA gucke, das war unter der letzten Regierung wirklich massiv, dieser Konflikt zwischen Staat und dem, was auf der städtischen Ebene passiert. Wenn ich jetzt nach Polen gucke, haben wir genau das Gleiche. Wir haben Bürgermeister von größeren Städten, auch von Warschau, Kollegen, den ich sehr gut kenne. Der kämpft massiv für soziale Gerechtigkeit, für LGBTQ, für all das, was uns in unseren Städten auch auszeichnet. Die nationale Regierung macht genau das Gegenteil, baut weiter Kohlekraftwerke, baut weiter eigentlich eine Technik aus, die genau das Gegenteil ist von dem, was man eigentlich machen sollte.
Also, ich bin sicher, dass momentan global gesehen die Städte, und wir reden ja da über große Einheiten, also Mumbai hat 23.000.000 Einwohner, also Berlin ist ja da ein Dorf dagegen, dass die Städte aus meiner Sicht da wirklich eine Lead Funktion übernehmen können, weil wir wesentlich näher an der Problemstellung dran sind.
Wir erfahren täglich, was es heißt, wenn auf einmal die Grundwasserversorgung nicht mehr gesichert ist. Wir erfahren, wenn ich jetzt in Palo Alto oder selbst in San Francisco ein Vierteljahr ständig Rauchschwaden über der Stadt habe, weil die Wälder brennen. Ja, und da ist so wenig Wasser in der Region, dass einem unmittelbar bewusst wird, was das auch für eine Bedrohung bedeutet, natürlich auch für den gesamten Standort.
Also das Unmittelbare kommt eher von den Städten, deswegen müssen die Städte auch noch mehr Druck machen auf die nationalen Regierungen. Wir haben uns zusammengeschlossen, haben auch einen sogenannten Covenant of Mayors verabschiedet. Das ist so ähnlich, wie die Unternehmen das eigentlich auch gemacht haben über ihre politischen Agreements, dass wir gesagt haben, wir machen eine Selbstverpflichtung zur Klimaneutralität.
Wir haben jetzt über 11.000 Städte global, die sich hier schon zusammengeschlossen haben. Mein Netzwerk in Brüssel organisiert das Ganze auch mit der Europäischen Kommission zusammen, wo wir entsprechende Reports erwarten. Also genau das, was du auch brauchst. Du brauchst Bilanzen, du fliegst auch raus, wenn du dich nicht wieder von deinen Strukturen akkreditieren kannst, weil du zu schlecht geworden bist. Also genau diese Überprüfungsmechanismen, die auch wichtig sind und das auf globaler Ebene. Das ist also wirklich unglaublich, was da für Prozesse stattfinden.
Und von nationaler Seite ist es entscheidend. Nehmen wir mal so ein Beispiel. Wir haben in Heidelberg vor 15 Jahren beschlossen, wir bauen nur noch klimaneutral, vor 15 Jahren. Die Bahnstadt zum Beispiel ist ein rein klimaneutraler Stadtteil für damalige Standards, also alles super efficient buildings, Energieversorgung, restliche Energieversorgung mit einem Kraftwerk, was wir neu gebaut haben auf erneuerbare Energien.
Dieser Standard, der vor 15 Jahren bei uns gesetzt worden ist und seitdem gilt, der ist heute noch nicht nationaler Standard und wird wahrscheinlich in sieben Jahren erst nationaler Standard werden. Also, wir reden über fast 15, 17, 20 Jahre Verlust, obwohl das Wissen da ist. Es wird noch nicht umgesetzt.
Das muss sich ändern, da brauchen wir auch wesentlich klarere Vorgaben und vor allem brauchen wir auch eine Struktur, die es ermöglicht, auch den Unternehmen mitzugehen. Denn das, was wir haben, ist immer so eine Jojo Förderung. Ja, also rein in die Förderung, raus aus der Förderung. Das ist eine Katastrophe.
Wir hatten bei uns auch in Deutschland das über das Erneuerbare Energien Gesetz einen gigantischen Push. Wir haben mittlerweile auch einen sehr hohen Anteil an erneuerbaren Energien im Strombereich. Im Strombereich, das ist super. Aber eigentlich durch das EEG ausgelöst, weil jeder sich daran beteiligt hat und du eine kostendeckende Einspeisevergütung auch bekommen hast. Das war ein gutes Instrument, das hatte aber nur Deutschland. Das hatte Frankreich nicht, das hatte Italien nicht. Also, wir haben diese Best Cases eigentlich nicht übertragen, auch auf andere europäische Ebenen.
Die Dänen haben hervorragende gesetzliche Grundlagen zur Nutzung von Abwärme. Also, was wir heute unter Wärmeatlanten verstehen, also was machst du mit der Abwärme, hätte man sich auch was abgucken können. Die Radinfrastruktur zum Beispiel jetzt auch aus Holland, aus Dänemark, ist wesentlich besser gefördert als bei uns.
Also, ich sage immer, wenn wir überall allein in Europa diese Best Cases nutzen würden und das in ein Regulativ übertragen, dann gibt es natürlich auch Chancen für andere Regionen, die es sonst nicht gibt.
Und das Wichtigste für uns, um die Schleife noch mal zu bilden, ist Empowerment dieser lokalen Entscheidungsträger, also der Städte, sagen wir es mal so, als wichtigste Stellschraube. Denn wenn das nicht passiert, gibt es auch keine Verantwortlichkeit.
Also in Frankreich zum Beispiel haben die Städte keine Verantwortung im Energiebereich. Da gibt es EDF, die machen das grundsätzlich für Frankreich, und dann ist natürlich klar, dass Großtechnologien wie AKWs nur rauskommen können. Bei uns gibt es 700 Stadtwerke, die eine eigene dezentrale Energieversorgung aufgebaut haben, die sind viel resilienter, sind auch viel aktiver. In Italien habe ich eh wieder einen riesen Versorger und ansonsten kaum lokale regionale Energieversorgung.
Also die Verantwortlichkeit auch stärker auf die regionale Ebene runterzubrechen, nicht die Verantwortung abgeben, aber runterbrechen, sie mitzunehmen, sie mit in die entsprechende Entscheidungsebene reinzubringen, das ist aus meiner Sicht die Zukunft, sonst wird es sehr, sehr, sehr, sehr schwierig.
Reza Mehman
Sie haben gerade Regularien und Verantwortlichkeiten gesagt, Frau Thoms, dazu habe ich gleich noch ein paar Fragen an Sie. Ich glaube, Sie kennen die Gesetzeslage sehr gut, natürlich als Top Juristin. Bevor wir aber dazu kommen, gibt es jetzt erstmal den ersten Gang von Herrn Scharf.
Prof. Dr. Eckart Würzner
Herzlich willkommen hier bei uns im Schloss zum wunderschönen Podcast. Wir sitzen hier zusammen in der Schlossweinstube mit Blick auf die Renaissance Fassaden und natürlich haben wir uns gedacht, hier als kulinarischen Einstieg ein tolles Gericht zu zaubern.
Einmal natürlich vegetarisch, was heute absolut en vogue ist, mit einem Hüttenkäse und mit Couscous drunter, einer Birne, Meerrettich, Rote Beete und Meerrettichschaum und verschiedene Gartenkräuter. Und das Ganze natürlich mit Fisch, und zwar zweierlei von der Eismeerforelle, gebeizt und als Tatar, auch mit der Birne und dem Meerrettich.
Ich wünsche guten Appetit, viel Vergnügen und einen wunderschönen Abend.
Vielen Dank. Vielen herzlichen Dank. Dankeschön.
Reza Mehman
Frau Thoms, Sie als Juristin, Sie kennen, glaube ich, beide Seiten sehr gut. Sie kennen natürlich die Gesetzeslage, aber auch das, was Unternehmen leisten können überhaupt.
Sie haben vorher das, ist ein ganz langes Wort, Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz angesprochen gehabt. Ich habe manchmal den Eindruck, es ist unglaublich schwer als Unternehmen, da durchzublicken, sich wirklich in alle Details reinzufuchsen. Wo kommt jetzt die Ware her, wer ist der Lieferant meines Lieferanten und so weiter.
Ich kann mir vorstellen, dass Sie natürlich auf der einen Seite sagen: Ja, wir brauchen verschärfte, schärfere Gesetze. Ich weiß, dass Sie ein ganz großer Fan von den globalen Zielen sind, die wir haben. Auf der anderen Seite, Unternehmen haben natürlich auch begrenzt Ressourcen, sich mit diesen Gesetzen auszukennen und zu sagen: Das schaffen wir und das schaffen wir nicht.
Meine Frage ist: Welche Gesetze würden Sie eigentlich gerne verschärfen, Nummer eins. Und Nummer zwei: Denken Sie, das schafft ein Unternehmen überhaupt, sich da reinzufuchsen in diese Gesetze?
Anahita Thoms
Das ist natürlich eine sehr, sehr komplexe und bedeutende Frage, weil es natürlich eine große Auswirkung hat auf Unternehmen, sobald wir noch mehr Gesetze haben.
Erstens würde ich sagen, wir müssen einige Gesetze abbauen, wir brauchen Bürokratieabbau in vielerlei Hinsicht.
Es war wirklich kontrovers, die Einführung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes, und zwar in beide Richtungen. Es gab viele Unternehmen, die wollten sogar das Gesetz, weil sie gesagt haben, wir sind Vorreiter in Deutschland und wir möchten ehrlich gesagt diesen Wettbewerbsnachteil, den wir haben, weil andere Unternehmen sich nicht daran halten, wieder ausgeglichen haben.
Es ist also nicht nur so, dass alle Unternehmen dagegen waren, es gab sogar Petitionen durch diese Unternehmen für das Gesetz. Aber natürlich, es gab viele Unternehmen dagegen, es wurde sehr stark dagegen lobbyiert und es sind einige Aspekte rausgefallen, wie zum Beispiel die zivilrechtliche Haftung, die nicht reingekommen ist.
Und man muss sehen, nach dem deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz gibt es einen Fokus auf den eigenen Geschäftsbereich, auf den haben wir Einfluss, auf den Tier One Supplier, also den, mit dem wir ja den Vertrag haben, darauf haben wir natürlich einen Einfluss. Und nur in bestimmten Konstellationen und im Hinblick auf bestimmte Maßnahmen gehen wir darüber hinaus Richtung Tier Two, Three, Four und so weiter.
Das europäische Gesetz, also die Richtlinie, die jetzt diskutiert wird, die geht darüber hinaus. Das heißt, da müssen wir damit rechnen, dass ein Schritt weiter gegangen wird, dass wir eine zivilrechtliche Haftung verankert haben werden, dass wir die Wertschöpfungskette betrachten und nicht nur die Lieferkette. Das heißt, es ist schon in Diskussion, ob wir das Gesetz noch weiter ausbauen müssen.
Wichtig ist, finde ich, und das haben Sie auch eben angesprochen, wir können nur sehr begrenzt in Deutschland was leisten. Das heißt, wenn wir, ob es das E, S oder G ist, vor allem das E und das S, werden wir viel effektiver sein, wenn es EU Gesetze sind und idealerweise natürlich die großen Player auch ihre Gesetze haben.
Ja, und da müssen wir, glaube ich, viel mehr Energie investieren, als jetzt immer in Deutschland an unseren Gesetzen zu arbeiten. Das heißt, die Energie muss in Brüssel eingesetzt werden und dann muss man überlegen, wie kann man die globalen Player immer wieder mit ins Boot holen.
Und Ihre zweite Frage ist natürlich sehr berechtigt: Können dann die Unternehmen das eigentlich immer noch leisten? Und ich sehe da wirklich eine Bandbreite an Unternehmen. Ich sehe die DAX 40, ich sehe die MDAX, ich sehe die Familienunternehmer.
Es gibt welche, die sind intrinsisch motiviert. Ja, es gibt Familienunternehmer, die seit langer Zeit in ihrer Tradition es haben, dass sie das Soziale sehr, sehr wichtig erachten. Es gibt andere Unternehmen, die sind gerade im Aufbau, die haben sich das E oder das S auf die Fahne geschrieben. Es gibt manche junge Unternehmerinnen und Unternehmer, die wirklich dafür brennen, die haben ein sehr profitables Business und sagen, das möchten wir auch. Und es gibt CEOs, die interessiert das gar nicht, die sagen, wenn ich Profit damit mache, dann mache ich mit.
Und den CEO müssen wir aber auch abholen, weil vielleicht ist das ein CEO, der besonders viel das Klima verschmutzt, und den jetzt nicht mit abzuholen, ist unser Problem.
Man kann jetzt sagen, ja, das ist sein Problem, irgendwann mal werden ihm die Kunden irgendwie weglaufen. Aber wir verlieren so viel Zeit schon, deswegen gilt es, all die Unternehmen mitzunehmen, immer wieder hinzugehen.
Und ich spreche sehr oft über Greenwashing und wir müssen auch darüber sprechen. Aber ich sehe auch eine Entwicklung, die mich wirklich, weil ich ja auch so viele Unternehmen sehe, sehr besorgt. Nämlich, dass die Unternehmen, die etwas machen, immer weniger darüber sprechen, weil sie Sorge haben vor Greenwashing, weil sie sagen, wenn ich die kleinen Schritte, die ich mache, jetzt kommuniziere, dann sagt doch hier A und B, wieso so wenig, wieso nicht mehr.
Das führt dazu, dass der Wettbewerber, der CEO, der gar kein Interesse daran hat, mir sagt: Aber Frau Thoms, die machen doch auch so wenig oder die machen doch gar nichts.
Das heißt, wir müssen wirklich aufpassen, dass wir die Unternehmen, die willig sind, weiterhin in die richtige Richtung pushen und den CEO, der es nicht möchte, auch mitnehmen und ihm zeigen, dass es auch in seinem Interesse ist.
Ich sage immer, kurzfristig und langfristig profitabel. Kurzfristig ist natürlich der CEO incentiviert. Ja, der nächste Quartalsbericht kommt und um Gottes willen, was sagen jetzt die Shareholder? Wenn man aber langfristigen Wohlstand betrachtet, wenn man sich die ganzen Klimasituationen anguckt, wenn man anguckt, wie wenig Potenzial wir heben in Sachen Brainpower, dann muss man sagen, also so versuche ich jedenfalls, den hier auch noch mit abzuholen, der eigentlich gar kein Interesse an dem Thema hat.
Reza Mehman
Dieses langfristige versus kurzfristige, das hört sich für mich nach einem Skillset oder Mindset Thema wieder an. Und da habe ich eine Frage an dich, Cawa. Du bist ja ein Top Personaler hier in Deutschland.
Meiner Sicht nach, was denkst du, kann jemand in deiner Position, der auch an der Ausbildung seiner Mitarbeiter sehr interessiert ist, der an dem Skillset der Mitarbeiter sehr interessiert ist, was kann man da machen, damit diese Langfristsicht auch für die zukünftigen CEOs, für die zukünftigen Entscheider und Entscheiderinnen, dass sie da auf dem richtigen Wege sind? Was kann man da machen?
Cawa Younosi
Also grundsätzlich gilt, dass man so früh wie möglich damit anfängt, mit den Jugendlichen, Beschäftigten, der Schule das anfassbarer, greifbarer zu machen. Weil wenn die erstmal in den Unternehmenstoren sind, dann können wir natürlich begrenzt als Unternehmen was beeinflussen, aber die ganze Sozialisierung, das Verständnis etc. können wir jetzt nicht nachholen.
Aber da mache ich mir auch wenig Sorgen, wenn ich die Fridays for Future Bewegung sehe, also das Thema ist im Mainstream angekommen. Also, es ist aus dem Bioregal quasi im Supermarktregal angekommen. Ich glaube, da müssen wir uns nicht so Sorgen machen.
Wir sehen auch bei der Rekrutierung, dass Themen wie Diversity oder Bemühungen in Sachen Nachhaltigkeit entscheidend sind, ob sie zu einem Unternehmen gehen oder nicht. Das Thema Package, Gehalt und betriebliche Altersversorgung et cetera wird quasi vorausgesetzt. Und wenn man da Greenwashing oder Pinkwashing in Sachen Frauenförderung betreibt, da hat man als Unternehmen verloren.
Früher hätte man gesagt: Ja, so what? Dann suche ich auch ein anderes Talent. Aber beim Fachkräftemangel oder überhaupt Arbeitskräftemangel, was wir in Deutschland haben, kann man sich das nicht leisten, zu sagen, wir tun nur so und das wird schon gut gehen, Leute werden das nicht merken.
Es spricht sich sehr schnell rum, sei es über Social Media, sei es über Kununu, Glassdoor. Diejenigen, die nur so tun, im Vergleich zu anderen, die es ernsthaft meinen.
Und sehr viele, die bei uns anfangen, ich mache jetzt so, immer alle, die bei uns angefangen haben, nach drei, vier Monaten, rufe ich sie einfach mal an, spontan, frage, wie geht es ihnen, wie ist SAP und ob sie sich gut wohlfühlen.
Und ich will nicht lügen, das ist natürlich nicht empirisch bewiesen, ist nur meine subjektive Erfahrung. In den allermeisten Fällen kommt als erster Schritt das Thema, was wir als Unternehmen in Sachen gesellschaftliche Verantwortung, in Sachen Vielfalt und Sustainability machen und welches Potenzial das Unternehmen aus deren Sicht hat und wie sie sich einbringen wollen.
Also, ich glaube, im Moment ist nichts ohne Sustainability Bezug denkbar. Wichtig ist aber, dass da nicht bei heißen Worten bleibt, sondern auch tatsächlich die Möglichkeit besteht, gestalten zu können. Und wenn man das als Unternehmen von sich behaupten kann, sowohl intern als auch in der Gesellschaft oder bei der Lieferkette, dann hat man sehr gute Chancen auch im Arbeitsmarkt.
Reza Mehman
Du hast etwas gesagt, etwas sich nicht leisten zu können auch als Unternehmen. Ich habe manchmal den Eindruck, wir stehen im sehr intensiven globalen Wettbewerb bei gewissen Schlüsseltechnologien und meine Befürchtung ist manchmal, dass wir so ein bisschen abgehängt werden, insbesondere auch im Hochtechnologiebereich.
Ich komme wieder auf das Thema Künstliche Intelligenz zurück. Ich denke aus meiner Sicht, es macht einen riesen Unterschied, ob KI irgendwo im Fernen Osten oder sogar in den USA entwickelt wird versus sie wird in Europa entwickelt oder speziell jetzt in Deutschland. Ich glaube, das macht einen riesen Unterschied, wie die KI auch mit Daten umgeht, Datenschutzbestimmungen, das wird einen Unterschied machen.
Meine Befürchtung ist aber, wir sind da ein bisschen zu langsam bei dem Thema KI. Wir sind da, weil wir eben diese Datenschutzbestimmungen haben und vielleicht ein bisschen schwerfälliger dort bewegen können.
Ich glaube, Olga, du hast da einen super Einblick. Kannst du uns kurz einordnen, weil ich gerne auch von dem Thema Nachhaltigkeit zum Thema Technologie und globalen Wettbewerb gehen möchte. Ich habe nämlich dazu ein paar Fragen, auf die ich später kommen werde.
Ich denke nämlich, vielleicht müssen wir uns als Deutschland sogar fokussieren auf ein paar wirklich Schlüsseltechnologien und sagen, bei anderen Technologien können wir gar nicht mehr mithalten im globalen Wettbewerb. Aber bevor ich zu der Frage komme, kannst du uns kurz einordnen, wo befinden wir uns eigentlich bei dem Thema KI?
Olga Mordvinova
Sehr komplexe Frage, hat sehr viele Facetten, sehr viele Antworten und viele Perspektiven natürlich.
Vielleicht um vorsichtig zu formulieren, wir sind in Bezug auf KI in Deutschland sehr nachhaltig. Wir gehen langsam und sicher voran und es gibt Themenbereiche, wo aus meiner Sicht wir auf jeden Fall keinen Anschluss verloren haben, um dich nochmal zu zitieren. Es gibt andere Bereiche, wo sicherlich auch Nachholbedarf besteht, wenn man das möchte.
Vielleicht fangen wir von vorne an: Forschung. Also, wir sind in Deutschland recht gut unterwegs. Wir haben tolle Unis, wir haben ganz viele Top Universitäten. Grundlagenforschung ist spitze. Mathematik, Physik ist nach wie vor eines der führenden Exportgüter Deutschlands, auch Maschinenbau, all das, was KI ausmacht aus der Perspektive des Ganzen.
Wir haben ganz viele Forschungszentren. So was wie DFKI gibt es eigentlich kaum irgendwo in Europa und das mehrfach, also nicht nur in Saarbrücken, sondern auch in Kaiserslautern, mittlerweile auch im Norden. Die Anzahl von Forschungsinitiativen in diesem Umfeld ist enorm. Wir fördern es auch auf Landesebene, wir fördern es auf Bundesebene, es gibt Fraunhofer Institute für die angewandte Forschung. Da würde ich behaupten, da haben wir jetzt eigentlich nichts verpasst. Also wir gehen sicher nach vorne.
Klar gibt es Themen, die hier, denke ich mal, auch wirtschaftlich motiviert sind. Auch Thema Energie, Energieeinsparungen, Optimierungen ist auch das, was uns in Deutschland als Land der Maschinenbauer einfach ausmacht. Aber es gibt andere Themen, natürlich im Umfeld der DSGVO, die für uns nicht typisch sind.
Reza Mehman
Der Datenschutz.
Olga Mordvinova
Datenschutz. Also zum Beispiel für einen Chinesen, einen Amerikaner oder vielleicht auch andere Europäer ist es relativ egal, ob man aufgenommen wird unterwegs. Da stehen überall Kameras, ich habe es in den USA gesehen, du gehst hin, du wirst aufgenommen und die Daten werden dann ausgewertet. Ob das jetzt durch Nachrichtendienste, Polizei oder Palantir ist, auch ein großer Player im Umfeld, kümmert sich kein Mensch drum.
Wenn wir das hier bei uns zulassen würden, Heidelberg in der Fußgängerzone, da bin ich echt gespannt, was Herr Würzner alles an Post bekommt. Wahrscheinlich von mir schon als Erste.
Aber das ist eben diese Mentalitätsfrage, diese Mindsetfrage. Erstens, ist es notwendig, wollen wir das? Und weil es eben hier aus der Perspektive von vielen Deutschen, unter Umständen auch Europäern, aber das ist schwer über einzelne Länder zu sprechen, gibt es eben Bereiche, wo es relativ wenig zu tun oder getan wird, weil einfach der Markt dafür nicht da ist. Und der Markt ist in der Marktwirtschaft auch führend beziehungsweise bestimmt die Regeln.
So ist es nicht verwunderlich, dass wir vielleicht im Bereich der Datenanalyse oder auch Use Cases in Bezug auf Daten, einfach Daten von Personen, personenbezogenen Daten, etwas hinter den USA oder China stehen.
Ich bin auch nicht die Fachfrau dafür, ich bin eher im Bereich der Optimierung unterwegs. Maschinendaten ist das, was wir auswerten und in dem Umfeld gibt es auf jeden Fall spannende Konkurrenz aus überall. Aber wir machen nach vorne, auch weil bei uns dieser Bereich der KI sehr speziell ist. Jeder Maschinenbauer hat IP, jeder Infrastrukturbetreiber hat eine eigene IP. Ein Stahlgießer ist nicht gleich wie der andere Stahlgießer und diese IP ist, wie gesagt, maschinen oder prozessgebunden. Das bleibt noch in Deutschland und dafür, wenn die KI dafür nochmal angepasst werden soll, ist sie auch damit verbunden.
Aber vielleicht zurück nochmal zu der Frage, wo stehen wir. Wir sind unterwegs, wie überall. Und es gibt ein Thema, was mir extrem am Herzen liegt, eben nicht die Grundlagenforschung, sondern eben der Transfer von der Grundlagenforschung in die Anwendung.
Also wir verwenden alle Smartphones. Jeder von uns hat tausende Apps, wir werden erfasst, WhatsApp, was soll ich dazu sagen. Aber dabei haben wir extrem wenig industrielle Anwendungen, die potenziell auch diese Welt des Consumers mit der Welt der Industrie und der Forschung zusammen verbinden. Stichwort MP3 zum Beispiel.
Also im Prinzip, wenn wir den Weg schaffen, super exzellente Forschung in die Menschheit und in die Industrie, vor allem in die Industrie zu bringen, weil die gibt ja Geld, die steuert den Markt, sind wir eigentlich ganz gut unterwegs.
Also ein bisschen liegt es an uns, vielleicht auch Gesetzgebung. Wobei, das finde ich gar nicht verkehrt, dass wir gar keine Kameras bei uns in der Fußgängerzone haben. Ich würde mich freuen, dass das auch so bleibt.
Cawa Younosi
Ich glaube, das ist auch langfristig ein Wettbewerbsvorteil, dass wir diese Regelung zum Thema Datenschutz et cetera haben, weil das Thema erfreulicherweise bei allem, was man im Moment sieht, aber die Tendenz geht eher zur Demokratisierung, eher zur Selbstbestimmung, eher zum Datenschutz.
Und wenn das so weitergeht, dann sind die Anwendungen, die Unternehmen, die Staaten, die von vornherein das fest verankert haben ... Also, wir haben einen Ethikbeirat für unsere KI, wir verpflichten uns zu bestimmten Verhaltensweisen, dass Algorithmen offen sind, wenn wir Sachen machen, die auch Risiken mit sich bringen mögen, dass Entscheidungen nicht das Unternehmen trifft, sondern mit einem Ethikbeirat gemeinsam.
Aber langfristig denke ich auch, das spiegeln auch die Kunden. Die Rückmeldungen, die wir von China und anderen Ländern bekommen, da wird es auch als ein Vorteil gesehen, also nicht unbedingt als ein Nachteil. Natürlich ist die Umsetzung viel komplexer, es kostet viel mehr als in den Ländern, wo wir solche Regularien nicht haben, aber am Ende ist die Akzeptanz dann langfristig höher als bei anderen Anwendungen.
Reza Mehman
Jedenfalls, Christian, du bist ja im Hochtechnologie Startup Umfeld unterwegs. Wie siehst du das? Bist du gefühlt aus deiner Sicht gut versorgt mit den Möglichkeiten, die wir hier in Deutschland haben, oder, weil ich auch weiß, dass du im sehr kompetitiven Umfeld unterwegs bist mit deinem Unternehmen, wie fühlst du dich hier technologisch gesehen?
Christian Wiens
Ich habe selbst tatsächlich Maschinenbau studiert, so quasi guter deutscher Maschinenbauer und ich musste mich damals für eine Uni entscheiden. Ich selbst komme aus Heidelberg und bin zu der Uni gegangen, bei der ich das Gefühl hatte, dass sie diesen Transfer besser hinbekommt.
Ich kann sehr offen sagen, ich habe an der TU Darmstadt studiert und ich wurde komplett enttäuscht bis heute. Also ich habe relativ früh an dieser Uni auch gemerkt, dass ich dort nicht weiterkomme, wenn es um diesen Transfer geht. Und da würde ich auch total zustimmen, uns fehlt es ja nicht an Grundlagenforschung, smarten Köpfen und Technologie. Uns fehlt es an dem Packaging dahinter und das ist sehr, sehr breit. Also von rechtlichen Themen bis hin zu Storytelling, wie verpacke ich was. Bis hin zu Lobbyarbeit, in welche Richtung geht Lobbyarbeit. Findet Lobbyarbeit irgendwie mit hochtechnologischen jungen Startup Unternehmen statt, wird für die oder mit der alteingesessenen Industrie gearbeitet?
Also deshalb ist die Frage für mich, da sind wir technologisch gut aufgestellt, die stelle ich mir nie. Da ist für mich ein Haken dran, das sind wir. Und dann geht es ja drum, letztlich zum einen drauf zu schauen, wo sind die, wie kriegt man die besten Leute dazu, gemeinsam an was Spannendem zu arbeiten.
Auch da habe ich kein Fragezeichen. Die haben wir, die haben wir in Heidelberg, die ziehen wir auch an in Heidelberg, die haben wir in Deutschland. Also auch da kein Fragezeichen.
Viel spannender finde ich jetzt tatsächlich Diskussionen wie das, was du eben gesagt hast, dass wir sagen, was können wir eigentlich zu unserem Vorteil machen über die reine Technologie hinaus. Und ich glaube, das Thema Werte, gerade wenn ich auch mal über unsere Industrie, Versicherungen sind eine Five Trillion Dollar Industrie, also eine Billionenindustrie, ist natürlich riesig. Jeder hat Versicherung und die drei größten Versicherer der Welt kommen immer noch aus Europa. Versicherung ist ja in Europa entstanden damals. Ja, und ich glaube, Europäer, Deutsche sind am meisten versichert auf der Welt.
Ich glaube, die Frage ist so ein bisschen vergleichbar mit Amerikanern. Ja, Amerikaner lieben Autos, Uber kommt aus den USA. Also, Autos sind super wichtig, die konnten halt V8 Motoren, große Pickups und haben sich aber selbst durch einen Tesla disrupted. Ja, sehr relativ radikal, aber trotzdem ist die USA eine super Autonation. Ja, wirklich eine Autonation, nicht die besten, feinsten Motoren, aber wirklich eine Autoadaption, was die Adoption angeht.
Und ich finde diese andere Ebene ein bisschen spannender, die auch in Richtung Mindset vielleicht geht. Und ich glaube schon, dass, und so denken wir übrigens auch als europäische Startups, Scaleups, wir glauben, dass wir hier was haben, was sich exportieren lässt, und es sind Werte im Umgang mit Outputs der Technologie, ja letztlich Daten.
Und ich überlege mir immer Folgendes: Wenn wir mal groß werden, wie halt eine Allianz, ja, ein großer globaler Konzern mit 100 Milliarden Umsatz, wenn wir das Gleiche jetzt natürlich disrupten und in eine komplett neue Generation und Ära bringen, wo auch Versicherungen was Smartes werden und prädiktiv werden und so weiter, dann ist es aber wichtig, dass wir die Marken und das Produkt erschaffen, die auch in Asien und in den USA und so weiter bevorzugt werden, weil natürlich Kunden, Leute, Firmen, das lässt sich auf alles anwenden, wissen, dass sie in einem System entstanden sind, was es vielleicht langsamer macht, dass es entsteht, aber es ist einfach überprüfter. Es ist kontrollierter gewachsen, es sind extrem viele Werte vertreten.
Also, ich glaube, das ist schon eine Ebene, die ich viel, viel spannender finde. Und dann gibt es natürlich, glaube ich, noch ganz viel anderes, wurde angesprochen, Frühanfang. Ja, wir unterschätzen ja immer, was wir in zehn Jahren schaffen können und überschätzen, was wir in einem Jahr schaffen. Und Thema Bildung. Ich glaube, das Schulsystem ist ja nicht auf die Lösung der Probleme unserer Zeit ausgelegt. Also, es ist ein Evergreen System, was per se nicht schlecht ist, aber warum setzen wir Bildung nicht auf die Lösung von Problemen unserer Zeit mehr aus? Und das sind, glaube ich, dann die Ansatzpunkte, die wirklich spannend werden.
Reza Mehman
Ich habe häufig den Eindruck, es macht Sinn für uns hier in Deutschland, dass wir uns auf die Stärken fokussieren, die wir haben. Das geht, glaube ich, so grundsätzlich vom Tenor auch in diese Richtung.
Frau Thoms, Sie haben eine sehr internationale Sicht, natürlich, weil Sie auch Kontakt im Ausland zu Unternehmen haben. Wie sehen Sie das jetzt aus Ihrer Sicht zu sagen, Deutschland muss sich eigentlich, weil im Ausland zum Beispiel gewisse Dinge mit mehr Kraft vorangetrieben werden, vielleicht KI ... Ich denke bei dem Thema KI unter anderem immer daran, es ist wichtig, viele Daten zu haben, also viele Nutzerdaten auch auswerten zu können.
Ich habe manchmal den Eindruck, es macht Sinn, sich weniger auf Dinge zu fokussieren, die wir vielleicht noch nicht so gut können, und mehr auf die Dinge zu gehen, die wir sehr gut können, Automotive, Life Science, hoffentlich auch mehr Richtung Versicherung.
Wie sehen Sie das, Frau Thoms, mit Ihrer internationalen Brille? Sollen wir all in gehen in diese Industrien, die wir können und wirklich vollen Durchblick haben, oder nee, wir müssen überall eigentlich mitmischen, was auch natürlich ein bisschen gefährlich werden kann, weil man überall vielleicht nur mittelmäßig ist.
Anahita Thoms
Also, ich würde sagen, wir haben das große Glück, in so vielen Bereichen so gute Leute zu haben, so viel Tradition zu haben, dass ich gar nicht denke, dass wir unbedingt wirklich jetzt schon sagen müssen, da müssen wir jetzt verzichten.
Es gibt ein paar wenige Bereiche, wo man sagt, okay, da haben wir ja schon verloren, und ich glaube, da muss man sehr kritisch mit sich umgehen. Haben wir verloren offenen Auges, okay, dann haben wir uns dafür entschieden. Oder haben wir verloren, weil wir mal wieder verpasst haben hinzuschauen. Ja, das sind, finde ich, zwei Punkte.
Und ich finde, gerade in Deutschland erwarte ich, dass wir ein bisschen vorausschauender sind und gucken, was ist eigentlich, was zeigt uns die Zukunft. Und ich finde, wenn man gerade im Westen der USA unterwegs ist, aber auch im Osten, dann merkt man sehr stark, dass gerade diese Startup Szene, weil sie halt auch unbürokratischer ist und weil das Bedürfnis nach Sicherheit nicht so stark ist wie bei uns, dass das den Unterschied macht.
Ich würde gar nicht unbedingt sagen, dass wir schon überall in Sektoren verloren haben, sondern häufig haben wir, finde ich, von der Einstellung so ein bisschen dieses, ich möchte jetzt gerne auch die Altersversorgung für die nächsten 100 Jahre und ich möchte bitte auch gerne, dass jedes Risiko, das ich eingehe, dreifach versichert ist.
Ja, man könnte ja auch einfach sagen, ich glaube so sehr an diesen Sektor, ich glaube an dieses Produkt. Und das sehe ich mehr bei Menschen, die entweder gar keine Chancen haben, weil sie sagen, ich habe sowieso nichts zu verlieren, oder in Regionen würde ich sogar sagen, im Süden Amerikas ist es ein bisschen anders als im Silicon Valley, wo einfach jeder sagt: Also wenn du noch nicht gegründet hast, dann existierst du quasi nicht. Ja, also das ist natürlich das andere Extrem.
Aber ich glaube, diese Einstellung ist eine, da müssen wir uns, glaube ich, grundsätzlich Gedanken machen, ob wir da nicht richtig viel Potenzial verlieren. Und ich denke, da nochmal Entbürokratisierung, die Startups zu unterstützen, weil in den letzten Jahren, ich lerne immer mehr Startups gerade im Sustainability Bereich kennen, aber auch im Digitalisierungsbereich. Mein Gott, da ist so viel Drive und dann müssen die selber in die Behörde. Ja, dann muss der Gründer selber in die Behörde, anstatt irgendwie zu sagen, hier ja, jetzt bin ich und bitte lasst mich jetzt in Ruhe und Frieden und ich konzentriere mich auf mein Produkt.
Reza Mehman
Super interessant. Herr Würzner, ich würde auch gleich zu Ihnen gerne kommen. Bevor wir das aber machen, habe ich gerade ein Zeichen bekommen, dass wir zum nächsten Gang gehen können.
Cawa Younosi
So, jetzt sind wir gespannt auf die Beschreibung. Der sieht schon mal so aus.
Prof. Dr. Eckart Würzner
Also als Grundlage, hier haben wir verschiedene Waldpilze, hier auch aus dem Odenwald mit Kartoffelkrapfen, dann einen Brokkoli mit Amaranth, schönes Kalbsfilet und alternativ einen gebackenen Pilzstrudel und dazu Balsamico Sauce und vegetarische Balsamico Sauce.
Reza Mehman
Herr Würzner, ich würde trotzdem gerne nochmal auf Schlüsselindustrien oder Fokussierung zurückkommen. Gerade bei der Städteplanung, Sie haben es vorhin gesagt, wir reden da von 15, 17, 20 Jahren, also das ist der Horizont, von dem wir sprechen.
Wie sehen Sie das als Stadtplaner? Möchten Sie sich eigentlich eher fokussieren auf ein, zwei wichtige Themen, wo Sie wissen, das kann Ihre Stadt sehr gut, oder sagen Sie, nee, wir müssen alle Bereiche möglichst gleichwertig, gleichmäßig fördern, damit wir überall einigermaßen gut aufgestellt sind, wohlwissend, dass man vielleicht nicht in gewissen Themen führend ist?
Prof. Dr. Eckart Würzner
Ja, also ich glaube, da sind sich aber alle eigentlich einig, wer die Verantwortung für eine Stadt hat, der versucht natürlich, sich möglichst breit aufzustellen. Das ist erstmal überhaupt das Wichtigste, damit man resilient ist.
Also nur auf eine Unternehmenssparte zu setzen, wäre völlig falsch. Wir setzen auch nicht auf große Logistikstrukturen, die eigentlich keine große Wertschöpfung generieren über Arbeitsplätze, Ausbildungsplätze, sondern wir wollen möglichst kleine Einheiten, sehr effiziente Einheiten und eigentlich wollen wir Brain Strukturen fördern, also alles, was mit Forschung, Wissenschaft zu tun hat, Transformation, Translation in Unternehmen.
Wie kann man das machen? Wir haben tolle Forschungseinrichtungen, wir hatten es ja vorhin schon besprochen. Es gibt eigentlich gar keine große Motivation für Hochschulen zum Beispiel, eine Spin Out Kultur oder eine Startup Kultur zu fördern.
Das ist ein völlig anderes Modell in den USA. Wenn ich mit dem MIT zusammenarbeite oder mit anderen, die haben auch selbst eine Wertschöpfungskette, die sie generieren über das, was sie an Wissen auch in Produkte umsetzen, sich beteiligen in Anteilen auf dem eigenen Campus, auch Industry goes Campus unterstützen, damit es dort mehr diese Vermischung zwischen Produktion und Forschung und Lehre gibt. Da fangen wir jetzt erst mit an. Das ist ein Bereich, der noch nicht so alt ist bei uns in Deutschland und das merken wir.
Also, es gibt einige, da funktioniert das besser. Das ist bei den Technischen Hochschulen, RWTH Aachen zum Beispiel, da hat man viele Professoren, die im Bereich Maschinenbau schon sehr viel weiter sind. Aber bei den klassischen Universitäten, auch so Heidelberg beispielsweise, ist es nicht so gesetzt. Das kommt jetzt immer mehr, das ist auch sehr gut.
Bisher waren es eigentlich die Städte, die dann auch versucht haben, über Technologieparks solche Facilities auch zur Verfügung zu stellen für diese Startup Kultur. Und wenn ich die nicht zur Verfügung stelle, dann kriege ich die nicht. Wir haben jetzt gerade ein großes Biolab, eines der größten im Bereich Startups im Bereich Biomedizin, die natürlich spezielle Labore brauchen, hier nach Deutschland, nach Heidelberg geholt. Dafür war erforderlich, dass wir Labore bauen, dass wir sie vorhalten, dass wir sie günstig vorhalten. Das muss erst mal einer machen. Das heißt, wir müssen eine Vorinvestition tätigen, damit die hierher kommen, damit dieser Austausch dann aus der Universität auch stärker in diese Strukturen gelingt.
Wenn man das macht, dann ist man diverser aufgestellt und das sind wir mittlerweile in den, ich sage jetzt mal so ein bisschen, Brain Cities, also meistens Universitätsstandorte, und haben da einen riesen Wettbewerbsvorteil.
Warum? Ich habe gar kein Problem mit Produktionsbetrieben, weil ich habe gar keine. Wenn man weiß, dass in der OECD, ich glaube es sind 4,2 Prozent des Endenergieverbrauchs über erneuerbare Energien zur Verfügung gestellt werden, der Rest ist Öl, Kohle, Gas, also jeder, der im Bereich der Produktion tätig ist, hat ein brutales Problem, sich in Deutschland bei Hochpreisen zu bewegen. Deswegen findet momentan auch ein Riesenprozess statt, wo diese Betriebe sich massiv nach außen orientieren. Das Beste ist gleich mit Katar oder Saudi Arabien, Kooperationsvertrag, wir kommen direkt neben den Ölförderturm, 10 Prozent der Energiekosten wie in Deutschland, und das passiert.
Also da wird es jetzt einiges an Veränderung geben, weil Energie da so ein riesen Faktor ist.
Wir sind nicht so aufgestellt, wir sind sehr divers auf den Wissensbereich und da konzentrieren wir uns in Heidelberg ja auch ein bisschen auf unsere Schwerpunkte, das ist im Bereich Life Science und KI, also AI. Und das ist ein Bereich, der immer mehr zusammenwächst, der enormes Potenzial auch entwickelt.
Und da kommt jetzt genau das zusammen, dass sich Virtual Reality im Bereich der Schlaganfallpatienten einsetzen kann, die einen wesentlich schnelleren Heilungsprozess haben. Das ist jetzt ein Startup Unternehmen, was das entwickelt hat, was dann auf dem Campus auch entsprechend mit integriert werden kann und auf einmal entsteht eine enorme Wertschöpfung. Also das ist wirklich hervorragend.
Und ich glaube, wenn man sich ein bisschen international umguckt, stellen wir auch fest, dass da Prozesse sind, die sind gewaltig, die nehmen wir überhaupt nicht wahr. Deswegen haben wir auch eine strategische Allianz mit Palo Alto, also dem Silicon Valley in den USA und also in der Google Welt, und eine strategische Allianz mit Alibaba, also der chinesischen Welt mit Hangzhou und Haidian eingegangen.
Es ist mittlerweile so, dass es in China aufgrund dieser Dominanz, zum Beispiel von Alibaba und Alibaba Pay, gar kein Bankenwesen mehr notwendig ist. Also keine Sparkassen, keine Volksbanken, keine Raiffeisenbanken, das macht alles ein Konzern. Das heißt, man kauft dort ein Produkt und ein ganzer Wirtschaftszweig ist auf einmal nicht mehr notwendig.
Also wer das wahrnimmt, dem wird deutlich, was bei uns eigentlich demnächst kommt, wenn wir in diese Struktur hineinwandern. Und ich sage immer, wir müssen das erkennen und wenn wir es erkennen, können wir auch drauf reagieren.
Und ich finde es hervorragend, dass wir auch in Heidelberg jetzt mit euch ein super KI Unternehmen haben. Wir haben auch andere, mit denen wir jetzt zusammenarbeiten. Wir haben jetzt so ein, wir nennen das Lumi, eine KI Intelligenz, die es uns ermöglicht, in fünf Sprachen alle Dokumente, die wir haben, die wir nur auf Deutsch haben, sofort zur Verfügung zu stellen in fünf Sprachen.
Das Einzige, was ich machen muss, ich muss den Chatbot füttern. I need a driver license, die KI übersetzt sofort. Tauchen wird bei uns nicht häufig gemacht. Ah, der meint Driver, do you mean driver license? Ah, sorry, driver license, und ich habe innerhalb von zwei Minuten eine neue driver license. Das kann ich über die KI natürlich ganz anders, mit einer ganz anderen Geschwindigkeit machen.
Ich habe nicht mehr das Fachpersonal wie früher. Das heißt, ich brauche unbedingt so eine KI, um diese Service Unit noch überhaupt bedienen zu können in der Intensität. Und da kommt dann das eine mit dem anderen zusammen mit der Wertschöpfung und dadurch sind wir eigentlich sehr gut aufgestellt.
Aber ja, Stärken, Stärken, klare Fokussierung, aber möglichst im Bereich Knowledge. Das kann aber nicht jeder Standort. Das merken wir ja auch in den USA. Wenn du nur Getreidefelder hast, dann bist du der Verlierer dieser globalen Entwicklung. Und diese Brain Center, ob das Boston, ob das Silicon Valley sind, die eigentlichen Gewinner.
Und es ist mittlerweile auch schwierig, da noch diesen Gleichgang der Entwicklung in den Regionen zu sehen, weil der findet mittlerweile nicht mehr statt. Und das führt natürlich zu politischen Verwerfungen, politischen Spannungen, die beträchtlich werden können, sodass du sie kaum noch halten kannst.
Und wenn ich dann sehe, dass selbst in den Zentren in den USA, bei Eric Garcetti in LA, 60.000, 70.000 Menschen in Zelten unter Folien leben, mitten im Downtown Areal, im teuersten Stadtquartier, weil sie eigentlich überhaupt gar keine Sozialversicherung haben, weil man das einfach komplett ignoriert hat, dann kann das das ganze System auch zerstören, weil das wird komplett instabil.
Und deswegen muss man das, also jetzt nicht nur weil es en vogue ist, über die SDGs zu reden, sondern das muss passieren, damit es überhaupt einen gesellschaftlichen Konsens gibt für diese Entwicklung. Und dann müssen die, die auch die großen Profiteure sind in der Entwicklung, das andere mitnehmen, auch unter sozialen Gesichtspunkten, damit es auch wirklich bei dem sozialen Frieden bleibt, den wir alle so wollen. Also, es ist ein nicht einfacher Prozess.
Reza Mehman
Also, ich muss mich entschuldigen, dass ich weiterhin auf diesem All in Thema hängen bleibe. Ich habe da tatsächlich so den Eindruck, wir müssen tatsächlich vielleicht all in gehen in gewissen Schlüsselindustrien.
Deswegen auch die Frage an dich, Chris, aus deiner Startup Technologiebrille, wie siehst du das? Du hast ja viel Kontakt auch zu internationalen Investoren. Du weißt, wo momentan die Gelder hinfließen. Vielleicht darf man das auch sagen. Ich glaube, du hast mit Getsafe sogar über 100.000.000 Dollar bis jetzt eingesammelt. Wahrscheinlich geht das auch noch weiter. Also du weißt, wo Kapital ist. Und wie siehst du das? Fließt das Kapital gleichmäßig überall hin, Deutschland verglichen mit der Welt, auch in den verschiedenen Industrien in Deutschland, oder siehst du da Tendenzen? Nee, da fokussiert sich was.
Christian Wiens
Ja, also die Frage stelle ich mir dauernd und sie ist auch schwer zu beantworten und vieles wurde, glaube ich, schon gesagt.
Also letztlich willst du, dass Ökosysteme entstehen, ja zum Beispiel im Bereich AI. Wenn das passiert, dazu muss halt vieles zusammenspielen, dann entsteht wiederum eine starke Industrie und die ist dann double down. Ja, also da muss man dann noch mehr machen, damit sie gewinnt.
Es wurde aber auch schon gesagt, dass es vielleicht gar nicht um die spezifische Industrie geht und das sehe ich in unserer Welt der Wachstums und Technologieunternehmen. Da entstehen digitale Banken überall, die können in Israel entstehen oder aus Israel kommen, aus Asien, aus Deutschland oder aus den USA, um mal ein Beispiel zu machen.
Also da geht es tatsächlich viel mehr um Mindset, um wirklich die richtigen Leute, die sich zusammentun, um dann auch möglichst wenig Hürden, um das zu schaffen, was man da zusammen schaffen will.
Was ich aber schon merke, und ich glaube, das passiert, wenn man wächst. Ich mache wieder ein Beispiel, glaube ich, was jeder irgendwie kennt, auch wenn es mittlerweile ein bisschen mit Füßen getreten wird, Tesla als Autobauer.
Also, Tesla hat ganz viele Leute aus dem Silicon Valley, sage ich mal, aus der Tech Szene gezogen, aber sie hätten das, was sie tun, nie machen können, wenn es da natürlich nicht auch viel Wissen in der traditionellen Automobilindustrie gegeben hätte, was sie damit irgendwie ergänzen und verheiraten. Und zusammen kann man dann wirklich Sachen bewegen.
Und deshalb komme ich nochmal zu meinem Punkt, den ich irgendwie am Anfang gemacht habe, am Beispiel der Versicherung. Die drei größten Versicherer der Welt kommen aus Europa. Wenn man wirklich groß denkt, dann muss man natürlich gucken, ob man entweder die Forschungsinfrastruktur und Grundlagen für AI, Mathematik, Physik, oder aber die Industriegrundlage, also das Wissen, die Industrie hat, das muss man verheiraten mit dem richtigen Mindset an Leuten, die an sich diese Industrie komplett verändern wollen und revolutionieren wollen. Und dann entstehen wiederum letztlich ja auch neue Industrien.
Ja, wir zum Beispiel sehen uns ja nicht als Versicherer, wir sehen uns quasi als Technologieunternehmen, was Versicherungen anbietet. Das ist unsere Mission, aber alles, was links und rechts von dieser Mission, also das Leben von Menschen zu schützen, liegt, das nehmen wir mit, ja, weil am Ende ist das quasi nicht unbedingt unsere DNA.
Also insofern, leider gebe ich dir keine konkrete Antwort auf die Frage, welche Industrien sollten wir fördern, aber man sollte schon natürlich total drauf schauen, was an Fundament notwendig ist, um richtig groß zu spielen.
Also deshalb ein gutes Beispiel, Stadt Heidelberg, das sage ich dem Oberbürgermeister auch immer. Ich sage ihm, Fintech, das was wir sind, also Finanztechnologien, ist hier kein Ding. Ja, das ist einfach hier nicht groß. Getsafe ist hier entstanden, mittlerweile auch in vielen anderen Städten mit Büros vertreten. Das würde ich hier nicht fördern. Da entsteht hier kein Ökosystem, da ist keine Grundlage da. Wir profitieren enorm von dem Wissensstandort, der hier ist und wirklich von Talenten, die hier sind. Aber es ist schon richtig, da so ein bisschen drauf zu schauen, was schon stark ist. Und ob man das jetzt für eine Nation oder einen Kontinent beantworten kann, also, ich kann es nicht. Aber ich glaube, dass die Mechanismen dahinter viel interessanter sind als die konkreten Industrien.
Reza Mehman
Mhm, Cawa, ihr seid ja schon lange kein 30 Mann Unternehmen mehr, ist ja seit einigen Jahren schon, wie Dietmar Hopp das einmal gesagt hatte. Ihr seid aber eines der wenigen DAX Unternehmen, die sich wahrscheinlich eigentlich von heute auf morgen, jetzt mal platt ausgedrückt, entscheiden könnten, komplett abzuwandern, weil ihr alle remote seid, also viele remote sind, viel remote arbeiten können, ihr braucht keine Produktionshallen vor Ort und so weiter.
Dennoch seid ihr hier, glücklicherweise in der Nähe von Heidelberg, bei Walldorf, seid ihr hier und ich habe auch den Eindruck, stabil auch hier unterwegs. Es gab, glaube ich, vor Jahren mal so eine kleine Diskussion, wo Herr Plattner, glaube ich, war es, gesagt hatte, im Silicon Valley ist auch eine Option, das mal zu machen. Dennoch seid ihr hier geblieben.
Was hält euch denn genau weiterhin noch hier, gerade wenn ich wieder zurückkomme auf das Thema globaler Wettbewerb, was hält euch noch hier?
Cawa Younosi
Ja, also wir sind ein deutsches Unternehmen, global verankert, wir sind in 180 Ländern der Welt vertreten und ich glaube heutzutage, natürlich stehen wir zu unseren Wurzeln, wir stehen zu unserer Verantwortung auch, nicht nur für Deutschland, auch für die Region, du weißt, wir sind ja hier sehr regional auch verwurzelt. Und ich glaube, es geht nicht darum, Deutschland ohne die Welt, sondern die Kombination.
Und wenn ich mal in Deutschland gucke, ungefähr 20 Prozent unserer Mitarbeitenden haben eine nicht deutsche Nationalität. Dazu kommen die Menschen, die einen Migrationshintergrund haben, wie ich zum Beispiel, die wir natürlich nicht messen können. Also, es ist ungefähr roundabout 30 Prozent unserer Kolleginnen und Kollegen stammen nicht ursprünglich von Deutschland. Und ich glaube, die Mischung macht es.
Und es gibt sehr viele Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland, die immer auf Zeit oder auf Dauer in andere Länder gehen, sei es China oder USA, von dort auch arbeiten. Wir waren in den 80er Jahren, hat das so angefangen, dass wir relativ schnell globalisiert haben. Das war, glaube ich, ein Erfolgsrezept auch von SAP, dass sie relativ früh nach USA gegangen sind zum Beispiel. Da stellt sich für uns die Frage nicht.
Also von dieser Aussage weiß ich nicht, das muss vor meiner Zeit gewesen sein. Es gab Spekulationen wegen der SE Gründung von SAP, als wir von AG in SE gewandelt haben, ob die entsprechenden Pläne dahinter stünden. Das war nicht der Fall.
Daher denke ich, diese Renationalisierung, die jetzt gerade, wo wir gezwungen werden durch die externen Faktoren et cetera, vielleicht muss es sein, aber ich finde grundsätzlich, dass in der globalisierten und vernetzten Welt, da liegt unsere Zukunft und da sollten wir auch daran arbeiten, dass es auch weitergeht. Natürlich in einem gesünderen Maß, damit die Ungleichheit in der Welt möglichst nicht so groß wird, sondern wir näher zueinander kommen. Aber dass wir jetzt nicht angesichts der aktuellen Krisen dazu kommen, zu sagen, alles, was wir in der Vergangenheit gemacht haben, das lassen wir unter uns und jetzt versuchen wir alles in Deutschland aufzubauen und schotten wir uns ab, das wäre, glaube ich, keine schöne Entwicklung, die wir wollen.
Reza Mehman
Und Olga, bei dir, würdest du wieder hier gründen, hier in der Region, hier in Deutschland, oder würdest du sagen, nein, für deine Technologie sind eigentlich vielleicht andere Standorte vorteilhafter?
Olga Mordvinova
Ich würde wieder in Heidelberg gründen, natürlich, aber auch woanders, jetzt wo ich weiß, wie es geht.
Gut, ich meine, Stadt und Heidelberg ist wirklich attraktiv. Auch in unserem Fall ist es so, wir bedienen hauptsächlich Maschinenbauer oder Infrastrukturanbieter, die wir bei der Überwachung der Infrastruktur oder Maschinen oder auch Prozesse unterstützen. Alle haben uns gesagt, wir sollen nach Karlsruhe gehen, aber wir wohnen halt alle in Heidelberg. Also das ganze Team wohnt in Heidelberg oder Umgebung, haben hier studiert, mehr oder weniger, oder auch in Heidelberg studiert.
Das ist auch eine unglaubliche Kombination zwischen dem Angebot, Forschungsmöglichkeiten, auch extrem tolle aufgeweckte Leute, die auch dann zu uns kommen.
Das heißt im Prinzip, ob es KI oder nicht KI oder generell Digitalisierung ist, es ist de facto egal, wo man ist, solange man einen Anschluss hat. Und wenn man den in Heidelberg gefunden hat und dann seine Kunden vielleicht in Schwaben hat, ist auch nicht schlimm. Oder von mir aus auch in den USA oder in Frankreich, wie es in unserem Fall ist. Es ist entscheidend, wo dieses Gefühl ist, dass es richtig ist. In unserem Fall war es Heidelberg.
Reza Mehman
Also vielleicht ist für einige Zuhörerinnen und Zuhörer so ein negativer Touch entstanden, dass wir vielleicht doch in sehr kritischen Zeiten leben. Ich sehe das auf jeden Fall nicht so, ich wollte es auf jeden Fall nochmal klarstellen. Ich glaube, wir haben hier tatsächlich etwas, was ich super wertschätze. Es ist eine sehr stabile Demokratie. Das wird aus meiner Sicht bestimmt nicht hier in der Runde, aber aus meiner Sicht häufig vergessen, dass wir hier wirklich frei unsere Meinung sagen dürfen.
Ich will jetzt auch nicht so einen großen Schlenker machen. Ich bin aus dem Iran und da gibt es momentan ganz andere Probleme und da weiß man natürlich sehr zu schätzen, dass man eine stabile Demokratie hat. Das darf man wirklich nicht vergessen.
Ich glaube Frau Thoms, ich habe auf LinkedIn auch bei Ihnen gelesen, wie Sie über diese Stabilität gerade hier in Deutschland denken und was für ein Glück wir hier überhaupt haben, hier sein zu können.
Ich wollte ganz kurz vielleicht mal Richtung Ende des Podcasts noch mal von Ihnen hören und wissen, weil Sie eben diesen globalen Blick haben: Ist das Meckern auf hohem Niveau, was wir hier machen insgesamt? Also abgesehen natürlich von der politischen Lage, wo ich gerade jetzt auch gesprochen habe, auch wie wir aufgestellt sind. Meckern wir gerade auf hohem Niveau oder denken Sie, na, wir müssen tatsächlich gucken, dass das alles weiterhin stabil bleibt, so wie es ist?
Anahita Thoms
Also, ich finde, wenn wir im Businessumfeld uns umschauen, mag ich ambitioniert zu sein. Ich möchte, dass wir da Vordenkerinnen sind und dass wir da wirklich pushen.
In vielerlei anderer Hinsicht merke ich jedes Mal, wenn ich im Ausland bin, wie gut es uns geht. Das eine ist der Wohlstand, den wir hier haben, auf dem wir uns nicht ausruhen sollten. Das andere sind Dinge, die für total selbstverständlich erachtet werden. Das fängt an bei dem Freiheitsbegriff, der Möglichkeit zu demonstrieren, fast wie und wann ich möchte, die Versammlungsfreiheit, Rechtsstaatsprinzip, also das Thema, dass wir kaum Korruption in Deutschland haben.
Dass es zwar natürlich auch hier Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten gibt, aber trotzdem die gar nicht im Verhältnis stehen zu ganz vielen Ländern, in denen ich gelebt habe, in denen ich arbeite, in denen ich viele Kontakte habe.
Also, ich denke, wir müssen einfach schauen, dass wir das stabil halten. Ich sehe die letzten Landtagswahlen sehr kritisch. Also da muss man auch sehen in vielerlei Hinsicht, wenn man sich das angeguckt hat am Wochenende, wir können uns nicht darauf verlassen, dass das alles so bleibt. Das heißt, da müssen wir dranbleiben.
Aber insgesamt dürfen wir auch ein bisschen glücklich darüber sein, jetzt in diesem Umfeld zu sein, wo wir darüber diskutieren können, wieso wir nicht so und so viel Prozent an Frauen im Vorstand haben. Das ist etwas, was wichtig ist. Das ist eine wichtige Diskussion, aber im globalen Umfeld ist es häufig eine Nicht Diskussion.
Ja, wenn es darum geht, ob ich morgen Geld dafür habe, um meinem Kind eine Hose zu kaufen. Das sind ganz konkrete Sachen, die ich immer wieder sehe, wenn ich in den Armenvierteln der Welt bin. Das sind die Sorgen der Menschen. Die Sorgen der Menschen sind: Kann ich meine Tochter einschließen im Zimmer, weil ich Angst habe, sie geht raus, demonstriert und sie kommt nicht mehr nach Hause. Das sind die Sorgen der Menschen.
Und ich finde, da müssen wir einfach sagen: Seid ein bisschen dankbarer und seid auch ein bisschen großzügiger miteinander.
Reza Mehman
Sehr schöner Abschluss, ich danke euch, Ihnen allen für die Zeit. Es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht, einiges mitgenommen und ich hoffe, wir konnten ein paar gute, ich sage jetzt mal, Eindrücke, Vibrationen nach außen bringen. Vielen Dank.
Anahita Thoms
Vielen Dank.
Danke.
Reza Mehman
Vielen Dank. Das waren wirklich sehr tolle Abschlussworte von Frau Thoms. Ich muss sagen, ich habe super viel mitgenommen. Ich bin auf der einen Seite beruhigt, dass wir im internationalen Vergleich immer noch gut dastehen. Auf der anderen Seite weiß ich natürlich, wenn wir unseren Kindern eine bessere Welt hinterlassen wollen, dann haben wir noch einiges zu tun.
In diesem Sinne vielen Dank fürs Zuhören, vielen Dank fürs Zuschauen. Bis hoffentlich bald wieder. Und nicht vergessen bis dahin: Mindset ist alles.
Relevante Keywords
Nachhaltigkeit Deutschland, ESG Unternehmen, Klimaneutralität Städte, KI und Nachhaltigkeit, Deutschland Innovation, Start-ups Deutschland, Technologie Wettbewerb, Heidelberg Innovation, Sustainable Finance Deutschland, globale Lieferketten, KI Forschung Deutschland, Digitalisierung Wirtschaft, Zukunft der Arbeit, Smart Cities, ESG Regulierung